Aktien Schweiz: Moderate Verluste - Big Pharma stabilisiert

Der Schweizer Aktienmarkt verzeichnet am Freitagmittag Verluste, die sich insgesamt allerdings relativ in engen Grenzen halten. In Händlerkreisen ist von einer eher zurückhaltenden Stimmung unter den Investoren die Rede. Als Grund wird die Abstimmung in den USA über die Gesundheitsreform genannt. Diese gilt als Prüfstein für die von Donald Trump im Wahlkampf versprochenen Pläne zur Steuerreform und zu Infrastrukturinvestitionen, die im Herbst letzten Jahres eine Rallye an den Aktienmärkten ausgelöst hatten. Wegen einer drohenden Schlappe am Donnerstag wurde die Abstimmung in US-Repräsentantenhaus auf diesen Freitag verschoben.
24.03.2017 12:55

Die in der Eurozone überraschend gestiegene Unternehmensstimmung brachte keinen frischen Wind. In der zweiten Tageshälfte könnten die für den frühen Nachmittag hiesiger Zeit angesetzten Reden der beiden US-Notenbankmitglieder Evans und Bullard Impulse bereithalten. Auch die ebenfalls in der zweiten Tageshälfte anstehenden Angaben zur Stimmung unter den Chefeinkäufern im verarbeitenden US-Gewerbe wird mit Spannung erwartet.

Der Swiss Market Index (SMI) verliert gegen 12 Uhr 0,31% auf 8'601,95 Punkte. Nach grösseren Abgaben am Dienstag und Mittwoch sowie einer Gegenbewegung am Vortag steht im bisherigen Wochenverlauf ein Minus von aktuell rund 0,8% zu Buche. Der 30 Titel umfassende Swiss Leader Index (SLI), in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, gibt zur Berichtszeit 0,37% auf 1'361,60 Punkte nach und der breite Swiss Performance Index (SPI) 0,33% auf 9'542,88. Bei den 30 wichtigsten Titeln stehen drei Gewinner 27 Verlierern gegenüber.

Die grösste Verluste verzeichnet die Aktie des schweizerisch-irischen Backwarenherstellers Aryzta mit -1,7%. Konkrete News liegen zu dem Titel allerdings nicht vor. Auch im bisherigen Jahresverlauf schneidet der Titel unter den Blue Chips mit grossem Abstand am schlechtesten ab. Eine heftige Gewinnwarnung im Januar hatte das viel Anlegervertrauen zerstört.

Grössere Abgaben sind auch bei einigen Versicherungswerten wie Bâloise (-1,5%), Swiss Life (-1,1%) und Swiss Re (-1,0%) zu sehen. Unter Druck stehen auch Galenica (-1,2%). Der Gesundheitskonzern will am (heutigen) Freitagabend weitere Details zum Börsengang von Galenica Santé mitteilen. Auch die bisherige Wochenbilanz des Titels fällt enttäuschend aus. Von Montag bis Mittwoch rauschte der Titel um fast 10% herunter, am Vortag erholte er sich um 1,3%.

Unter den Industriewerten verzeichnen LafargeHolcim und ABB (je -1,1%) die prozentual stärksten Abgaben, auch Geberit (-0,8%) und Schindler (-0,7%) befinden sich im Rückwärtsgang. Eine grosse Belastung sind die schwerkapitalisierten Nestlé (-0,5%), während die beiden Pharmatitel Novartis (-0,1%) und Roche (-0,2%) etwas besser als der Gesamtmarkt abschneiden.

News liegen zum Wochenschluss nur zu Roche vor. Der Pharmakonzern hat von der US-Gesundheitsbehörde FDA den Status "Therapie-Durchbruch" für das Mittel Rituxan zur Behandlung der Hautkrankheit Pemphigus Vulgaris erhalten. Händlern zufolge ist dies jedoch keine Überraschung, da die FDA dem Mittel bereits einen sogenannten "Orphan Drug Status" zugesprochen hatte. Mit diesem Status gehen einige Vorteile einher, wie etwa eine zügige Überprüfung durch die Zulassungsbehörden.

Die CS-Titel (-0,2%) haben nach einer starken Startphase ins Minus gedreht. Die Bank hat ihr Ergebnis für das vierte Quartal 2016 bzw. für das Gesamtjahr 2016 nach unten angepasst. Nachträglich wurde eine zusätzliche Rückstellung für Rechtsrisiken über 300 Mio CHF verbucht, was eine zusätzliche Belastung von 272 Mio CHF nach Steuern ergibt. Im Handel wird auf den bereits schwachen Lauf der Aktie am Vortag nach Medienberichten über Pläne zu einer Kapitalerhöhung verwiesen.

Nennenswerte Gewinne verzeichnen auf der Gegenseite einzig Syngenta (+0,9%). Einem Agenturbericht zufolge soll die EU-Wettbewerbsbehörde zu Beginn der kommenden Woche grünes Licht für die Übernahme der Basler durch den chinesischen Staatsbetrieb ChemChina geben. Die beiden anderen Gewinner sind die zyklischen Adecco und Pharmaaktie Actelion (je +0,2%), für die eine Übernahmeofferte von Johnson&Johnson vorliegt.

Am breiten Markt fallen die eher illiquiden Adval Tech (+5,7%) auf. Das Industrieunternehmen vervielfachte im vergangenen Geschäftsjahr den Gewinn aufgrund eines ausserordentlichen Veräusserungserfolgs und zahlt wieder eine Dividende - das war die letzten Jahre nicht der Fall.

Zudem haben am breiten Markt weitere Unternehmen Zahlen vorgelegt, wobei die Titel von Cosmo um 2,0% und jene von Interroll 1,5% nachgeben.

cp/tp

(AWP)