Aktien Schweiz Schluss: SMI erneut mit Verlusten - US-Wahl- und Fed-Unsicherheit

Zürich (awp) - Der Schweizer Aktienmarkt hat den Handel zur Wochenmitte erneut klar im Minus beendet. Der Leitindex SMI fiel gar auf 7'700 Punkte zurück und damit auf den tiefsten Stand seit dem Brexit-Taucher. Als Belastung wurde die grosse Verunsicherung im Vorfeld der US-Wahlen genannt. Gemäss neuen Umfrageergebnissen hat der als unberechenbar geltende Kandidat Donald Trump deutlich Boden gut gemacht. Unsicherheit sei wie immer Gift für die Börse, so ein Marktbeobachter.
02.11.2016 18:15

Weiterer Unsicherheitsfaktor war am Mittwoch die US-Notenbank Fed, die am späteren Abend über die neusten geldpolitischen Entscheide informieren wird. Zusätzlich hielt der Rückgang bei den Ölpreisen - auch nach einem drastischen Anstieg der Lagerbestände in den USA - an. Indes hat sich der US-Arbeitsmarkt laut einer Umfrage des privaten Jobdienstleisters ADP - dieser gilt als Richtschnur für den Job Report der US-Regierung - im Oktober schwächer entwickelt als erwartet. Ökonomen erwarteten eigentlich einen Arbeitsplatzaufbau beim offiziellen Bericht am Freitag.

Der Swiss Market Index (SMI) schloss 0,79% tiefer bei 7'700,41 Punkten und damit auf Tagestief. Der 30 Titel umfassende Swiss Leader Index (SLI), in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, verlor gar 1,25% auf 1'196,34 und der breite Swiss Performance Index (SPI) 0,84% auf 8'439,74 Stellen. Von den 30 wichtigsten Titeln gingen alle im Minus aus dem Handel.

Hohe Verluste erlitten vor der Fed-Leitzinsentscheidung Finanzwerte wie Credit Suisse (-2,9%) - am Tag vor der Publikation der Q3-Zahlen. Auch UBS und Julius Bär (je -2,2%) büssten stark ein, so auch Swiss Re (-2,1%), Swiss Life (-1,9%) und Zurich (-1,2%). Die US-Währungshüter dürften zwar nach Ansicht der meisten Experten vor der Wahl den Leitzins nicht antasten und gleichzeitig die Tür für einen nächsten Zinsschritt im Dezember offen halten. Gleichwohl bleibt die US-Geldpolitik für die Märkte ein Unsicherheitsfaktor.

Stark im Minus schlossen zudem Sika (-2,6%), die zu Wochenbeginn nach dem Gerichtsentscheid des Zuger Kantonsgerichts in die Höhe geschossen waren. Über den Bauchemiekonzern kursieren Gerüchte, wonach im Hintergrund ein harter Verhandlungspoker zwischen der Gesellschaft samt Grossaktionären und den Sika-Erben ablaufen soll. Unklar sei aber, ob Saint-Gobain die Hand reicht und auf Sika verzichtet oder weiter auf der Erfüllung des Kaufvertrags mit den Sika-Erben besteht, hiess es. Händler schätzen die Chance für einen Rücktritt von Saint-Gobain derzeit als eher gering ein.

Klar schwächer präsentierten sich zur Wochenmitte auch zyklische Werte wie die Aktien des Zementkonzerns LafargeHolcim (-2,4%), der am Freitag die Ergebnisse zum dritten Quartal publizieren wird. Stark überdurchschnittliche Verluste zeigten zudem Actelion (-2,6%), Aryzta (-2,5%) oder Swatch (-1,8%).

Die geringsten Verluste verbuchten dagegen die Schwergewichte Nestlé und Roche (-0,1%) sowie SGS (-0,2%), die ebenfalls defensiven Swisscom, zu denen es am Donnerstag Neunmonatszahlen gibt, und Givaudan (je -0,3%). Novartis (-0,6%) gaben etwas deutlicher ab. Beide Pharma-Schwergewichte hatten in den vergangenen Wochen wegen des sogenannten "Clinton-Effekts" starke Abgaben hinnehmen müssen. Laut Händlern setzt sich am Markt jedoch immer mehr die Meinung durch, dass diese Ängste übertrieben waren.

Am breiten Markt wurden indes Oerlikon (-5,7%) deutlich tiefer gehandelt, nachdem das Industrieunternehmen im dritten Quartal wegen der schwachen Segmente "Manmade Fibers" und "Drive Systems" einen Umsatz- und Gewinnrückgang ausweisen musste und damit die Erwartungen recht deutlich verfehlte.

Deutlich tiefer schlossen in der zweiten Reihe zudem Santhera (-4,4%), Georg Fischer (-4,3%) und EFG (-4,0%). Letztere Titel hatten bereits am Dienstag mehr als 5% verloren, nachdem der Vermögensverwalter den Abschluss der Übernahme von BSI verkündet hatte.

Barry Callebaut (-0,2%) konnten sich dagegen besser als der Gesamtmarkt halten. Die Zahlen des Schokolade-Produzenten zu dem per Ende August abgeschlossenen Geschäftsjahr 2015/16 wurden am Markt positiv aufgenommen, auch wenn die Ergebnisse insgesamt etwas unter den Erwartungen lagen. Das Management zeigte sich aber zuversichtlich und bestätigte die Mittelfristziele.

Grosse Gewinner waren unter anderem BVZ (+3,4%), Coltene (+3,0%) und Kardex (+2,9%).

ys/cp

(AWP)