Aktien Schweiz Schuss: SMI mit herben Verlusten - Konjunktursorgen belasten

Zürich (awp) - Der Schweizer Aktienmarkt hat einen verlustreichen Wochenstart hingelegt. Nach einem noch gehaltenen Start kam der Leitindex SMI am Morgen schnell unter Druck und markierte am Nachmittag ein neues Mehrjahrestief. Im Handelsverlauf verlor der SMI per Saldo mehr als 200 Punkte und sackte zeitweise bis auf 7'737 Zähler ab. Dieses Niveau wurde zuletzt im Dezember 2013 erreicht und der Abstand zum Vorjahreshoch beträgt damit bereits rund -19%. Die starken Abgaben schlagen sich auch im Volatilitätsindex VSMI nieder, der um gut 12% auf über 28 Punkte stieg.
08.02.2016 18:15

Der aktuelle Abwärtstrudel, welcher schon die ganze Vorwoche dominiert hatte, erweist sich momentan für einen Stabilisierungsversuch als zu stark. Grund für den erneuten Abschwung waren wieder einmal sinkende Ölnotierungen, bei einem gleichzeitig anziehenden Dollar. Am Nachmittag belastete eine schwache Wall Street zusätzlich. Die Sorgen der Marktteilnehmer drehten sich weiterhin vor allem um die Robustheit der Weltkonjunktur, die Lage in China und die weitere Entwicklung der Wechselkurse, so Marktteilnehmer. Immer mehr stehe aber auch die Frage im Raum, ob der Motor der Weltwirtschaft, nämlich die USA, ins Stottern gerate.

Der Swiss Market Index (SMI) verlor 2,52% auf 7'759,21 Punkte. Der 30 Titel umfassende Swiss Leader Index (SLI), in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, schloss 3,04% tiefer auf 1'160,06 Punkten und der breite Swiss Performance Index (SPI) mit -2,61% auf 8'051,04 Zählern. Alle SMI/SLI-Titel schlossen im Minus.

Bei LafargeHolcim kam es zu einem massiven Einbruch von 8,0%, nachdem der Wechsel an der Spitze des Verwaltungsrates bekannt wurde. Erst am Nachmittag meldete der Zementkonzern, dass der Co-VRP Wolfgang Reitzle an der Generalsversammlung im Mai nicht mehr für eine Wiederwahl zur Verfügung stehen wird. Als Nachfolger wurde Vize-VRP Beat Hess nominiert. Am Morgen hatte das deutsche Gase-Unternehmen Linde bereits gemeldet, dass Reitzle dort den Vorsitz im Aufsichtsrat einnehmen soll.

Im aktuellen Umfeld brachen Transocean mit -9,9% am deutlichsten ein. Das Ölbohrservice-Unternehmen hatte am Morgen eine weitere vorzeitige Kündigung eines Mietvertrags für eine Bohrplattform bekanntgegeben. Weiter gehörten Galenica (-6,2%), Aryzta, (-4,8%), Adecco (-4,9%) oder Actelion (-4,4%) zu den schwächsten Werten. Actelion wird am Dienstag das Jahresergebnis vorlegen.

Nach dem massiven Einbruch in der Vorwoche fielen Credit Suisse auch am Montag um weitere 5,0% zurück und auch UBS (-4,3%) waren erneut schwach. CS-Chef Tidjane Thiam verwies in verschiedenen Interviews in der Wochenendpresse auf die Geduld, die es brauchen werde, bis der Turnaround geschafft sei. Überdies habe er dem Verwaltungsrat eine markante Kürzung seines Bonus beantragt. Mittlerweile haben mit Vontobel und der Royal Bank of Canada weitere Institute ihre Kursziele für die Aktie nach unten angepasst. RBC sieht CS auf dem aktuellen Niveau aber immerhin als künftigen "Outperformer", entsprechend lautet das Rating.

Einzig Syngenta (-0,1%, 398,10 CHF) konnten sich noch vergleichsweise gut halten und drehten erst im späten Handel ins Minus. Das relativ gute Abschneiden erklärten Händler damit, dass die Titel angesichts des 480-CHF-Angebots von Chemchina als "sicherer Hafen" genutzt werde. Am Wochenende gab es Spekulationen in der Presse, dass der US-Konzern Monsanto hinter den Kulissen bei US-Behörden gegen die Übernahme von Syngenta durch Chemchina lobbyiert.

Letztere sollen zudem bereits früher die Fühler für eine Übernahmen von Lonza (Aktie -5,0%) ausgestreckt haben. Im Winter 2011/12 habe Chemchina Interesse bekundet, sei aber von VR-Präsident Rolf Soiron zurückgewiesen worden, hiess es in einem Artikel der "Sonntagszeitung".

Vergleichsweise gering waren die Abschläge noch beim Schwergewichte Nestlé (-0,7%), die besser als der Gesamtmarkt abschnitten. Roche (-2,8%) und Novartis (-2,9%) konnten sich nicht positiv abheben.

Im breiten Markt fielen DKSH mit einem Plus von 0,2% positiv auf. Der auf Asien ausgerichtete Handelskonzern hat mit dem ausgewiesenen Jahresergebnis eher das obere Ende der Erwartungen erreicht. J. Safra Sarasin hat im Anschluss an die Zahlen das Rating "Neutral" bestätigt. Wegen des schwierigen Marktumfelds in Asien sei das Aufwärtspotential für die Aktie derzeit eher limitiert, schreibt die Bank in einem ersten Kommentar.

Implenia gaben mit dem Markt um 2,4% ab. Der Baukonzern gab am Morgen bekannt, dass Hans-Ulrich Meister zum neuen Mitglied und Präsidenten des Verwaltungsrates gewählt werden soll. Meister ist vor allem durch seine Tätigkeit im obersten Management der Credit Suisse bekannt.

yr/cp

(AWP)