Aktien Schweiz Schluss: Kurse legen zu - EZB-Sitzung im Blickfeld

Der Schweizer Aktienmarkt hat am Mittwoch nach einem weitgehend ruhigen Handelstag klar fester geschlossen. Dabei stieg der Leitindex SMI wieder über die seit Wochen umkämpften Marke von 9'000 Punkten. Insgesamt wurde die Stimmung an den Finanzmärkten aber als eher abwartend beschrieben. Während hierzulande die Nachrichtenlage von Unternehmensseite dünn war, rückte die am Donnerstag anstehende Zinssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) ins Blickfeld der Investoren.
19.07.2017 18:15

Gespannt sind die Marktteilnehmer vor allem auf Hinweise der EZB-Verantwortlichen hinsichtlich des Ausstiegs aus der stark expansiven Geldpolitik. EZB-Chef Mario Draghi habe zuletzt verdeutlicht, dass er es mit dem "Tapering", also der Reduktion der Anleihenkäufe, ernst meine, so ein Marktbeobachter. Unterstützung erhielten die Aktienmärkte am Mittwochnachmittag zudem von deutlich besser als erwartet ausgefallenen Juni-Daten aus der US-Bauwirtschaft. Derweil wurde der Ölpreis von stärker als erwartet gefallenen Rohölbeständem der USA gestützt.

Der Swiss Market Index (SMI) schloss 0,52% im Plus auf 9'024,32 Punkten. Der 30 Aktien umfassende Swiss Leader Index (SLI), in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, gewann 0,43% auf 1'432,85 Punkte und der breite Swiss Performance Index (SPI) stieg 0,49% auf 10'278,32 Zähler. Von den 30 wichtigsten Titeln schlossen 22 im Plus und acht im Minus.

Mit deutlichen Kursgewinnen gingen die volatilen Aryzta (+1,7%) sowie Lonza (+1,5%) aus dem Handel. Die Titel des Chemieunternehmens erhielten Unterstützung von der Investmentbank Jefferies, die Lonza in einer Studie bei einem kräftig erhöhtem Kursziel neu mit der Empfehlung "Buy" einstuften. Die Übernahme von Capsugel unterstreiche das Vertrauen in ein langfristiges, robustes und organisches Pharma- und Biotechwachstum, so die Analysten.

Weiter zulegen konnten auch Kühne+Nagel (+1,0%). Nach den am Dienstag publizierten, besser als erwartet ausgefallenen Quartalszahlen des Logistikunternehmens waren sich die Analysten in der Nachbetrachtung allerdings nicht ganz einig. So bekräftigten die Experten von RBC und der ZKB in ihren Kommentaren ihre Ratings "Übergewichten" respektive "Outperform", während Vontobel bei "Hold" und Goldman Sachs gar bei einem "Sell"-Rating blieb.

Zu den Tagesgewinnern gehörten auch die Grossbankentitel UBS (+1,0%) und CS (+0,8%). Unterstützung kam am Nachmittag von guten Quartalszahlen der US-Bank Morgan Stanley, die nicht zuletzt einem positiven Vermögensverwaltungsgeschäft zu verdanken war. Bei der klarer auf die Vermögensverwaltung fokussierte UBS sehe man am Markt derzeit gegenüber der Konkurrentin Credit Suisse einen Vorteil, so ein Marktbeobachter. Allerdings gebe es auch Spekulationen auf einen überraschend positiven Quartalsbericht der CS.

Die Novartis-Papiere (+0,9%) knüpften mit weiteren Avancen an die Kursgewinne vom Dienstag an. Im Nachgang zur Vorlage der Halbjahreszahlen erhöhten diverse Analysten am Mittwoch ihre Gewinnschätzungen und ihre Kursziele für die Pharmaaktien. Novartis werde zunehmend zu einer Wette auf eine gut gefüllte Pipeline, kommentierte etwa der Analyst von Bernstein. Auch die weiteren Börsenschwergewichte Roche und Nestlé (je +0,4%) schlossen fester.

Deutliche Verluste erlitten bei den Blue Chips die Titel des Zementkonzerns LafargeHolcim (-0,9%), der kommende Woche seine Quartalszahlen publizieren wird, und des Pharmaunternehmens Vifor (-1,1%). Abgaben erlitten auch die PS des Liftherstellers Schindler (-0,3%), die von schwachen Quartalszahlen des Konkurrenten Kone belastet wurden.

Im breiten Markt vollführten Georg Fischer (+13,3%) nach Vorlage von Halbjahreszahlen einen Kurssprung. Der Industriekonzern erhielt in den ersten sechs Monaten klar mehr Aufträge als noch vor Jahresfrist und übertraf bei allen Kennziffern die Erwartungen am Markt deutlich. Auch Airesis (+12,5%) schlossen deutlich im Plus. Die französische Sportmarke Le Coq Sportif, an der Airesis massgeblich beteiligt ist, vermeldete deutliche operative Fortschritte.

tp/uh

(AWP)