Aktien Schweiz Schluss: SMI mit kleinem Plus - Aryzta im "Tal der Tränen"

Der Schweizer Aktienmarkt hat am Dienstag leichte Gewinne verbucht. Im Tagesverlauf schwankte der SMI zwischen 8'230 und 8'270 Punkten. Nach dem Minus von gut 2% in der vergangenen Woche und klaren Verlusten am Vortag erhielten die Dividendenpapiere am Berichtstag etwas Rückenwind von einem Entscheid des britischen Supreme Court: Die Regierung müsse die Zustimmung des Parlaments einholen, bevor sie den Austritt des Landes aus der EU erklärt. Marktexperten halten einen Brexit allerdings weiterhin für wahrscheinlich.
24.01.2017 18:15

Bestimmend bleibe aber vor allem die Ungewissheit unter dem neuen Präsidenten Donald Trump, hiess es am Markt. Bange Blicke auf die ungewisse US-Wirtschaftspolitik setzten der Risikobereitschaft auch an der Wall Street einmal mehr Grenzen. Neuste Konjunkturdaten aus den USA hinterliessen am Aktienmarkt unterdessen keine nennenswerten Spuren. Hierzulande wurde der Dienstag derweil für Aryzta-Aktionäre - nach einer heftigen Gewinnwarnung - zu einem Tag zum Vergessen.

Der Swiss Market Index (SMI) schloss 0,21% höher bei 8'246,66 Punkten. Der 30 Titel umfassende Swiss Leader Index (SLI), in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, legte 0,21% auf 1'315,93 Punkte zu und der breite Swiss Performance Index (SPI) 0,10% auf 9'011,49 Stellen. Von den 30 wichtigsten Titeln schlossen 22 im Plus, sieben im Minus und Lonza unverändert.

Tagesthema waren Aryzta (-32% auf 30,85 CHF) mit einem Minus von fast einem Drittel. Der Backwarenkonzern warnte die Anleger vor einem deutlichen Gewinnrückgang im Geschäftsjahr 2016/17 (per Ende Juli). Begründet wurde dieser vor allem mit der schwachen Entwicklung in Nordamerika. Auch die Prognose für die operative Marge musste das Management deutlich tiefer ansetzen. Analysten kritisierten, dass kein Quartal ohne eine Gewinnwarnung vorübergehe.

Die schwache Geschäftslage werfe auch Fragen zur künftigen Finanzierung auf, hiess es weiter. Am kommenden Montag steht noch der Ex-Tag für die Dividende für 2015/16 an. "Aktuell ist zwar keine Kapitalerhöhung geplant, doch das Risiko ist mit dem heutigen Tag ganz bestimmt nicht gesunken", lautete ein sorgenvoller Marktkommentar.

Deutliche Kursverluste unter den SMI-Titeln fielen zudem bei Actelion (-3,3%) an. Am Vortag hatten die Titel allerdings 3,4% zugelegt und sind nach wie vor hoch bewertet im Vergleich zum Niveau vor Beginn der Spekulationen über eine Übernahme durch Johnson&Johnson im November. Der US-Konzern kündigte indes anlässlich der Zahlenvorlage an, sein Diabetes-Geschäft auf den Prüfstand zu stellen. Konkret zu den Gesprächen mit Actelion äusserte sich das Management von Johnson&Johnson dagegen nicht.

Zurück hielten den Schweizer Leitindex indes auch die schwergewichtigen Novartis (-0,7%) und Roche (-0,3%). Ersterer Pharmawert legt am (morgigen) Mittwoch Jahresergebnisse vor. Analysten gehen davon aus, dass Novartis kein einfaches Jahr hinter sich hat, und Goldman Sachs hat nach den zuletzt gesehenen Kurseinbussen der Aktie bereits im Vorfeld das Kursziel gesenkt. Die Analysten setzen hinter die Wachstumsaussichten ein Fragezeichen.

Nestlé (+0,3%) konnten dagegen etwas zulegen. Und unter dem Strich behielten die Gewinner die Oberhand. Kräftig gesucht waren Zykliker wie LafargeHolcim (+3,5%). Am Markt wird offenbar über eine Umbenennung des Zementkonzerns spekuliert. Daraus leiteten einzelne Marktteilnehmer eine "neuer Name, neuer Schwung"-Parole ab. Die Titel seien mittlerweile überverkauft und reif für einen Rebound, hiess es zudem aus dem Handel.

Fester präsentierten sich auch die - am Vortag deutlich schwächeren - Bankentitel Julius Bär (+2,2%), UBS (+2,0%) und CS (+1,1%). Dabei profitierten UBS unter anderem von einer Kaufempfehlung durch Baader Helvea. Die Analysten sehen die Grossbank, die am Freitag Zahlen aus dem vierten Quartal 2016 vorlegt, vergleichsweise gut gerüstet.

Gewinner unter den SMI/SLI-Titeln waren zudem noch Schindler (PS +1,8%), Sika (+1,3%) und SGS (+1,2%). Für letztere gab es am Dienstag ebenfalls optimistische Marktkommentare.

Im breiten Markt hat das Klinik- und Hotelunternehmen Aevis (Aktie -2,6%) für den ebenfalls kotierten Telemedizin-Anbieter Lifewatch (Aktie +8,5%) ein Übernahmeangebot lanciert. Und Newron (+6,4%) legten nach der Wiederaufnahme und einer einhergehenden Kaufempfehlung durch Jefferies zu.

Am Tabellenende schlossen hingegen Titlisbahnen (-4,4%) und Starrag (-3,6%), wo am Mittwoch bzw. Donnerstag Zahlenpublikationen anstehen.

ys/cp

(AWP)