Aktien Schweiz Schluss: SMI schliesst trotz Trump-Schreck deutlich höher

Zürich (awp) - Der Schweizer Aktienmarkt hat am Mittwoch trotz des anfänglichen Schrecks über die Wahl Donald Trumps zum neuen US-Präsidenten mit einem deutlichen Plus geschlossen. Dazu haben die Kursgewinne der Pharma-Schwergewichte massgeblich beigetragen. Sie gehören zu den Branchen, die schon im Vorfeld als mögliche Gewinner im Falle eines Wahlsiegs des Republikaners Trump galten.
09.11.2016 18:15

Über lange Strecken bildete der Schweizer Leitindex SMI mit seinen Kursgewinnen eine Ausnahme gegenüber den wichtigsten europäischen Indizes. Am Nachmittag zeigten aber auch diese Märkte eine deutliche Erholungstendenz und drehten ins Plus. Die Wall Street präsentierte sich im frühen US-Handel stabil. Allen zuvor angestellten medialen Untergangsszenarien zum Trotz, drehe sich die Welt nach dem Wahlsieg Trumps weiter, hiess es in einem Kommentar. Klar sei aber auch, dass gerade die Wirtschaftspolitik mit Trump als Präsident unberechenbar werde, kommentierte ein weiterer Experte. "Die Finanzmärkte werden sich mit den Entscheidungen Trumps aber erst dann beschäftigen, wenn sie relevant werden."

Der Swiss Market Index (SMI) schloss mit einem Aufschlag von 1,99% auf 7'897,84 Punkte nahe dem Tageshoch bei 7'907,75 Punkten. Am Morgen war der Leitindex noch bis auf 7'699,14 Punkte abgesackt. Der 30 Titel umfassende Swiss Leader Index (SLI), in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, gewann 1,72% auf 1'230,02 Punkte und der breite Swiss Performance Index (SPI) 1,70% auf 8'637,73 Punkte. Von den 30 wichtigsten Titeln schlossen 22 im Plus und acht im Minus.

Die mit Abstand grössten Kursgewinne unter den Blue Chips verzeichneten die Aktien diverser Unternehmen aus der Gesundheitsbranche, allen voran Actelion, Roche und Novartis, die sich um 4,4 bis 5,7% verteuern. Es folgen mit Galenica (+3,6%) und Sonova (+1,8%) noch weitere Vertreter aus der Industrie.

Aber auch im breiten Markt setzten Aktien aus dem Gesundheitssektor wie die von Santhera, BB Biotech und Basilea mit Kurssprüngen von bis zu 14% zur Erholung an. Marktteilnehmer begründen die besonders ausgeprägten Kursreaktionen damit, dass die Branche vom Wahlsieg Trumps profitiert. Unter einer demokratischen Präsidentin Hillary Clinton wäre eine deutlich strengere Preisregulierung auf die Branche zugekommen. Seit Clinton diese Pläne erstmals im Wahlkampf geäussert hatte, standen die Kurse des Gesundheitssektors unter erhöhtem Druck.

Neben der Gesundheitsbranche verzeichneten auch Zykliker wie LafargeHolcim (+3,8%), Schindler (+2,3%) und ABB (+2,2%) deutliche Aufschläge. Im Vorfeld der Wahl hatten Experten wie etwa Mozamil Afzal, globaler CIO bei EFG Asset Management, Unternehmen wie ABB als potenzielle Profiteure der US-Wahl genannt, da beide Kandidaten umfangreiche Investitionen in die Infrastruktur in Aussicht gestellt haben.

Freundlich präsentierten sich nach Zahlen auch die Aktien vom Versicherer Swiss Life (+1,2%). Der Lebensversicherer hat mit seinen Angaben zur Geschäftsentwicklung in den ersten neun Monaten die Erwartungen der Analysten mehr oder weniger erfüllt.

Insgesamt zogen die Aktien aus dem Finanzsektor im späten Handel noch mal merklich an. Am Ende standen bei den Aktien der Credit Suisse, Julius Bär, UBS und auch Bâloise Kursaufschläge zwischen 3,6 und 1,0% zu Buche.

Am Ende des Kurstableaus stehen mit Kühne+Nagel (-2,9%), Dufry (-1,8%) und Syngenta (-1,2%) Aktien von Unternehmen, die stark auf einen offenen Welthandel angewiesen sind. Ihre Aussichten sind angesichts der restriktiveren Handelsbeziehungen, die Trump angekündigt hat, zunächst klar getrübt.

Während Gesundheitstitel im breiten Markt bei den Kursgewinnen den Ton angaben, gehörten die Anteilsscheine von Autoneum (-0,6%) im Zuge eines Pressetages zu den Verlierern. Das Unternehmen hatte am Morgen die bisherigen Ziele für das laufende Jahr und auch für den Zeitraum bis 2020 bekräftigt. Ebenfalls schwach schlossen Molecular Partners (-6,9%) und Leclanché (-4,5%).

hr/ys

(AWP)