Aktien Schweiz Schluss: Erholung auf breiter Front - Nestlé geben Schub

Zürich (awp) - Der Schweizer Aktienmarkt hat am Dienstag auf breiter Front stark zugelegt. Damit wurden die massiven Kursverluste infolge des Brexit-Votums zumindest teilweise aufgeholt. Bereits am Morgen war der Leitindex SMI mit satten Gewinnen gestartet und kletterte in der zweiten Tageshälfte sogar über 7'800 Punkte. Die Erholungsbewegung war europaweit zu sehen. Hierzulande gaben vor allem die schwergewichtigen Nestlé-Titel nach der Ankündigung eines CEO-Wechsels Schub.
28.06.2016 18:15

Neben Entspannungssignalen - beispielsweise von den Rohstoffmärkten - wurde im Handel speziell für die Schweiz auch auf eine deutliche Abschwächung des Frankens zum Euro verwiesen. "Eine Schwalbe mache noch keinen Sommer", merkte ein Händler an. Die Verluste der vergangenen Tage habe vermehrt Schnäppchenjäger auf den Plan gerufen. Die Märkte würden allerdings bis auf weiteres im Krisenmodus bleiben. Denn die mit dem Ausstiegsprozess der Briten verbundene Verunsicherung dürfte wohl noch wochen- oder gar monatelang andauern.

Der Swiss Market Index (SMI) gewann am Dienstag 2,36% auf 7'773,80 Punkte. Im Tageshoch stand der Kurs bei 7'815 Zählern. Mit den Kursgewinnen ging auch die Nervosität zurück, wie dem Volatilitätsindex VSMI abzulesen ist (-14%). Dies allerdings von einem sehr hohen Niveau aus. Der 30 Titel umfassende Swiss Leader Index (SLI), in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, legte um 2,05% auf 1'144,04 und der breite Swiss Performance Index (SPI) um 2,36% auf 8'398,25 Zähler zu. Von den 30 Blue Chips schlossen 26 im Plus und vier im Minus.

Im Fokus lagen die schwergewichtigen Nestlé-Titel, die mit +3,3% zu den grossen Gewinnern gehörten. Der Nahrungsmittelkonzern hat für alle überraschend mit dem Deutschen Ulf Mark Schneider einen Externen zum neuen CEO berufen. Dieser war zuletzt CEO des Gesundheitsunternehmens Fresenius. Damit signalisiert Nestlé nach Ansicht von Beobachtern, wo künftig stärkere Akzente gesetzt werden sollen. Auch eine Kaufempfehlung aus dem Hause S&P fand Beachtung.

Stark nach oben ging es auch mit den Aktien der beiden Luxusgüterhersteller Swatch (+4,5%) und Richemont (+4,4%), die im Zuge des Brexit-Schocks auf neue Mehrjahrestiefststände gefallen waren. Auch weitere Zykliker wie LafargeHolcim (+3,6%) holten kräftig auf. Aufgrund eines relativ bedeutenden Geschäftsanteils in Grossbritannien standen die Aktien des Zementherstellers zuletzt überdurchschnittlich unter Druck. Schwung verlieh dem Titel auch eine Kaufempfehlung von Goldman Sachs.

Auch die beiden eher defensiven Galenica (+3,8%) und Sonova (+3,4%) sowie die Assekuranzwerte Zurich (+3,0%) legten überdurchschnittlich zu. Die Pharma-Schwergewichte Roche (+2,2%) und Novartis (+2,8%) zeigten sich relativ unauffällig. Die beiden Titel wurden vom Brexit viel weniger nach unten gerissen als der Gesamtmarkt, womit das Erholungspotenzial auch nicht so gross sei, hiess es von Händlern.

Die Grossbankenwerte, die mit dem Brexit-Votum heftig unter die Räder gekommen waren, nahmen an der Erholung allerdings nicht teil: Credit Suisse gaben um 0,1% nach und UBS waren mit -2,0% sogar die grössten Verlierer unter den Blue Chips. Die Ungewissheit sei für die gesamte Finanzindustrie weiterhin sehr gross, hiess es im Handel. Zudem habe sich der Ertragsausblick abgeschwächt und die Kreditrisiken erhöht.

Im breiten Markt gehörten Valora (+8,9%) zu den grössten Gewinnern, nachdem Baader Helvea eine Kaufempfehlung für die Aktien ausgesprochen hatte. Seit Jahresbeginn haben die Titel mittlerweile um knapp 25% zugelegt. Zum Vergleich: Der Gesamtmarkt SPI liegt rund 7% tiefer.

Auch Ypsomed (+5,8%) hatten einen starken Lauf. Der Medizinaltechnikkonzern kooperiert mit der dänischen Novo Nordisk in der Insulintherapie. Der Aussenwerber APG (Aktie: +4,7%) meldete den Verkauf einer Immobilie, was den Gewinn um rund 18 Mio CHF aufblähen werde. Dank dieses Sondergewinns sei es nun denkbar, dass die Dividende noch höher ausfallen wird, kommentiert die ZKB.

Zu den grossen Verlierern zählten dagegen HBM Healthcare (-4,6%) im Zuge des Dividendenabgangs. Für Temenos (-1,0%) senkte Goldman Sachs den Daumen und stufte den Titel auf "Sell" zurück. Das Unternehmen sei dem Finanzdienstleistungssektor stark ausgesetzt, lautet die Begründung.

cp/yr

(AWP)