Aktien Schweiz: Gewinne ausgebaut - Nestlé schieben an

Zürich (awp) - Der Schweizer Aktienmarkt hat die Gewinne seit der Mittagszeit ausgeweitet. Der Leitindex SMI kletterte am Dienstagnachmittag über 7'800 Punkte und damit auf Tageshoch. Bereits am Morgen hatte der Markt zu einer breit gefassten Erholungsbewegung angesetzt, wobei vor allem die schwergewichtigen Nestlé-Titel nach der Ankündigung des CEO-Wechsels Schub gaben. Der SMI erholt sich damit ein wenig von den in den vergangenen beiden Handelstagen erlittenen Verluste, die vom "Brexit-Schock" ausgelöst wurden. Europaweit zeigt sich eine ähnliche Entwicklung. Neben Entspannungssignalen von den Rohstoffmärkten wurde im Handel speziell für die Schweiz auch auf eine deutliche Abschwächung des Frankens zum Euro verwiesen.
28.06.2016 15:24

Mit den Kursgewinnen geht auch die Nervosität zurück, wie dem Volatilitätsindex VSMI abzulesen ist (-15%). Dies allerdings von einem sehr hohen Niveau aus. Die mit dem Ausstiegsprozess der Briten verbundene Verunsicherung dürfte laut Händlern wohl noch wochen- oder gar monatelang auf den Märkten lasten. Im Tagesverlauf richten sich die Blicke nun auf Konjunkturdaten. In den USA stehen unter anderem Daten zur Konsumentenstimmung auf der Agenda.

Der Swiss Market Index (SMI) gewinnt um 14.50 Uhr 2,78% auf 7'805,50 Zähler. Der 30 Titel umfassende Swiss Leader Index (SLI), in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, steigt um 2,62% auf 1'150,47 und der breite Swiss Performance Index (SPI) um 2,74% auf 8'428,82 Zähler. Von den 30 Blue Chips notieren 27 im Plus, zwei unverändert und Syngenta im Minus.

Im Fokus liegen die schwergewichtigen Nestlé-Titel, die mit +4,0% zu den grossen Gewinnern gehören. Der Nahrungsmittelkonzern hat für alle überraschend mit dem Deutschen Ulf Mark Schneider einen Externen zum neuen CEO berufen. Dieser war zuletzt CEO des Gesundheitsunternehmens Fresenius. Damit signalisiert Nestlé nach Ansicht von Beobachtern, wo künftig stärkere Akzente gesetzt werden sollen. Auch eine Kaufempfehlung aus dem Hause S&P findet Beachtung.

Stark nach oben geht es auch mit den Aktien der beiden Luxusgüterhersteller Richemont (+5,1%) und Swatch (+5,0%) sowie mit weiteren Zyklikern wie LafargeHolcim (+4,0%). Die Aktien des Zementherstellers standen aufgrund eines relativ bedeutenden Geschäftsanteils in Grossbritannien zuletzt überdurchschnittlich unter Druck. Am Berichtstag erhöhte Goldman Sachs das Rating für den Valor auf "Buy" von "Neutral".

Auch die Versicherer Zurich (+4,5%), Swiss Re (+4,2%), Swiss Life (+3,5%) und Bâloise (+3,6%) fallen mit überdurchschnittlichen Gewinnen auf.

Die Grossbankenwerte, die mit dem Brexit-Votum heftig unter die Räder gekommen waren, nehmen an der Erholung nur bedingt teil: Credit Suisse legen um 0,9% zu, UBS stehen unverändert. Die Ungewissheit sei für die gesamte Finanzindustrie weiterhin sehr gross, hiess es im Handel. Zudem habe sich das konjunkturelle Umfeld mit dem Brexit erst einmal stark eingetrübt, womit Kreditausfälle drohten und die ohnehin angeschlagene Finanzbranche belasten könnte.

Leicht unterdurchschnittlich schneiden auch die beiden Pharma-Schwergewichte Roche (+2,5%) und Novartis (+2,4%) ab. Die beiden Titel wurden vom Brexit viel weniger nach unten gerissen als der Gesamtmarkt, womit das Erholungspotenzial auch nicht so gross sei, hiess es von Händlern. Novartis verstärkt mit einem Lizenzabkommen mit der amerikanischen Xencor sein Immun-Onkologieportfolio. Roche wiederum hat von den beiden Zulassungsbehörden FDA in den USA und der EMA in Europa grünes Licht für seinen Antrag für das Mittel Ocrevus in der Behandlung von Multipler Sklerose erhalten.

Syngenta sind ohne konkrete News mit -0,1% die einzigen Verlierer.

cp/yr

(AWP)