Aktien Schweiz: Konjunktursorgen belasten - Zykliker unter Druck

Der Schweizer Aktienmarkt hat am Mittwoch nach einem bereits schwachen Start bis kurz vor Mittag die Verluste ausgeweitet. Die Korrektur setze sich fort, heisst es am Markt. Die Anleger sorgten sich zunehmend um die Entwicklung der Konjunktur und trennten sich daher von Beteiligungspapieren. Besonders unter Druck stehen daher Aktien zyklischer Papiere. "Der Handelsstreit der USA mit China hinterlässt zunehmend tiefere Spuren in der Wirtschaft", sagte ein Börsianer. "Und dass die für kommende Woche angesetzten Gespräche der USA mit China eine Entspannung bringen könnten, wird sich erst noch weisen müssen", sagte ein anderer Händler.
02.10.2019 11:30

Andere Impulse fehlten derweil. Die Bilanzsaison kommt erst ab nächster Woche etwas stärker ins Rollen. Schon am Vortag hatten sich die Anleger verschreckt von schlechter als erwarteten Konjunkturzahlen aus Europa und den USA verstärkt von Aktien getrennt. Gespannt warteten die Marktteilnehmer nun auf die Angaben zur Entwicklung am US-Arbeitsmarkt. Am Nachmittag veröffentlicht die private Agentur ADP ihren Bericht und am Freitag steht der viel beachtete "Job Report" Report des US-Arbeitsministeriums auf dem Programm.

Der Swiss Market Index (SMI) notiert um 11.05 Uhr um 1,07 Prozent tiefer bei 9'845,55 Punkten. Der 30 Aktien umfassende Swiss Leader Index (SLI) büsst 1,33 Prozent auf 1'500,28 Punkte ein, und der breite Swiss Performance Index (SPI) sinkt um 1,01 Prozent auf 11'970,82 Punkte. Von den 30 wichtigsten Aktien stehen bis auf Nestle (+0,1%) alle tiefer.

Die langfristigen Aussichten für den Aktienmarkt werden zwar aufgrund tiefer Zinsen, einer lockeren Geldpolitik und mangels anderer Alternativen weiterhin positiv beurteilt. Aber aus charttechnischer Sicht dürfte sich die Korrektur noch etwas fortsetzen. "Wir müssen schon noch etwas Luft ablassen", sagte ein Händler. Er würde erst um 9'500 bis 9'520 Punkten wieder kaufen. "Da wäre ein idealer Einstiegspunkt."

Den stärksten Kursrückgang verzeichnen angesichts steigender Konjunktursorgen Aktien zyklischer Firmen wie die des Personaldienstleisters Adecco (-3,1%), des Elektrotechnikkonzerns ABB (-3,2%) oder die Aktien der Luxusgüterhersteller.

Bei ABB belastet ein kritischer Kommentar von SocGen zusätzlich. Die französische Grossbank verweist auf eine schwächere Nachfrage und eine wenig vorteilhafte Dynamik im Portfolio sowie auf Gegenwind von der Währungsseite, was sich mittlerweile auch auf die Gewinnentwicklung negativ auswirken dürfte.

Den Herstellern von Uhren und anderer Luxusartikel Richemont (-2,2%) und Swatch (-3,1%) machen neben Konjunktursorgen auch die anhaltenden Proteste in Hongkong zu schaffen.

Die Aktie von AMS büsst 2,3 Prozent ein. Der Chiphersteller hat sich im Zusammenhang mit der geplanten Übernahme von Osram zwar weitere Anteile gesichert, ist aber dennoch ein gutes Stück vom Ziel entfernt. Die Angebotsfrist ist zwar um Mitternacht abgelaufen. Das definitive Ergebnis stellt AMS allerdings erst für Freitagabend in Aussicht.

Zudem geben die Titel der Credit Suisse zwar erneut nach, schlagen sich aber mit -0,8 Prozent besser als der Markt und der Sektor. Die Grossbank, die am Vortag über die Bespitzelungsaffäre eines ehemaligen Topmanagers informiert hatte, bleibt beim Franken als Berichtswährung. Allerdings würden die risikogewichteten Aktiven (RWA) ab dem vierten Quartal 2019 neu in US-Dollar berechnet, was zu einem Anstieg im Nettozinseinkommens führt. Die Aktien des Rivalen UBS (-1,5%) verliert ebenfalls an Wert. Der Vermögensverwalter Julius Bär fällt gar um 2,3 Prozent.

Nestle (+0,1%) stabilisieren sich derweil nach dem Rücksetzer vom Vortag, und Swisscom (unv.) können die Gewinne vom Vortag behaupten.

Am breiten Markt fallen DKSH (-7,1% auf 46,02 Fr.) deutlich. UBS hat das Kursziel auf 50 von 59 Franken reduziert. Die Daten zu den Endmärkten des Handelskonzerns verschlechterten sich noch immer und es seien weitere Restrukturierungen nötig, heisst es in der Studie.

Positiv stechen dagegen Leclanché (+6,7%) hervor nach einem Grossauftrag vom Zughersteller Bombardier Transportation.

pre/ys

(AWP)