Aktien Schweiz: Kaum verändert nach SNB-Kommentaren - Swiss Life unter Druck

Der Schweizer Aktienmarkt zeigt sich am Donnerstagmittag kaum verändert. Nach einem negativen Start ist der SMI im Anschluss an die Publikation der neuesten Lagebeurteilung durch die SNB vorübergehend in die Gewinnzone vorgerückt, hat zuletzt aber wieder nachgegeben. Die Konsolidierungsphase im Anschluss an einige starke Tage hält damit nach der Seitwärtsbewegung des Vortages an. Gedämpft wird die Stimmung international gesehen von schwachen Konjunkturdaten aus China. Dort ist die Industrieproduktion im vergangenen Monat klar weniger stark gestiegen als prognostiziert.
14.09.2017 12:34

Hierzulande steht jedoch die SNB im Fokus der Investoren. Die Nationalbank hat wie erwartet die monetären Grundbedingungen unverändert belassen. Sie sieht jedoch den Franken mittlerweile nur noch als "hoch bewertet" an und nicht mehr wie bisher als "deutlich überbewertet" und verweist auf die anhaltende Bereitschaft zu Interventionen am Devisenmarkt. Darüber hinaus hat die SNB - wie im übrigen auch das BAK Economics - die Prognose für das Wirtschaftswachstum im laufenden Jahr gesenkt. Beide Institute verweisen dabei auf die tiefen BIP-Werte der Vorquartale und beurteilen die Aussichten für die kommenden Monate als gut.

Der SMI büsst bis um 11.45 Uhr 0,03% auf 9'051,08 Punkte ein. Der 30 Aktien umfassende Swiss Leader Index (SLI), in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, gibt 0,04% auf 1'452,23 Punkte nach und der breite Swiss Performance Index (SPI) 0,01% auf 10'335,52 Punkte. Von den 30 wichtigsten Titeln notieren nur noch 13 im Minus, einer unverändert und 16 im Plus.

Der Franken hat auf den SNB-Entscheid mit einer gewissen Verzögerung reagiert und schliesslich etwas nachgegeben. Der Euro kostete vorübergehend über 1,15 CHF, der US-Dollar steht derzeit bei 0,9665 CHF.

Bei den Aktien setzen Richemont (-1,3%) ihren Abwärtstrend vom Vortag im Anschluss an das Trading-Statement für die ersten fünf Monate fort. Dies nach verschiedenen Kurszielerhöhungen und einer Rücknahme des Ratings auf "Hold" durch die Deutsche Bank, was diese mit Bewertungsgründen erklärt. Der Rückgang der Aktie trotz allgemein positiv kommentierter Zahlen wurde am Mittwoch auf Gewinnmitnahmen im Anschluss an den starken Lauf der Vorwochen zurückgeführt. Swatch (-0,9%) notieren nur leicht besser.

Noch mehr geben einzig Swiss Life (-1,9%) nach. Der Lebensversicherer ist mit seinen "Insurance Wrapper" ins Visier der US-Justizbehörde geraten. Dabei handelt es sich um das Geschäft mit komplexen Lebensversicherungen, die an wohlhabende Kunden verkauft wurden und im Verdacht stehen, zur Umgehung von Steuerpflichten missbraucht worden zu sein. Mögliche Bussen dürfte Swiss Life aus Sicht der Analysten allerdings gut verkraften. Auch in einem "Worst Case"-Szenario dürfte die finanzielle Belastung für die Swiss Life aus dieser Rechtsangelegenheit begrenzt sein, hiess es dazu.

Swiss Re (-0,3%) haben ihre anfänglichen Einbussen nach warnenden Aussagen des Konkurrenten Munich Re im Zusammenhang mit den Sturmschäden in den USA etwas eingegrenzt. Dort seien hohe versicherte Schäden zu erwarten, was das Gewinnziel für das laufende Jahr in Frage stelle, hiess es seitens Munich Re am Vorabend.

Gestützt wird der Gesamtmarkt insbesondere von den mittlerweile klar ins Plus gedrehten Roche (+0,6%). Demgegenüber zeigen sich Nestlé (unv.) unauffällig, während Novartis (-0,3%) leicht nachgeben.

ABB (+0,6%) werden von den schwachen Industrie-Daten aus China kaum belastet.

Spitzenreiter sind allerdings Vifor Pharma (+1,0%), welche im Vorfeld des Ende September anstehenden Investorentags seit Anfang des Monats kräftig zugelegt haben. Die Erholung sei von Anlagekäufen ausgelöst und hernach von Deckungskäufern gestaltet worden, hiess es in Marktkreisen.

Um je 0,8% ziehen dahinter Adecco sowie Kühne+Nagel an. Zu Adecco wird am Markt spekuliert, dass die Baissiers "das Handtuch werfen". Und der Logistiker hat an der IAA in Frankfurt eine Logistik-Lösung für Lithium-Batterien lanciert.

Im breiten Markt erhalten Kudelski (+2,1%) von einem Auftrag der deutschen Fussballliga für die Tochtergesellschaft Nagra etwas Support.

Jeweils nach Zahlen werden BFW (+1,8%) und Newron (+4,9%) höher gestellt, wogegen Airesis unverändert notieren. Flughafen Zürich (-0,1%) fallen nach den Passagierdaten für den August minim zurück.

cf/ys

(AWP)