Aktien Schweiz: Schwacher Wochenstart - Erholungsversuch abgebrochen

Der Schweizer Aktienmarkt notiert zu Wochenbeginn deutlich tiefer. Ein früher Erholungsversuch zu Beginn des Handels wurde schnell wieder abgebrochen. Danach setzten sich die Sorgen um die Zinsentwicklung in den USA und die Haushaltslage in Italien wieder durch. Gleichzeitig geht es für das Euro-Franken-Paar am Montag abwärts, während die Anleihekurse anziehen.
12.11.2018 11:30

Die italienische Regierung hat bis Dienstag Zeit, den von ihr vorgelegten Haushaltsentwurf für kommendes Jahr im Sinne der Kommission nachzubessern. Bislang lässt Italien kein Zeichen des Einlenkens erkennen. Die Agenda an sich ist ansonsten eher dünn; erst im weiteren Wochenverlauf werden möglicherweise richtungsweisende Konjunkturdaten publiziert.

Der Swiss Market Index (SMI) büsst gegen 11 Uhr 0,47 Prozent auf 9'031,70 Punkte ein. Der 30 Aktien umfassende Swiss Leader Index (SLI) verliert 0,53 Prozent auf 1'412,46 und der breite Swiss Performance Index (SPI) 0,54 Prozent auf 10'618,89 Zähler. Bei den 30 Titeln im SLI kommen auf 28 Verlierer nur zwei Gewinner.

Deutliche Abgaben erleiden die drei im SLI vertretenen Technologieaktien Ams (-3,1%), Temenos (-3,2%) und Logitech (-1,0%). Grund dafür seien die jüngsten Abgaben der US-Technologieaktien, allen voran der sogenannten FANG-Stocks (Facebook, Amazon, Netflix und Google). Das drücke auch in Europa auf Technologieaktien, hiess es im Handel.

Berenberg hat sich in seiner Sektorstudie der Logistik angenommen und in diesem Zusammenhang Kühne+Nagel (-1,4%) auf "sell" sowie Panalpina (+0,3%) und Ceva Logistics (+0,2%) auf "hold" gesenkt. Letztere wird am morgigen Dienstag Drittquartalszahlen zeigen.

Das Tauziehen um das Italien-Budget beschäftigt die Märkte derzeit intensiv. Anleihen des italienischen Staats haben dieses Jahr deutlich an Marktwert verloren - Investoren verkauften die Papiere im grossen Stil. Ins Blickfeld rücken in diesem Zusammenhang Banken und Versicherer als grosse Gläubiger des Landes.

Zurich (-0,4%), Swiss Re (-0,3%) und Swiss Life (-0,4%) notieren allesamt im Rahmen des Gesamtmarktes. Eine im Vergleich zur Bilanz besonders hohe Position hat laut Medienberichten die Helvetia (-1,1%). Der Grund: Bei den Ostschweizern trage das Italiengeschäft einen vergleichsweise hohen Teil zum Gesamtertrag bei.

Die Bankaktien Credit Suisse (-0,1%) und UBS (-0,5%) fallen ebenfalls nicht besonders auf.

Die Pharmawerte können ihrem Ruf als defensive Absicherung für einmal nicht gerecht werden: Roche büssen 0,5 Prozent und Novartis 0,7 Prozent ein. Die volatileren Vifor-Anteile sinken sogar um 1,9 Prozent.

Nestlé (-0,3%) waren in der Wochenendpresse ein Thema. Der Nahrungsmittelriese sehe weitere Devestitionen vor. Auf der Liste der potenziellen Verkaufskandidaten stehe nebst dem europäischen Süsswarengeschäft und der deutschen Wurstmarke Herta die Senf- und Mayonnaise-Marke Thomy, hiess es unter Berufung auf Analysten.

Einen frühen Erholungsversuch ebenfalls abgebrochen haben die Luxusgüterwerte von Swatch (-0,1%) und Richemont (-0,9%). Beide Papiere waren am Freitag deutlich eingebrochen, nachdem Richemont eher enttäuschende Halbjahreszahlen publiziert hatte. Am Montag folgten nun diverse Kurszielsenkungen.

Die grössten Gewinne verzeichnen Geberit (+0,5%) und Dufry (+0,2%). Beim Sanitärtechniker hätten die Börsianer die enttäuschenden Q3-Zahlen von Ende Oktober inzwischen verdaut, hiess es im Handel. Nach dem darauf folgenden Kursrücksetzer seien mittlerweile Gelegenheitskäufer auf den Plan getreten - in der Hoffnung auf einen Rebound.

Im breiten Markt büssen die Papiere des Flughafens Zürich deutliche 10,3 Prozent ein. Ein neuer Vorschlag für die Gebührenordnung durch das Bundesamt für Zivilluftfahrt würde einen empfindlichen Rückgang bei den Einnahmen aus dem Fluggeschäft bewirken. Die Betreibergesellschaft stellt sich dezidiert gegen diesen Vorschlag, der sich in der Vernehmlassung befindet.

ra/kw

(AWP)