Aktien Schweiz: Gewinne schmelzen ab - Anleger bleiben vorsichtig

Der Schweizer Aktienmarkt gibt am Donnerstag nach einem freundlichen Frühgeschäft die Gewinne zu einem Grossteil wieder ab. Nach den beiden schwachen Vortagen hätte man schon mit einer etwas stärkeren technischen Erholung rechnen können, heisst es am Markt. Da die Konjunktursorgen aber nach wie vor das beherrschende Thema seien, griffen die Anleger halt nicht mit beiden Händen zu. Verunsichert sind die Anleger auch davon, dass die US-Regierung nach der Genehmigung durch die Welthandelsorganisation (WTO) am Vortag Strafzölle in Milliardenhöhe auf bestimmte EU-Importe angekündigt hat. Dies könnte der erste Schritt in einer möglichen Eskalation des Handelsstreits sein, heisst es am Markt.
03.10.2019 11:46

WTO-Schlichter hatten den USA am Mittwoch das Recht zugesprochen, wegen der Subventionen Strafzölle von bis zu 100 Prozent zu erheben. Auf die Einfuhr von Flugzeugen sollen es 10 Prozent sein, bei zahlreichen anderen Produkten 25 Prozent. Gemäss Analysten sind die Strafzölle damit jedoch geringer als befürchtet. Man habe bewusst nicht zu dem theoretisch erlaubten maximalen Satz von 100 Prozent gegriffen, weil die USA auf eine Verhandlungslösung mit der EU setze, sagte ein ranghoher US-Beamter. Damit sei aber wohl nicht das letzte Wort gesprochen.

Der Swiss Market Index (SMI) notiert um 11.10 Uhr mit 9'764,51 Punkten um 0,07 Prozent höher. Der 30 Aktien umfassende Swiss Leader Index (SLI) notiert dagegen um 0,06 Prozent leichter bei 1'487,26 Zählern, und der breite Swiss Performance Index (SPI) gewinnt 0,11 Prozent auf 11'881,22 Punkte. Von den 30 wichtigsten Aktien stehen 16 höher und 14 tiefer.

Im Fokus stehen Sika (+3,1%). Der Bauchemiekonzern setzt sich für die EBIT-Margen langfristig klar höhere Ziele als bislang, wie das Management in der neuen "Strategie 2023" vorstellte, und will den CO2-Ausstoss massgeblich senken. Die ZKB spricht von "wie von Sika gewohnt ambitiösen Zielen".

Auf Erholungskurs eingeschwenkt sind zudem die Aktien des Pharmazulieferers Lonza (+2,1%), der Unterhaltungselektronikkonzern Logitech (+0,7%) sowie die beiden defensiven Schwergewichte Nestle und Novartis (je +0,6%). Roche steigen um 0,3 Prozent.

Auf der anderen Seite notieren die Banken UBS (-1,8%), Julius Bär (-1,3%) und Credit Suisse (-1,0%) klar im Minus.

Unter Druck stehen ausserdem die Anteile zyklischer Firmen wie der Elektrotechnikkonzern ABB (-2,1%) und die Luxusgüterhersteller Richemont (-1,0%) und Swatch (-1,0%). Händler weisen darauf hin, dass in dem für die Luxusbranche wichtigen Markt Hongkong wegen der seit Monaten andauernden Proteste die Einzelhandelsumsätze im August um 23 Prozent im Jahresvergleich gefallen seien.

Am breiten Markt werfen die Anleger Aktien aus den Depots, die sich im laufenden Jahr schwach entwickelt haben. Die Kurse des Nahrungsergänzungsmittelherstellers Evolva (-5,4%), des Maschinenbauers Bobst (-3,3%), des Bauzulieferers Burkhalter (-2,5%) und anderer geben deutlich nach.

Dagegen erfreuen sich die Papiere von Swissquote (+2,7%) kräftiger Gewinne. Die Aktie profitiere von den volatilen Märkten, die "für Daytrader viele Opportunitäten ermöglichen". Zudem griffen viele Anleger in unsicheren Zeiten nach Gold oder Bitcoins. "Und das sind Sachen, die man gerne über Swissquote handelt", sagte ein Händler. Dies sorge für mehr Umsatz und wohl auch für höhere Gewinne bei der Onlinebank.

Die Aktien von Implenia büssen hingegen 1,0 Prozent ein. Der Baukonzern steht unter dem Druck grösserer Aktionäre. Diese wollen unter anderem auf einer ausserordentlichen Generalversammlung drei eigene Vertreter in den Verwaltungsrat entsenden und den Präsidenten absetzen. "Das sorgt in erster Linie für Unruhe, auch wenn manche Forderungen vielleicht gut sind", sagt ein Händler.

pre/ys

(AWP)

 
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