Aktien Schweiz: Im Rückwärtsgang - Zollstreit und Brexit bremsen

Die Schweizer Börse gibt am Dienstag auf breiter Front nach. Die mit dem anhaltenden Handelskonflikt verbundenen Wachstumsängste und das Hin und Her im Zusammenhang mit dem Brexit verderben laut Händlern den Anlegern die Laune. Dazu komme die für die Schweizer Wirtschaft schädliche Euro-Schwäche und die eine tiefere Eröffnung signalisierenden US-Aktien-Futures.
03.09.2019 11:38

Wegen des US-Labor Day-Feiertags vom Vortag fehlen auch kursbewegende News von jenseits des Atlantiks. Impulse erwarten Händler am ehesten von dem am Nachmittag in den USA zur Veröffentlichung anstehenden gewerblichen Einkaufsmanagerindex. Der Höhepunkt des Datenreigens der laufenden Woche ist dann am Freitag, wenn der offizielle US-Arbeitsmarktbericht veröffentlicht wird. Davon erhoffen sich die Anleger Hinweise über das Ausmass der 2019 noch zu erwartenden US-Zinsschritte. "Wir rechnen nun für das laufende Jahr mit mindestens zwei weiteren Zinsschnitten", heisst es in einem Kommentar der Grossbank CS mit Blick auf die Unsicherheiten.

Der Swiss Market Index (SMI) notiert um 11.10 Uhr 0,34 Prozent tiefer bei 9'890,64 Punkten. Der 30 Aktien umfassende Swiss Leader Index (SLI) fällt 0,32 Prozent auf 1'500,30 und der breite Swiss Performance Index (SPI) 0,31 Prozent auf 12'053,98 Zähler. 19 der 30 SLI-Werte notieren schwächer und elf ziehen an.

Die stärksten Abschläge im SLI verbuchen die Anteile der Luxusgüterhersteller Swatch (-3,1% auf 259 Fr.) und Richemont (-2,1%). Der Handelskrieg und die Demonstrationen in Hongkong sowie der starke Franken liessen grüssen, sagte ein Händler. Zudem hat SocGen das Kursziel für Swatch auf 257 von 296 Franken gesenkt und die Verkaufsempfehlung bestätigt.

Ebenfalls unter China-Sorgen leiden die Titel des Sensorenherstellers AMS (-1,2%). Auf der Verkaufsliste stehen aber auch die Aktien der Banken Credit Suisse (-0,5%), UBS (-0,7%) und Julius Bär (-0,4%). Aber auch Papiere zyklischer Firmen wie LafargeHolcim (-0,7%), Sika (-0,3%) und Adecco (-0,2%) verlieren an Wert.

Bei den als wenig konjunkturzyklisch geltenden Werten führt der Pharmatitel Roche (-1,2%) die Verlierer an. Rivale Novartis (-0,5%) schlägt sich etwas besser. Der Lebensmittelwert Nestlé (+0,1%) erholt sich gar im Verlauf in die Gewinnzone.

Besser als der Markt schlagen sich auch die Anteile des Hörgeräteherstellers Sonova (+0,3%), des Bankensoftware-Konzerns Temenos (+0,3%) und der Sanitärtechnikfirma Geberit (+0,4%).

Am breiten Markt fallen BKW mit einem Kurssprung um 12,6 Prozent auf. Der Stromkonzern hat die Erwartungen der Analysten übertroffen. Auch die Anteile der MCH Group (+4,4%) gewinnen deutlich. Die kriselnde Messebetreiberin hat wegen Sonderkosten für die Restrukturierung des Geschäfts zwar einen Verlust geschrieben. Dieser ist allerdings klein und auf den Messegebäuden dürfte es in diesem Jahr zu keinem weiteren grossen Abschreiber kommen.

Die Aktien von Kuros schliessen gar um einen Fünftel nach oben. Das Ja der US-Arzneimittelbehörde FDA für eine klinische Phase 2a-Studie mit einem Produktkandidaten habe den Aktien der Biotechfirma Phantasie verliehen, heisst es.

Die Aktien von Hiag (-4,4%) setzen hingegen den Abwärtstrend fort. Die Immobilienfirma ist gemäss Angaben vom Vortag im ersten Halbjahr wegen zwei Sondereffekten tief in die roten Zahlen gerutscht und lässt daher die Dividende für das laufende Jahr ausfallen.

Gewinnmitnahmen lassen die Titel von Asmallwolrd um 4,3 Prozent nachgeben. Das Soziale Netzwerk für Reiche hat wie bereits vor kurzem angekündigt den Umsatz kräftig gesteigert, erstmals einen kleinen Gewinn geschrieben und bestätigt nun die Prognosen. Die Firma habe "geliefert" und daher würden Gewinne eingestrichen, sagt ein Händler dazu.

Die Papiere von Stadler Rail fallen um 3 Prozent. Der Zughersteller habe im ersten Halbjahr die Erwartungen verfehlt, heisst es. Auch Carlo Gavazzi fallen auf. Die Aktie der Elektronikfirma verliert bei dünnen Umsätzen 6,5 Prozent.

pre/uh

(AWP)