Aktien Schweiz Schluss: Nordkorea-Konflikt lässt Anleger in Deckung bleiben

Der Schweizer Aktienmarkt hat am Donnerstag erneut deutlich tiefer geschlossen. Dabei fiel der Leitindex SMI letztendlich klar unter die Marke von 9'000 Punkten. Am Vortag konnte er diese noch halten, trotz des deutlichen Rücksetzers wegen der Spannungen zwischen den USA und Nordkorea. Der Konflikt belastet weiterhin die Aktienmärkte weltweit: Die kriegerische Rhetorik und die Unberechenbarkeit der Situation würden die Investoren in Deckung gehen lassen, hiess es am Markt. Wer angesichts der Konfrontation nun Aktien kaufe, brauche "Nerven aus Stahl".
10.08.2017 18:14

Von mehreren grossen Adressen gebe es bereits Verkaufsempfehlungen für Aktien, Potenzial werde dafür in Gold und Sachwerten gesehen, so ein Händler. Einige Marktteilnehmer machten sich nun bereit für eine grössere Korrektur. Mit einer ebenfalls deutlich schwächeren Eröffnung an den tonangebenden US-Börsen am Nachmittag fielen die Indizes an den europäischen Handelsplätzen dann noch weiter zurück. In New York wurde dabei auch auf etwas enttäuschende Konjunkturdaten verwiesen.

Der Swiss Market Index (SMI) schloss 0,86% tiefer bei 8'949,86 Punkten und damit fast auf dem Tagestief bei 8'947,84. Der 30 Aktien umfassende Swiss Leader Index (SLI), in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, verlor gar 1,08% auf 1'426,20 und der breite Swiss Performance Index (SPI) 0,93% auf 10'187,53 Zähler. Alle 30 SMI/SLI-Werte gingen am Schluss im Minus aus dem Handel.

Am vorletzten Handelstag der Woche lief die Berichtssaison hierzulande unter Volldampf. Mit Adecco und Zurich legten auch zwei Bluechips Zahlen vor. Die mit Abstand deutlichsten Abschläge unter den SMI/SLI-Titeln verbuchten Adecco (-6,4%). Der Personalvermittler wies für das zweite Quartal zwar ein solides Wachstum aus, Analysten hatten sich allerdings nach starken Quartalszahlen der Konkurrenten Manpower und Randstad deutlich mehr erhofft. "Etwas schwächer als erwartet, aber kein Beinbruch" hiess es etwa bei Baader Helvea.

Am besten hielten sich dagegen Zurich (-0,4% auf 292,10 CHF) und schlossen am oberen Ende der Rangliste. Der Versicherer hatte mit seinen Halbjahreszahlen die Vorgabe der Analysten sowohl beim Betriebsergebnis als auch beim Reingewinn übertroffen. Während Analysten vor allem auf die gute Entwicklung auf der Kostenseite verwiesen, wurde jedoch die Ergebnisqualität kritisiert. Zudem kratzten die Aktien der Zurich bereits in den Tagen unmittelbar vor der Ergebnisveröffentlichung erstmals seit zwei Jahren an der Marke von 300 CHF.

Besser als der Gesamtmarkt schnitten zudem noch die Schwergewichte Novartis (-0,6%), Nestlé (-0,7%) und Roche (-0,8%) ab. Dass die Schweizer Indizes über lange Strecken im Tagesverlauf weniger stark nachgaben als andere wichtige europäische Aktienmärkte lag nicht zuletzt an anfänglichen Kursgewinnen der defensiven Pharma-Schwergewichte.

In ähnlichem Rahmen gaben zudem auch UBS (-0,7%) ab, während Credit Suisse (-1,6%) grössere Verluste verkraften mussten. Marktbeobachter verwiesen auf Medienberichte, wonach sich der Katar-Konflikt zunehmend auf Gesellschaften wie die CS auswirke, an denen das arabische Land Beteiligungen besitzt.

Die grössten Verlierer waren nach Adecco jedoch Vifor Pharma, Sonova (je -2,1%) und Clariant (-1,9%) sowie Versicherungstitel wie Swiss Re, Swiss Life (je -1,8%) und Bâloise (-1,7%).

Am breiten Markt gab es indes zahlreiche Halbjahresabschlüsse: Besonders belastet waren im Nachgang Arbonia (-4,9%), Basilea (-4,1%) sowie Kardex (-2,3%). Noch deutlicher gaben U-blox (-5,2%) ab. Die Titel des Halbleiterherstellers würden für die jüngsten Kursverluste beim US-Rivalen Sierra Wireless in Sippenhaft genommen, hiess es im Handel.

Lastminute.com (+4,1%) tendierten nach Semesterzahlen hingegen deutlich fester. Im Vordergrund stand, dass die Online-Reiseagentur womöglich vor einer grösseren Umstrukturierung steht: Der Rückkauf von einem Drittel des gesamten Aktienkapitals wird geprüft. Peach Property (Aktie +1,6%) kündigte zudem einen Gewinnsprung für das erste Halbjahr an.

ys/cf

(AWP)