Aktien Schweiz Eröffnung: Verluste - Nestlé belasten, Actelion stark

Zürich (awp) - Der Schweizer Aktienmarkt ist am Donnerstag mit Abgaben gestartet. Die Stimmung wird in Händlerkreisen nach den positiven Vorgaben von den wichtigsten Überseehandelsplätzen allerdings als solide beschrieben. Hierzulande sorgen jedoch und vor allem die schwergewichtigen Nestlé-Aktien mit ihren Abgaben für Abwärtsdruck. Der Nahrungsmittelhersteller hatte mit den am Morgen vorgelegten Zahlen die Markterwartungen verfehlt.
20.10.2016 10:15

Der Fokus der Anleger richtet sich im Tagesverlauf auf die Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB). Zwar werden keine konkreten Entscheidungen erwartet. Allerdings dürfte sich EZB-Präsident Mario Draghi mit der Frage konfrontiert sehen, was an Medienberichten dran ist, dass die Notenbank über ein Auslaufen ihrer Anleihekäufe nachdenke. Bereits in der Nacht hatten die Investoren auf die letzte Fernsehdebatte der US-Präsidentschaftskandidaten Donald Trump und Hillary Clinton geblickt. Ersten Blitz-Umfragen zufolge ging auch aus dieser Clinton als Siegerin hervor.

Der Swiss Market Index (SMI) büsst um 09.30 Uhr 0,50% auf 8'052,98 Punkte ein. Der 30 Titel umfassende Swiss Leader Index (SLI), in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, verliert 0,31% auf 1'245,56 und der breite Swiss Performance Index (SPI) 0,47% auf 8'799,17 Zähler. Von den 30 wichtigsten Titel notieren 21 im Minus, sechs im Plus und drei unverändert.

Eine erhebliche Belastung sind Nestlé, die mit Abgaben von 1,5% die schwächsten Blue Chips sind. Der Nahrungsmittelhersteller blieb in den ersten neun Monaten bei der wichtigen Kennzahl organisches Wachstum mit einem Wert von 3,3% klar hinter den Markterwartungen zurück. Die Wachstumsdynamik hat sich im dritten Quartal damit nicht wieder beschleunigt. Nun haben die Westschweizer bezüglich Guidance zurückbuchstabiert. Neu wird für das Gesamtjahr 2016 ein organisches Wachstum um 3,5% erwartet. Bisher war von einem organischen Wachstum wie im Vorjahr (4,2%) die Rede.

Im Rampenlicht stehen auch Roche (unv.), die derweil noch auf Richtungssuche sind. Der Pharmakonzern Roche hat mit seinem Umsatzausweis für das dritte Quartal 2016 die durchschnittlichen Analystenschätzungen zwar ebenfalls nicht ganz erreicht. Die Zahlen werden im Handel allerdings als gemischt bezeichnet. Der für die Zürcher Kantonalbank tätige Analyst bezeichnet das Umsatzwachstum als noch immer ansehnlich.

Nach Zahlen im Blick sind auch Actelion, die mit +1,2% zu den grossen Gewinnern gehören. Das Biopharma-Unternehmen legte nach dem bereits überzeugenden Halbjahresergebnis auch für das Dreivierteljahr über Erwarten gute Resultate vor. Zudem erhöhte das Management aufgrund der Neunmonatszahlen die Prognosen für das Gesamtjahr 2016 ein weiteres Mal.

Im Gewinnerfeld stehen erneut Dufry (+1,4%) ganz vorn, die bereits am Vortag stark abgeschnitten hatten. Nennenswerte Aufschläge verzeichnen noch Swiss Life (+0,3%), UBS und Galenica (je +0,2%).

Im grossen Feld der Verlierer verzeichnen neben Nestlé noch die Titel des Uhrenherstellers Richemont (-1,3%) relativ klare Einbussen, während die Aktien des Mitbewerbers Swatch (-0,3%) vergleichsweise moderat nachgeben. Für schlechte Stimmung sorgen hier die aktuellen Uhrenexportdaten der Eidgenössischen Zollverwaltung, die eine weiterhin schwache Nachfrage anzeigen.

Weitere Zykliker wie Sika (-1,0%), Schindler (-0,9%), Adecco (-0,6%) fallen etwas stärker zurück.

Am breiten Markt stehen Temenos (-1,2%) unter grösserer Beobachtung. Der Bankensoftware-Spezialist hat mit den am Vorabend vorgelegten Quartalszahlen die Markterwartungen deutlich übertroffen und die Prognose erhöht. Zudem wurde ein Aktienrückkaufprogramm angekündigt. Da die Aktie im laufenden Jahr bislang einen starken Lauf hatte, würden Investoren nun gemäss der Devise "sell on good news" Gewinne einstreichen, hiess es im Handel.

Schwach entwickeln sich auch GAM (-0,6%). Die vom Vermögensverwalter publizierten Angaben zu den verwalteten Vermögen fielen zwar besser als von Analysten erwartet aus. Diese bemängeln aber zugleich, dass der Abfluss von Neugeldern im Investment Management weiter angehalten habe. News gab es auch von Sulzer (Aktie -0,9%). Wie angekündigt hat sich der Bestellungseingang im dritten Quartal erneut reduziert.

Im Rückwärtsgang sind auch OC Oerlikon (-3,8%), nachdem Jefferies die Kaufempfehlung zurückgenommen hat und den Titel neu mit "Hold" einstuft. Accu brechen um 6,0% ein, nachdem der Verwaltungsrat der Industriegruppe ein Gesuch um provisorische Nachlassstundung eingereicht hat.

Bei den Gewinnern fallen Zehner (+2,6%) positiv auf. Der Heizungs- und Lüftungshersteller gab bekannt, ab nächster Woche Aktien über 2,1% des Kapitals zurückzukaufen.

cp/rw

(AWP)