Aktien Schweiz: Moderat ins Minus gerutscht - Galenica und Geberit im Fokus

Der Schweizer Aktienmarkt ist am Dienstag bis zur Mittagszeit knapp in die Verlustzone gerutscht. Händler berichten, dass sich die Marktteilnehmer mit Engagements zurückhalten. Grund ist die heute beginnende Sitzung der Federal Reserve, deren Ergebnis am Mittwoch bekanntgegeben wird: Eine Zinserhöhung der US-Notenbank gilt als sicher. Gespannt sind die Märkte auf Aussagen zur weiteren geldpolitischen Straffung.
14.03.2017 13:06

Einige Marktteilnehmer würden nun bereits davon ausgehen, dass das Fed auf insgesamt drei Zinserhöhungen im laufenden Jahr hindeuten werde, sagte ein Händler in Zürich: Das könnte die Märkte ins Rutschen bringen. Bisher gingen Beobachter mehrheitlich von insgesamt zwei Erhöhungen aus. Die Wahlen in den Niederlanden seien hingegen ein "Non-Event". Gemäss jüngsten Umfragen ist kein Erdrutschsieg für die rechtsnationale Partei von Geert Wilders zu erwarten. Insgesamt sei der Handel bei niedrigen Volumen und tiefer Volatilität etwas "eingeschlafen", so der Händler.

Der Swiss Market Index (SMI) notiert zur Mittagszeit 0,09% tiefer bei 8'675,11 Punkten. Der 30 Titel umfassende Swiss Leader Index (SLI), in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, büsst 0,20% auf 1'374,60 und der breite Swiss Performance Index (SPI) 0,11% auf 9'561,35 Zähler ein. Von den 30 wichtigsten Titeln stehen 20 im Minus, sechs im Plus und vier unverändert.

Unter den Blue Chips verlieren Galenica mit 2,8% am stärksten. Das Unternehmen hat mit dem Ergebnis für das Jahr 2016, das von der Übernahme des US-Unternehmens Relypsa belastet wurde, die Analysten enttäuscht. Zudem werden hohe Investitionen über die kommenden Jahre auf die Ergebnisentwicklung drücken. Die Aufspaltung der heutigen Galenica in Vifor Pharma und Galenica Santé mit Börsengang soll im zweiten Quartal erfolgen, wie weiter zu erfahren war.

Die Valoren von Aryzta (-1,0%) sinken weiter. Bereits am Vortag hatten die Papiere des Backwarenherstellers unter enttäuschenden Zahlen gelitten. Noch verstärkt hatte sich die Verunsicherung, weil die Aryzta-Führung keinen Ausblick für die laufende Berichtsperiode gab. Am Berichtstag treffen weitere negative Analystenkommentare ein. So rechnet der ZKB-Experte mit einem weiteren Kursabfall.

Zu den Verlierern zählen auch Geberit, die um 0,9% sinken. Der Sanitärtechnik-Konzern hat die Erwartungen der Analysten nicht ganz erreicht und bleibt hinter den Prognosen zurück. Weil die Titel vor Kurzem erst neue Höchstwerte erreicht hatten, komme es nun zu Gewinnmitnahmen, hiess es. Der Konzern erhöht die Dividende und lanciert ein Aktienrückkaufprogramm im Umfang bis zu 450 Mio CHF.

Einbussen erleiden Swatch (-0,7%), auch wenn Chef Nick Hayek in einem Zeitungsinterview ein positives Bild vom bisherigen Jahresverlauf zeichnet und mit Blick auf den zuletzt schwierigen Markt China Zuversicht ausstrahlt. Am Berichtstag zeigen sich die Titel des Konkurrenten Richemont (-0,3%) etwas resistenter.

Nestlé (+0,2%) stützen den Gesamtmarkt etwas. Die positive Tendenz des Vortages setzt sich damit fort, nachdem Asien-Chefin Wan Ling Martello in der Wochenend-Presse darauf hinwies, dass der Nudelskandal in Indien überwunden sei und der dortige Marktanteil der Maggi-Nudeln wieder 60% betrage.

Den Markt etwas zu stabilisieren vermag auch Schwergewicht Roche (GS +0,2%). Konkurrent Novartis (-0,4%) kann nicht mithalten. Der Pharmakonzern hat die Zulassung der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA für die kombinierte Anwendung von Kisqali bei fortgeschrittenem Brustkrebs.

An der Spitze des Kurstableaus stehen Lonza (+0,9% auf 185,30 CHF). Baader Helvea erhöht das Rating auf 'Buy' von zuvor 'Hold' und das Kursziel um 22 CHF auf 202 CHF. Der übernommene Kapselhersteller Capsugel werde höhere Margen bringen und das Wachstum sowie die Cashflow-Rendite antreiben, so der Analyst. Zudem habe sei Lonza aufgrund der höheren Visibilität insgesamt ein "weniger risikobehaftetes Investment" geworden.

Im breiten Markt verlieren die Papiere von Tornos (-1,9%) überdurchschnittlich, nachdem das Drehmaschinenproduzent rote Zahlen für 2016 bekanntgab. Auch die Papiere der Liechtensteinischen Landesbank (-0,9%) geben nach Zahlen nach.

Gesucht nach der Publikation der Jahreszahlen sind hingegen Spinnereimaschinen-Hersteller Rieter (+5,4%), Messtechnikspezialist Inficon (+1,0%), der Pharmazulieferer Siegfried und der Verbindungstechniker Huber + Suhner (je + 0,1%).

pr/tp

(AWP)