Aktien Schweiz: Gewinne am Tag des Brexit-Referendums - Hoffen auf EU-Verbleib

Zürich (awp) - Der Schweizer Aktienmarkt tendiert am Tag der Brexit-Abstimmung fester, gleichzeitig bleibt der Handel aber von Nervosität geprägt. Die Anleger hatten sich am Donnerstag zu Handelsstart noch zurückgehalten und erst kurz vor Mittag begann der Leitindex SMI, im Sog der europäischen Finanzmärkte kräftig zuzulegen. Die Zuversicht, dass sich die Briten für den Verbleib in der EU aussprechen, habe unter den Buchmachern sowie den Investoren deutlich zugenommen und dies stütze sowohl die Aktien als auch das britische Pfund, meinen Händler. Am Morgen haben die Wettquoten noch eine Brexit-Wahrscheinlichkeit von 25% vorausgesagt, später lag diese dann um rund 10 Prozentpunkte tiefer.
23.06.2016 15:11

Nun warte man gespannt auf den Ausgang des Brexit-Referendums auf der Insel, heisst es weiter. Gewissheit darüber, ob Grossbritannien weiterhin zur EU gehört oder nicht, werden die Märkte allerdings erst am morgigen Freitag haben. Bis dahin bleibe die Unsicherheit unter den Anlegern gross. Angesichts der steigenden Zuversicht im Lager der EU-Befürworte dürfte ein Votum der britischen Bevölkerung für einen Brexit zu grossen Verwerfungen am Markt führen, warnen Händler. Wegen dem Blick auf die politische Bühne haben die besser als erwartet ausgefallenen Daten zum US-Arbeitsmarkt das Geschäft mit Aktien kaum beeinflusst.

Bis um 14.45 Uhr gewinnt der Swiss Market Index (SMI) 0,72% auf 8'029,62 Punkte und weitet damit die Gewinne der vergangenen vier Handelstage aus. Seit letztem Freitag liegt der Index mit rund 4% im Plus. Der 30 Titel umfassende Swiss Leader Index (SLI), in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, legt am Donnerstag um 1,00% auf 1'222,94 und der breite Swiss Performance Index (SPI) um 0,74% auf 8'691,12 Zähler zu. Von den 30 Blue Chips stehen bis auf Syngenta alle im Plus.

Die grössten Gewinne verzeichnen nach wie vor Galenica mit +3,2%. Bereits am Morgen waren die Titel gesucht und weiteten die Gewinne in der Folge deutlich aus. Dahinter folgen die beiden Grossbankenwerte CS (+1,8%) und UBS (+1,9%) sowie Zykliker wie Geberit (+1,7%), LafargeHolcim, Adecco oder Schindler (je +1,5%).

Nestlé liegt mit einem Plus von 0,9% ebenfalls gut im Trend, während Novartis (+0,1%) und Roche (+0,3%) nur leicht dazugewinnen. Von einer Stimmungsaufhellung würden die drei Schwergewichte wegen ihres defensiven Charakters grundsätzlich weniger profitieren, merkte ein Händler an. Allerdings sollten die Titel im Gegenzug auch weniger stark auf das Szenario Brexit reagieren als etwa Zykliker oder Banken. Derweil können die Papiere von Novartis kaum von positiven Studiendaten zum wichtigen Herzmedikament Entresto profitieren. Entresto könne jährlich über 28'000 Todesfälle verhindern, kommt eine auf die USA bezogene Studie zum Schluss.

Einzige Verlierer im SMI/SLI sind die Syngenta-Papiere (-0,3%). Der Handel mit Syngenta bleibt nach wie vor von den Unsicherheiten um das laufende Übernahmeangebot durch ChemChina geprägt.

Im breiten Markt gehören Meyer Burger mit +3,8% weiterhin zu den grossen Gewinnern. Der Solarzulieferer hat einen Auftrag über 21 Mio CHF in China erhalten. Dies bringe das Unternehmen einen Schritt weiter bezüglich der Refinanzierung der Schulden, heisst es bei Vontobel. Seit Anfang Juni hat der Thuner Betrieb Aufträge über insgesamt über rund 70 Mio CHF gemeldet.

Im Blick stehen auch die Aktien von Carlo Gavazzi (+1,7%). Die Elektronikgruppe Carlo Gavazzi hat im Ende März abgeschlossen Geschäftsjahr zwar weniger Umsatz und Gewinn gemacht, belässt die Dividende aber unverändert. Umsatz und EBIT lagen leicht über den Schätzungen, schreibt die ZKB. Grössere Abgaben verzeichnen derweil Titel wie Orascom (-2,6%) oder BFW Liegenschaften (-2,5%).

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(AWP)