Aktien Schweiz: Schwergewichte belasten - Sika und LafargeHolcim gesucht

Der Markt präsentiere sich etwas ideenlos, hiess es im Handel. Im Grossen und Ganzen werde bis auf wenige Spezialsituationen das verkauft, was am Vortag gut gelaufen sei. Dies zeige sich beispielhaft bei den Indexschwergewichten Nestlé und Novartis, die für relativ starken Abwärtsdruck sorgen.
23.05.2017 12:51

Grundsätzlich präsentiere sich die Stimmung aber als recht robust, was durch aktuelle Wirtschaftsdaten aus Europa untermauert werde. So stieg in Deutschland der vielbeachtete Ifo-Geschäftsklima auf ein Rekordhoch und in Frankreich hellte sich das Geschäftsklima auf. Ins positive Bild füge sich auch die relative Eurostärke zum Franken ein. Und da US-Präsident Donald Trump derzeit auf Auslandsreise ist und damit fern dem Politikbetrieb in Washington, habe sich auch die zuletzt sprunghaft angestiegene Unsicherheit an den Märkten etwas gelegt.

Der Swiss Market Index (SMI) büsst gegen 12.10 Uhr 0,46% auf 9'042,90 Punkte ein und notiert damit nur weniger Zähler über dem bisherigen Tagestief. Der 30 Aktien umfassende Swiss Leader Index (SLI), in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, verliert 0,34% auf 1'424,45 und der breite Swiss Performance Index (SPI) 0,41% auf 10'266,11. Von den 30 wichtigsten Titeln stehen 23 im Minus, fünf im Plus und zwei unverändert.

Die grössten Verluste verzeichnen auch zur Mittagszeit CS (-4,2%). Am Berichtstag wird die Aktie ohne Bezugsrechte für die nun angelaufene Kapitalerhöhung gehandelt. Die Grossbank will mit der Ende April bekanntgegebenen Massnahme bekanntlich ihre Kapitallücke schliessen. Es wird ein Erlös von rund 4 Mrd CHF angestrebt.

Deutlich abgerutscht sind die volatilen Aryzta (-3,0%). Für die Aktie des schweizerisch-irischen Backwarenherstellers hat Société Générale ihre Kaufempfehlung zurückgenommen. Die in der Vorwoche bekanntgegebene Ernennung von Kevin Toland zum neuen CEO wird von den Experten zwar als positiv angesehen. Es wird aber befürchtet, dass das Geschäft schwieriger werde, bis dieser seine neue Arbeitsstelle antrete.

Zu den grossen Verlierern zählen auch Clariant (-1,4%). Die Aktie des Basler Spezialchemikalienherstellers war nach der am Vortag bekanntgegebenen Fusionsabsicht mit dem texanischen Mitbewerber Huntsman allerdings um 3,5% angesprungen.

Für Abgabedruck sorgen vor allem aber die beiden schwerkapitalisierten Titel von Nestlé (-0,9%) und Novartis (-0,8%), die am Vortag noch einen starken Lauf gezeigt hatten. Novartis hatte positive Studiendaten für den Ultibro Breezhaler zur Behandlung der Lungenkrankheit COPD (Raucherlunge) vorgelegt, die im Handel allerdings als kaum kursrelevant eingestuft werden.

Nennenswerte Abgaben verzeichnen noch ABB (-0,7%) nach einer Ratingabstufung durch Exane BNP Paribas sowie ohne spezifische News Julius Bär (-1,0%) und Vifor (-0,9%). Auch die Aktien der beiden Uhren- und Luxusgüterhersteller Swatch (-0,6%) und Richemont (-0,4%) stehen unter Druck, nachdem die Zollverwaltung für den April rückläufige Uhrenexportdaten veröffentlichte. Der Verbesserungstrend ist aber weiterhin intakt, wie die ZKB anmerkt. Die beiden Titel haben sich seit Jahresbeginn deutlich besser als der Gesamtmarkt entwickelt.

Bei den Gewinnern haben Sika (+1,2%) die frühen Gewinne ausgebaut und damit weiterhin die Nase vorn. Zu Wochenbeginn hatte der Wechsel von CEO Jan Jenisch zu LafargeHolcim (aktuell +0,8%) den Kurs belastet, beim Zementriesen hingegen für starke Avancen gesorgt. In der Folge erhöhte der für Berenberg tätige Analyst das Anlagerating für die LafargeHolcim-Aktie auf "Outperform" von "Market Perform". Die Ernennung von Jenisch sei ein "Coup"; er sei ein internationaler Leader mit dem relevanten Know-How für diese Industrie.

Am breiten Markt steigen Lem um 7,4% nach Vorlage der Zahlen zum im März beendeten Geschäftsjahr 2016/17. Der Elektronikkomponenten-Hersteller hat sowohl Auftragseingang und Umsatz als auch den Gewinn gesteigert und die Erwartungen der Analysten übertroffen. Gesucht sind unter anderem auch Vetropack (+4,3%) und Komax (+3,7%).

Bei den Verlierern fallen Adval Tech um weitere 5,2% zurück, nachdem der Titel des Autozulieferers am Vortag im Zuge des Dividendenabgangs um 12% nachgegeben hatte.

cp/rw

(AWP)