Aktien Schweiz: Fester - Defensive Schwergewichte bremsen SMI

Die Schweizer Börse knüpft am Donnerstag an ihre Vortagesgewinne an, wird aber von ihren defensiven Schwergewichten etwas zurückgebunden. Für die wiedererwachte Risikofreude der Anleger sind zwei Faktoren verantwortlich: Neue Gespräche zwischen den USA und China sowie weitere Abstimmungsschlappen für den britischen Premier Boris Johnson und seine No-Deal-Brexit-Pläne.
05.09.2019 11:30

Die USA und China wollen sich wieder bemühen, ihren Handelskonflikt zu entschärfen. Ab Anfang Oktober soll es bilaterale Gespräche geben. Gleichzeitig sieht es aktuell danach aus, als könnte verhindert werden, dass Grossbritannien Ende Oktober ohne Austrittsabkommen aus der EU ausscheidet. Am Nachmittag stehen aus den USA Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe an. Die geben einen ersten Fingerzeig für die US-Arbeitsmarktdaten am Freitag - aus konjunktureller Sicht das Highlight der Woche.

Der Swiss Market Index (SMI) notiert um 11 Uhr 0,31 Prozent höher auf 9'925,25 Punkten. Der 30 Aktien umfassende Swiss Leader Index (SLI) gewinnt 0,62 Prozent auf 1'512,97 und der breite Swiss Performance Index (SPI) 0,31 Prozent auf 12'109,17 Zähler. IM SLI kommen auf 23 Gewinner 7 Verlierer.

Schindler springen um 2,5 Prozent an. Händler verweisen einerseits auf die Entspannung im Handelsstreit, andererseits auf Übernahmespekulationen. Auslöser für diese ist ein Artikel in der italienischen Tagespresse, wonach der Rivale Otis Interesse am Aufzugs- und Rolltreppenhersteller aus Hergiswil bekunde.

Auch AMS ziehen um deutliche 2,4 Prozent an und setzten die jüngste Erholung fort. Händler erklären die Bewegung erneut damit, dass es offenbar nicht zu einem Bieterstreit mit den beiden Finanzinvestoren Bain Capital und The Carlyle Group um Osram kommt.

Im Tech-Sektor steigen auch Temenos (+2,7%) kräftig und im breiten Markt schliessen sich U-Blox (+3,5%) und VAT (+2,9%) der Erholung an. An der Wall Street hatten gestern Intel den Dow angeführt.

Auch Richemont (+0,7%) und Swatch (+1,8%) knüpfen an ihre jüngste Erholung an - getragen von der Hoffnung, die politisch aufgeheizte Lage in Hongkong könnte sich schon bald beruhigen. Hongkong gilt für die Schweizer Uhrenindustrie als der weltweit wichtigste Absatzmarkt.

Regierungschefin Carrie Lam zog dort das hochumstrittene Gesetz für Straftäter-Auslieferungen nach China zurück, das als Hauptgrund für die jüngsten Massendemonstrationen galt. Analysten merken aber kritisch an, dass die Forderungen der Massenproteste weit über das hinausgingen, was nun beschlossen worden sei in Hongkong.

UBS notieren 1,1 Prozent höher. Laut einem Bericht der "Financial Times" plant die Grossbank eine Reorganisation des Investment Banking. Demnach wird auch über einen Abbau von mehreren hundert Stellen diskutiert. Mit Credit Suisse (+1,5%) und Julius Bär (+1,6%) tendieren andere Bank-Valoren aber noch stärker.

Und wer in Swiss Re (+1,2%) investiert ist verfolgt gleichzeitig genau, was der Hurrikan "Dorian" vorhat. Dieser hat auf seinem Weg entlang der Südostküste der USA wieder deutlich an Kraft zugelegt. Die Bundesstaaten Georgia, South Carolina und North Carolina sowie Virginia sind gefährdet.

Defensive Schwergewichte sind im risikofreudigeren Umfeld weniger gefragt: Novartis (-0,1%), Roche (-0,7%) und Nestlé (+0,1%) halten den SMI entsprechend zurück. Sonova sinken nach einem zuletzt starken Lauf um 1,8 Prozent.

Im breiten Markt stehen die SIG-Papiere 0,3 Prozent tiefer bei 12,34 Franken. Der frühere Besitzer und heutige Hauptaktionär Onex hat sich am Vorabend in einem beschleunigten Buchbildungsverfahren von einem grossen Aktienpaket getrennt. Laut den beteiligten Banken wurden die 30 Millionen Papiere zu einem Preis von 12 Franken das Stück platziert.

ra/kw

(AWP)

 
Aktuell+/-%
SMI10'945.46+0.63%