Aktien Schweiz Eröffnung: SMI startet mit Verlusten - Warten auf Berichtssaison

Zürich (awp) - Der Schweizer Aktienmarkt ist mit Verlusten in die neue Handelswoche gestartet und knüpft damit an seine Tendenz in der Vorwoche an. Händler sprechen von einer gewissen Zurückhaltung vor der Berichtssaison, die in den kommenden Tagen merklich an Fahrt aufnehmen wird. Zudem gelte es, die jüngsten Aussagen von Fed-Chefin Janet Yellen zu bewerten.
17.10.2016 10:15

Die oberste US-Währungshüterin hatte am Freitagabend auf mögliche negative Nebeneffekte einer lange anhaltenden lockeren Geldpolitik verwiesen. "Wenn sie zu lange beibehalten wird, dann könnte eine lockere Geldpolitik Kosten haben, die die Vorteile überwiegen," hatte sie gewarnt. Dies könne als weiteren Schritt zur Vorbereitung des Zinsschrittes im Dezember werten, urteilen Marktteilnehmer. Hierzulande ist die Nachrichtenlage am Montagmorgen noch übersichtlich.

Der Swiss Market Index (SMI) notiert um 09.30 Uhr 0,53% im Minus bei 8'046,98 Punkten. Der 30 Titel umfassende Swiss Leader Index (SLI), in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, verliert 0,47% auf 1'235,62 Punkte, und der breite Swiss Performance Index (SPI) fällt um 0,49% auf 8'792,96 Punkte. Von den 30 wichtigsten Titel notieren 28 im Minus und nur Syngenta (+0,8%) und Kühne+Nagel (+0,6%) gewinnen.

Bei Syngenta verweisen Marktteilnehmer auf die Gerüchte, wonach China die Fusion der grossen staatlichen Chemieunternehmen Sinochem und ChemChina plant. Ein solcher Zusammenschluss könnte die Übernahme von Syngenta durch ChemChina verzögern, meinen Investoren. Als Folge könnte der Discount gegenüber dem Übernahmepreis in den nächsten Wochen auch wieder steigen.

Kühne+Nagel werden am morgigen Dienstag über den Geschäftsverlauf in den ersten neun Monaten 2016 berichten. Analysten rechnen mit einer stabilen Umsatzentwicklung, gehen aber auf Gewinnseite von einer klar positiven Entwicklung aus. Auch in puncto Marktanteile rechnen sie damit, dass der Logistikkonzern noch zulegen konnte.

Im weiteren Wochenverlauf folgen auf Kühne+Nagel noch die Blue Chips Nestlé (-0,8%), Actelion und Roche (beide -0,6%) mit ihren jüngsten Updates zur Geschäftsentwicklung. Die Kursverluste der zwei Schwergewichte drücken denn auch den Gesamtmarkt massgeblich nach unten. Das dritte schwer gewichtete SMI-Mitglied Novartis hält sich mit einem Minus von 0,5% in etwa wie der Markt. Wenn der Pharmakonzern in der kommenden Woche seine Zahlen vorlegt, könnte es bei einigen Schlüsselmedikamenten zu einer positiven Überraschung kommen, heisst es unter Händlern.

Am Ende des Kurstableaus vollführen die Anteilsscheine von Richemont (-1,7%) und Galenica (-1,6%) einen Wettstreit um die grössten Verluste. Während Anleger bei beiden Uhrenherstellern Richemont und Swatch (-1,1%) nach dem deutlichen Kurssprüngen in der vergangenen Woche offenbar Gewinne mitnehmen, gab es bei Galenica einen verhaltenen Analystenkommentar der UBS. Der zuständige Analyst rechnet damit, dass die Übernahme von Relypsa in den kommenden Jahren zunächst die Gewinne belasten wird.

Schwächer tendieren auch die Anteilsscheine der beiden Grossbanken Credit Suisse (-0,5%) und UBS (-0,4%). Sie knüpfen damit beide an den schwächeren Trend der Vorwoche an. Im Markt verwiesen Akteure auf Meldungen zur Deutschen Bank am Wochenende. Offenbar zieht der deutsche Branchenprimus wegen der derzeit mit Hochdruck laufenden Verhandlungen über einen Milliardenvergleich in den USA aus einem Teil des dortigen Investmentbankings zurück. Dies sei Teil der bei Vergleichsgesprächen in den Vereinigten Staaten üblichen Änderungen beim Geschäftsmodell, zitieren die Händler den Bericht.

Aber auch die Aussagen von Finma-Direktor Mark Branson könnten verunsichern. Wie er der "SonntagsZeitung" sagte, sind beim Warnsystem der Bankenaufsicht Finma zu Geldwäscherei-Risiken 15 Banken im roten Bereich. Auf dieser roten Liste stehe auch eine Grossbank.

Im breiten Markt schliessen sich die Aktien von Addex (-1,7% und Molecular Partners (-1,4%) dem insgesamt schwächeren Trend in der Gesundheitsbranche an.

Deutlich zulegen können dagegen die Aktien von Orascom (+4,7%), nachdem das Unternehmen einen Mietvertrag über 3,3 Mio EUR abgeschlossen hat.

hr/rw

(AWP)