Aktien Schweiz Eröffnung: Zum Wochenstart tiefer - Aryzta verlieren nach Zahlen

Zürich (awp) - Der Schweizer Aktienmarkt ist nach dem starken Kursanstieg vom Freitag nun schwach in die neue Woche gestartet. An den europäischen Börsen sei die Nervosität im Vorfeld des italienischen Verfassungsreferendums deutlich zu spüren, meinen Händler. Dabei hätten sich die Anleger an die Seitenlinie zurückgezogen, während der sinkende Ölpreis zusätzlich belaste. Gespannt darf man auch sein, wie die US-Börse nach dem verlängerten "Thanksgiving"-Wochenende eröffnen wird.
28.11.2016 10:14

Am Sonntag stimmt Italien über die Verfassungsreform ab, die den politischen Entscheidprozess vereinfachen soll. Im Land macht sich allerdings grosser Widerstand gegen den von Premierminister Matteo Renzi lancierten Vorschlag breit. Experten befürchten, dass bei einem "No"-Votum das euro-kritische Lager um die Fünf-Sterne-Bewegung an Stärke gewinnt. Am Markt sind zudem Zweifel an der Umsetzung einer bereits beschlossenen Förderkürzung des Ölkartells Opec aufgekommen, was auf den Ölpreis drückt.

Der Swiss Market Index (SMI) verliert um 9.30 Uhr 0,50% auf 7'841,92 Punkte. Der 30 Titel umfassende Swiss Leader Index (SLI), in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, sinkt um 0,58% auf 1'242,21 Zähler, und der breite Swiss Performance Index (SPI) um 0,49% auf 8'586,02 Punkte. Von den 30 wichtigsten Titeln liegen 27 im Minus und nur drei im Plus.

Die grössten Kurseinbussen im SMI/SLI verbuchen Aryzta (-2,0%). Der Backwaren-Konzern hat die Anleger mit der schwachen Umsatzentwicklung im ersten Quartal 2016/17 enttäuscht, wobei der Volumenrückgang in Nordamerika besonders ins Gewicht fiel. An der eigenen Guidance für das Gesamtjahr hält Aryzta trotzdem fest und auch mit den Plänen zur Refinanzierung sei man auf Kurs, hiess es.

Auf der Gegenseite setzen Actelion (+3,0%) den Steigerungslauf der Vorwoche fort. Das Allschwiler Biopharmaunternehmen bestätigte am Freitag nachbörslich die vor einigen Tagen aufgekommenen Gerüchte, wonach der US-Konzern Johnson & Johnson (J&J) hinsichtlich einer möglichen Übernahme Kontakt aufgenommen habe. Gewissheit, dass eine Transaktion zustande kommen wird, besteht derzeit aber noch nicht.

Im Finanzsektor gibt die CS (-1,7%) zu Reden. Einem Zeitungsbericht zufolge wird gegen einen Angestellten der Grossbank sowie zwei externe Vermögensverwalter ermittelt. Ihnen wird die Veruntreuung von Vermögen türkischer Multimillionäre vorgeworfen. Indes kursieren am Markt erste Berechnungen darüber, wie viel die Schweiz-Tochter bei ihrem für 2017 geplanten partiellen Börsengang einbringen könnte. Wie von interner Stelle zu hören ist, rechnet das CS-Management offenbar mit einer Bewertung zwischen 15 und 20 Mrd CHF, schrieb die "Schweiz am Sonntag".

Die Aktien des Branchennachbars UBS verlieren 1,0% und die Versicherungsaktien von Swiss Life und Zurich gehören mit Abschlägen von 0,9% bzw. 1,3% zu den grössten Verlierern. Ihnen verleiht die optimistische Einschätzung, die Morgan Stanley in eine Sektorstudie für die europäischen Versicherer abgegeben hat, kaum Rückenwind.

Richemont und Swatch verlieren 0,7% und 0,6%. Dabei hat sich der Chef der LVMH-Uhrendivision Jean-Claude Biver in einem Interview positiv zu den Aussichten der arg gebeutelten Branche geäussert. Über das ganze Jahr erwartet er ein Plus von 2-5% bei den Exporten. Am Montag erhöhte Bernstein das Kursziel sowohl für Richemont als auch für Swatch.

Galenica geben um 1,4% nach. Dabei hat eigentlich die Tochter Relypsa für den Kaliumbinder Veltassa von der FDA die Genehmigung für eine Indikationsanpassung bezüglich oraler Suspension erhalten. Die Labelanpassung sowie der gestrichene Warnhinweis der FDA seien erfreulich, so eine Analystin. Wichtig werde es nun aber sein, wie sich die Umsätze von Veltassa entwickeln.

Nur leichte Einbussen verzeichnen die Pharmaschwergewichte Novartis und Roche (je -0,1%).

Im breiten Markt büssen Sulzer 1,3% ein. Der Industriekonzern will den in Frankreich und Belgien aktiven Pumpenhersteller Ensival Moret übernehmen. Entsprechende exklusive Verhandlungen seien am vergangenen Freitag aufgenommen worden, hiess es. Nach der Ablehnung der Atomausstiegs-Initiative stehen dagegen die Aktien von Energieunternehmen wie Alpiq (+4,1%) und BKW (+1,6%) auf der Gewinnerseite.

Starke Avancen verbuchen erneut Meyer Burger (+13%). Bereits am Freitag sind die in der Vergangenheit arg gebeutelten Titel um über 20% in die Höhe geklettert, nachdem Gläubiger dem finanziell angeschlagenen Solarzulieferer in einem ersten Schritt den Weg für die geplante Rekapitalisierung frei gemacht hatten.

mk/cp

(AWP)