Aktien Schweiz: Realitätsanpassung und Ernüchterung hinterlassen Spuren

Nachdem Mahner in den vergangenen Wochen oft von einem gewissen Realitätsverlust an den Börsen gewarnt hatten, scheinen sich Investoren aktuell mit den Tatsachen etwas realistischer auseinanderzusetzen. Das hatte bereits die US-Börsen belastet und damit den Ton auch für den Schweizer Markt gesetzt.
13.05.2020 11:30

Auslöser sind Expertenaussagen wie jene des medizinischen Beraters des Weissen Hauses, Anthony Fauci, der vor einer zu schnellen Aufhebung der Sicherheitsmassnahmen warnte. Dies könnte zu unnötigem Leiden und vermeidbaren Todesfällen führen, lautet sein Fazit. Auch andere Experten warnen, dass es im Falle einer zu raschen Lockerung schnell zu einer zweiten Corona-Welle kommen könnte, deren wirtschaftliche Folgen dann kaum vorhersehbar seien. Hinzu kommt der US-chinesische Handelsstreit, der wieder in den Köpfen der Investoren herumschwirre und zur Unsicherheit weiter beitrage, meinen Händler. Diese mache sich auch bei anderen Anlageklasse wie Gold oder dem Franken bemerkbar.

Der SMI verliert gegen 11.00 Uhr 1,05 Prozent auf 9'631,61 Punkte. Der SLI, in dem die wichtigsten 30 Aktien enthalten sind, fällt um 1,24 Prozent auf 1'400,57 und der umfassende SPI um 1,04 Prozent auf 11'998,14 Zähler. Lediglich drei der insgesamt 30 SLI-Titel legen zu.

Einer dieser drei Gewinner ist Alcon, die um 7,6 Prozent anspringen. Als einer der letzten Blue Chips hat die ehemalige Novartis-Tochter am Dienstagabend nach Börsenschluss Zahlen zum ersten Quartal vorgelegt. Dem Augenspezialisten ist es gelungen, nicht nur die Konsensschätzungen, sondern selbst die höchsten Erwartungen zu übertreffen.

Dass sich weitere defensive Werte wie Swisscom (+0,3%), Roche (-0,3%), Givaudan (-0,7%) oder Lonza (-0,8%) etwas besser halten als der Markt spricht auch für ein Umdenken der Investoren hin zu weniger konjunkturabhängigen Anlagen.

Bei Logitech (+0,9%) sorgen derweil freundliche Kommentare der Credit Suisse für einen guten Lauf.

Das andere Extrem stellen die ohnehin recht volatilen AMS-Aktien dar, die um 8,2 Prozent einbrechen. Der Sensorenhersteller hat am Vorabend angekündigt, das bedingte Kapital um rund 10 Prozent erhöhen zu wollen, um die Schuldenlast durch die milliardenschwere Übernahme von Osram zu mildern.

Darüber hinaus kommen vor allem Zykliker und Banken unter die Räder. Sowohl Richemont (-5,4%) als auch Swatch (-4,1%) haben auf Wochensicht zu den stärkeren Gewinnern gehört, so dass sich hier Gewinnmitnahmen mit einer insgesamt gestiegenen Vorsicht mischen.

Dagegen setzen vor allem Julius Bär (-3,2%) und die CS (-2,9%) ihre jüngste Schwäche fort. Auch die Aktien der Versicherer Zurich, Swiss Re und die Titel der UBS werden mit Abgaben zwischen 2,6 und 2,1 Prozent verstärkt auf den Markt gegeben. Auch sie hinken dem Markt schon länger hinterher.

Die Aussagen des Schifffahrtsriesen Maersk werden als Belastung für den Logistiker Kühne + Nagel gesehen. Die Aktien fallen um 2,1 Prozent.

Im breiten Markt stechen vor allem die Aktien von SoftwareOne mit zweistelligen Verlusten von 10 Prozent hervor. Wichtige Aktionäre haben in der Nacht auf Mittwoch in einem beschleunigten Bookbuilding-Verfahren 17,5 Millionen Aktien oder rund 11 Prozent der Anteile zu einem Preis von 20 Franken pro Titel verkauft.

Mit Kursabgaben 3,5 Prozent kommen Mobilezone und der Flughafen Zurich (-2,5%) ebenfalls überdurchschnittlich zurück. Mobilezone hat am Morgen den Ergebnisausblick für das laufende Jahr gesenkt und eine Restrukturierung in Deutschland angekündigt.

Beim Flughafen Zürich sprechen Händler von Verkäufen vor der Veröffentlichung der Flugverkehrsstatistik für den April am Abend.

hr/rw

(AWP)