Aktien Schweiz: Grosse Kursverluste - Schwacher Start nach Brexit-Votum

Zürich (awp) - Der Schweizer Aktienmarkt hat den Handel am Freitag mit Blick auf den bevorstehenden Austritt Grossbritanniens aus der EU britischen Bevölkerung mit deutlichen Kursverlusten eröffnet. Der Leitindex SMI rutschte mit den schwachen Vorgaben aus Asien und im Sog des Kurseinbruchs an den europäischen Börsen sogleich um beinahe 550 Punkte ab, setzte sich in der Folge jedoch vom Tagestief etwas ab. Mit den grossen konjunkturellen Unsicherheiten geben auch die Ölpreise stark nach, während Gold sich einer steigenden Nachfrage erfreut.
24.06.2016 09:26

Die Anleger wurden von der britischen Bevölkerung auf dem falschen Fuss erwischt. "Alle sind falsch positioniert", sagte ein Händler. "Keiner hat damit gerechnet, dass die Briten wirklich austreten. Jetzt gibt es immensen Absicherungsbedarf." Der Entscheid sei ein schwerer Schlag für die EU und werde vor allem die britische Wirtschaft stark belasten, meinen Ökonomen zum Brexit. Nun müsse Europa die Verhandlungen mit Grossbritannien vorantreiben und alles unternehmen, um den wirtschaftlichen Schaden zu begrenzen, lautet die Forderung.

Der Swiss Market Index (SMI) verliert gegen 9.15 Uhr mit 4,81% auf 7'640,58 Punkten stark an Wert. Der 30 Titel umfassende Swiss Leader Index (SLI), in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, büsst 6,22% auf 1'145,20 Stellen und der breite Swiss Performance Index (SPI) 4,79% auf 8'267,77 Zähler ein. Von den 30 Blue Chips liegen alle im Minus.

Mit der an den Finanzmärkten rapide gestiegenen Unsicherheit nimmt auch die Volatilität zu. Der Schweizer Volatilitätsindex VSMI klettert zu Börsenbeginn um 3,8% auf 26,35 Punkte in die Höhe. Derweil gewinnt der Schweizer Franken zum Euro weniger deutlich an Stärke als erwartet. Der Euro-Frankenkurs liegt bereits wieder bei 1,0798 CHF nachdem er im asiatischen Handel unter die Schwelle von 1,07 abgerutscht war. Die Schweizerische Nationalbank hat inzwischen bestätigt, dass sie mit Interventionen auf dem Devisenmarkt stabilisierend eingegriffen hat.

Vor allem die Kurse der Banken und Zykliker stehen am Berichtstag gehörig unter Druck. Sie hatten sich in den vergangenen Tagen mit der Hoffnung auf einen "Bremain" stark erholt gezeigt. So büssen UBS und Credit Suisse um 13% bzw. 15% ein. Konjunktursensitive Aktien wie jene von Dufry (-12%), Adecco und LafargeHolcim (beide -10%) geben ebenfalls stark nach.

Grosse Kurseinbussen sind auch bei Richemont (-11%) oder Swatch (-8,0%) zu sehen. Die beiden Luxusgütertitel dürften zusätzlich noch von einer Abstufung der Bank BaaderHelvea auf "Hold" von "Buy" leiden.

Derweil bieten Nestlé (-2,3%) leichte Unterstützung, wogegen Roche (-3,8%) und Novartis (-4,1%) stärker nachgeben.

mk/ra

(AWP)