Aktien Schweiz Schluss: SMI gibt mit Sorgen um "Trumponomics" weiter nach

Am Schweizer Aktienmarkt haben die politischen Unsicherheiten und Irritationen um US-Präsident Donald Trump weiter auf die Stimmung der Anleger gedrückt. Nach den deutlichen Einbussen vom Mittwoch rutschte der Leitindex SMI am Donnerstag von Beginn weg unter die Marke von 9'000 Punkten und fiel zwischenzeitlich sogar bis in den Bereich von 8'900 Stellen zurück. Überraschend gute US-Konjunkturdaten gaben den Aktien in der zweiten Handelshälfte immerhin ein wenig Halt.
18.05.2017 18:15

Die Sorge vor einer allfälligen Amtsenthebung Trumps belaste die Gemüter an der Börse, hiess es. Das sei so ziemlich das schlimmste anzunehmende Szenario, denn es stelle die Umsetzung der Steuerreform und weitere versprochene Konjunkturprogramme in Frage. Trump steht wegen der Vorwürfe des Geheimnisverrats und des Eingriffs in die Unabhängigkeit der Justiz zunehmend unter Druck. Eine Untersuchung wurde eingeleitet. Für Beruhigung sorgten spät im Handel gute US-Daten zum Geschäftsklima in der Region Philadelphia sowie zu den Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe.

Der Swiss Market Index (SMI) büsste bis Börsenschluss 0,70% auf 8'938,37 Punkte ein. Am frühen Nachmittag war er jedoch noch bis auf 8'897 Zähler zurückgefallen. Der 30 Aktien umfassende Swiss Leader Index (SLI), in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, sank um 0,51% auf 1'405,43 Punkte und der breite Swiss Performance Index (SPI) um 0,71% auf 10'136,94 Stellen. Von den 30 wichtigsten Titeln standen am Handelsende zwanzig im Minus und zehn im Plus.

Als Gradmesser für die Unsicherheit am Markt gilt hierzulande der Schweizer Volatilitätsindex VSMI. Nachdem dieser bereits am Mittwoch um 14% hochgeschnellt war, zog er am Donnerstag um weitere 7,5% an. Derweil ist der US-Dollar mit Blick auf das US-Politchaos zum Franken bereits am Mittwoch unter die Schwelle von 0,98 abgerutscht und notiert nun bei 0,9785 CHF. Damit geht das USD/CHF-Währungspaar auf dem tiefsten Niveau seit November um.

Besonders stark litten am Berichtstag die Aktien von Roche (-1,5%) unter den Börsenturbulenzen. Der Pharmakonzern hatte am Morgen zwar für den Fachkongress ASCO Anfang Juni neue Daten zu einem neuen Krebs-Wirkstoff angekündigt. Insgesamt herrsche vor den detaillierten Daten zu der wichtigen Aphinity-Studie aber eher Zurückhaltung vor, hiess es im Handel.

Auch die Papiere des Branchennachbars Novartis (-0,8%) standen am Berichtstag unter erhöhtem Abgabedruck. Die Gruppe kündigte für die Schweiz einschneidende Personalanpassungen an. So plant der Konzern in der Region Basel bis zu 500 Jobs abzubauen oder an andere Standorte zu verlagern. Gleichzeitig sollen aber hierzulande rund 350 Hightech-Positionen geschaffen werden. Nestlé verloren ebenfalls 0,8%.

Die Aktien der beiden Grossbanken Credit Suisse (-0,9%) und UBS (-0,8%) grenzten die Kursverluste bis Handelsschluss ein. Dabei übte bei der CS die an der ausserordentlichen Generalversammlung genehmigte Aktienkapitalerhöhung kaum zusätzlichen Druck aus. Die grössten Abgaben bei den Blue Chips gingen auf das Konto von Dufry (-2,1%). Allerdings schneiden die Titel im bisherigen Jahresverlauf noch immer ganz gut ab.

Vifor Pharma, vormals Galenica, verloren 1,3%. Die ZKB hat das Rating nach der Zeit um die Auftrennung in zwei Gesellschaften für Vifor neu aufgenommen, und zwar mit "Untergewichten". Die Analystin verwies auf die gestiegenen Risiken für ein reines Pharmaunternehmen und das grosse Investitionspaket, welches für die kommenden drei Jahren geschnürt wurde.

Die Gewinner im SMI/SLI wurden von Richemont (+1,1%), Schindler und Givaudan (+0,7%) angeführt. Sie konnten sich von den Einbussen des Vortages erholen.

Im breiten Markt gewannen die Aktien des Immobilienunternehmens Züblin (+8,3%) nach Zahlen deutlich hinzu. Dem Immobilienunternehmen gelang im Geschäftsjahr 2016/17 die Rückkehr in die Gewinnzone. Noch stärker geht es erneut für Von Roll (+16%) aufwärts. Grosse Kursverluste verbuchten Coltene (-5,9%) oder Bossard (-4,6%).

mk/rw

(AWP)