Aktien Schweiz Eröffnung: SMI baut Kursgewinne aus - Ereignisreiche Woche

Zürich (awp) - Der Schweizer Aktienmarkt startet mit deutlichen Kursgewinnen in die neue Handelswoche. Den Verlust aus der Vorwoche kann der Leitindex SMI allein in der ersten Handelsstunde nahezu ausgleichen. Als Grund für die europaweit starke Tendenz nennen Händler die jüngsten Umfrageergebnisse zum bevorstehenden Referendum in Grossbritannien. Diese zeigten einen leichten Vorsprung für das Lager der EU-Befürworter an.
20.06.2016 10:10

Deutliche Kursausschläge erwarten Händler auch im weiteren Wochenverlauf. Neben der Brexit-Abstimmung steht am Dienstag noch das deutsche Bundesverfassungsgericht auf der Agenda. Es wird zum zweiten Mal über das OMT-Anleihekaufprogramm der EZB entscheiden. Ausserdem präsentiert Fed-Chefin Janet Yellen ihre halbjährliche Stellungnahme vor dem US-Kongress.

Der Swiss Market Index (SMI) gewinnt bis 09.30 Uhr 2,11% auf 7'876,37 Punkte. Im Verlauf der letzten Woche war er zeitweise auf den tiefsten Stand seit Februar gefallen, zum Schluss waren es über die Woche gesehen -2,6%. Der 30 Titel umfassende Swiss Leader Index (SLI), in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, steigt im frühen Handel um 2,32% auf 1'192,86 und der breite Swiss Performance Index (SPI) um 2,06% auf 8'531,90 Punkte. Von den 30 Blue Chips fallen nur Syngenta (-0,1%) zurück.

Angeführt wird die Gewinnerliste von Finanzwerten, allen voran Bankaktien. So ziehen die Credit Suisse um 3,8% an. Die Anteilsscheine von Julius Bär (+3,5%) und UBS (+3,4%) folgen dichtauf. Auch die Versicherer Swiss Life (+2,7%), Bâloise (+2,6%) und Swiss Re (+2,5%) legen überdurchschnittlich zu. Bankaktien hatten in den letzten Tagen besonders deutlich unter den Sorgen vor einem möglichen Brexit gelitten, wobei die CS-Papiere wegen der eher schwachen Eigenkapitalbasis und der laufenden Restrukturierung besonders im Fokus der Anleger gestanden hatten.

Unter den Zyklikern legen Richemont (+3,7%), LafargeHolcim (+3,1%) und auch Geberit (+2,9%) besonders stark zu. Sie hatten in der Vorwoche zum Teil deutliche Abschläge verzeichnet.

Das Nachrichtenaufkommen ist zum Wochenstart dagegen sehr verhalten. Von sich reden machen die beiden Pharma-Schwergewichte Roche (+2,1%) und Novartis (+1,7%). Wobei im Falle von Roche eher Analysten für Bewegung sorgen. So zielt der zuständige Berenberg-Analyst in einer Studie auf die potenzielle Bedrohung durch Biosimilars ab, kommt am Ende aber zu dem Schluss, dass Roche nicht zuletzt dank seiner gut gefüllten Pipeline auch künftig weiter wachsen sollte. Bei Goldman Sachs heisst es derweil gar, der Markt würdige vor allem die bereits weit fortgeschrittenen Produktkandidaten in der Pipeline noch nicht ausreichend.

Bei Novartis dreht es sich ebenfalls um das Thema Biosimilars. Hier hat der Sandoz-Chef, Richard Francis, einmal mehr betont, dass sich die Generika-Tochter im Geschäft mit Biosimilars langfristig als Marktführer etablieren wolle.

Und auch das dritte Schwergewicht, Nestlé (+1,7%), rückt mit einem Pressebericht ins Visier der Investoren. So erklärte CEO Paul Bulcke im Gespräch mit dem deutschen "Handelsblatt", das so genannte Nestlé- Modell sei eine Ambition, kein Ziel, das jedes Jahr unabhängig von der Weltkonjunktur erreicht werden müsse.

Einziger Verlierer unter den Blue Chips sind die Aktien von Syngenta (-0,1%). Die Übernahme des Basler Agrochemie-Konzerns durch den chinesischen Staatskonzern ChemChina stösst in den USA offenbar auf grossen Widerstand, wie die "Schweiz am Sonntag" mit Verweis auf eine mit der Angelegenheit bestens vertraute Quelle am Wochenende berichtet hat. Das sei kein gutes Zeichen, urteilt etwa Baader Helvea in einem Kommentar.

Im breiten Markt sind die Aktien von Meyer Burger mit +5,6% aktuell der grösste Gewinner, nachdem sie in der Vorwoche deutlich nachgegeben hatten. Auch die Anteilsscheine von Lastminute.com (+5,5%) und Evolva (+4,2%) verzeichnen deutliche Kursaufschläge.

Zu den weniger Verlierern gehören am Morgen die Papiere der Züblin Holding mit einem Minus von 3,6%. Auch Addex (-3,2%) und Lifewatch (-1,2%) nehmen an der Erholung zunächst nicht teil.

hr/uh

(AWP)