Aktien Schweiz Schluss: Erneut leichtes Minus - Nordkorea-Konflikt hallt nach

Der Abwärtstrend am Schweizer Aktienmarkt hat sich am Dienstag fortgesetzt. Nachdem der SMI allerdings über weite Strecken im Handelsverlauf deutlich tiefer tendierte, konnte der Index die Verluste am Nachmittag noch klar eindämmen. Dennoch ging es für die Dividendenpapiere am Schluss den fünften Handelstag in Folge abwärts. Verschreckt vom Wiederaufflackern der Nordkorea-Krise gingen die Anleger bei Aktien in Deckung und wendeten sich eher vermeintlich sicheren Anlageformen wie Staatsanleihen oder Währungen wie Yen und Schweizer Franken zu.
29.08.2017 18:15

Der Konflikt um Nordkorea hatte in der Nacht eine neue Eskalationsstufe erreicht: Das Regime in Pjöngjang liess eine ballistische Rakete abfeuern, die über Japan flog und zwar erstmals ohne Ankündigung. Mit dieser Entwicklung seien die Investoren zunächst auf dem falschen Fuss erwischt worden, kommentierte ein Markt-Analyst. Die Kurseinbussen im frühen Handel an der Wall Street hielten sich im Vergleich zu den europäischen Börsen jedoch deutlich in Grenzen. US-Präsident Donald Trump habe den nordkoreanischen Raketentest zwar scharf verurteilt, aber keine unmittelbaren Massnahmen angekündigt, hiess es dazu etwa.

Der Swiss Market Index (SMI) verlor am Schluss 0,56% auf 8'814,54 Punkte. Das Hoch erreichte der Index kurz vorher bei 8'833. Zwischenzeitlich fiel der Leitindex im Tief bei 8'752 allerdings auf den tiefsten Stand seit April. Der 30 Aktien umfassende Swiss Leader Index (SLI), in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, gab deutlichere 0,96% auf 1'404,39 Zähler ab und der breite Swiss Performance Index (SPI) 0,68% auf 10'043,93. Die 30 wichtigsten Titel schlossen bis auf zwei allesamt im Minus.

Finanztitel reagieren häufig sensibel auf geopolitische Spannungen. So waren die grössten Verlierer unter den Bluechips die Bankaktien Credit Suisse (-2,5%) sowie UBS (-1,9%) und auch Partners Group (-1,8%) gaben deutlich ab. Auch die Versicherer fanden sich am Ende der Tabelle: Bâloise (-1,7%) büssten am Tag vor der Zahlenvorlage deutlich ein und auch Swiss Life (-1,5%) schlossen im Minus.

Ein zusätzlicher Belastungsfaktor war auch der Sturm "Harvey" in den USA, der weiter seine Wassermassen über Houston ausschütte, sodass der Schadenszähler stetig anstieg. Zurich und Swiss Re (je -1,7%) litten dementsprechend. Die Frage ist dabei, wie hoch genau die versicherten Schäden tatsächlich ausfallen werden. Es sei nicht davon auszugehen, dass "Harvey" ein ähnliches Ausmass wie "Kathrina" 2005 erreichen werde, versuchte sich die ZKB in einer Schätzung. Damals belief sich der Schadenaufwand für die Swiss Re auf rund 2,5 Mrd USD.

"Harvey" könne aber möglicherweise gravierender sein als "Sandy" im Jahr 2015 (900 Mio Schäden für Swiss Re). Einen Schaden in diesem Ausmass könne der Rückversicherer mit der sehr guten Kapitalausstattung zwar gut verkraften, der Jahresgewinn würde aber stark beeinträchtigt.

Die geopolitischen Spannungen betreffen typischerweise auch zyklische Papiere, wie jene des Reisedetailhändlers Dufry (-1,9%), LafargeHolcim (-1,8%) oder ABB (-1,7%).

Die defensiven Schwergewichte Nestlé (+0,3%) verzeichneten hingegen als Einzige ein kleines Plus. Auch Roche und Novartis (je -0,3%) hielten sich am Schluss klar besser. Bei Roche wurden am Markt Hoffnungen rund um das Medikament Ocrevus für die späte Aufholjagd der Valoren verantwortlich gemacht. Statistiken zufolge verkaufe sich das Multiple-Sklerose-Präparat besser als von Analysten erhofft, hiess es.

Zudem gingen Sika - ohne besondere News - unverändert aus dem Handel.

Am breiten Markt gaben U-blox (-4,4%) deutlich ab. Laut Händlern hallten Stimmen vom Vortag nach, wonach Firmenvertreter anlässlich eines Analystentreffens nur mässig begeistern konnten.

Zudem legten diverse Unternehmen Halbjahreszahlen vor: Deutlich unter Druck standen in der Folge Flughafen Zürich (-5,8%) und Vetropack (-3,7%). KTM (unv.), Allreal (-0,4%), SFPI (-0,5%) und Valartis (-0,6%) schlugen sich nach Zahlen besser oder in etwa wie der Gesamtmarkt. Feintool (+1,3%) und Tamedia (+0,3%) konnten gar zulegen.

ys/yr

(AWP)