Aktien Schweiz: SMI bleibt unter Druck - Banken und Novartis geben stark nach

Zürich (awp) - Der Schweizer Aktienmarkt bleibt auf Tauchgang und baut am Dienstag die deutlichen Kursverluste der vergangenen Sitzungen stark aus. Damit hat der Leitindex SMI seit Mitte vergangener Woche, als die Verkaufswelle losgetreten wurde, knapp 550 Punkte bzw. rund 6,5% eingebüsst. Die Gründe für den Kursrutsch am Berichtstag bleiben die gleichen wie an den vorangegangenen Tagen. Allen voran beeinträchtigt die Sorge vor einem Austritt Grossbritanniens aus der EU die Börsenstimmung. Zudem macht sich an den Finanzmärkten im Vorfeld wichtiger geldpolitischer Entscheide aus den USA, Japan und der Schweiz Unsicherheit breit.
14.06.2016 15:20

Die Anleger verschieben mit der Angst vor einem Brexit weiteres Kapital in sichere Häfen, wozu etwa deutsche Staatsanleihen oder auch die Eidgenossen zählen. "Die Devise an den Finanzmärkten lautete heute wieder: Rein in Sicherheit", schreibt ein Händler. Dabei würden charttechnische Widerstände förmlich überrannt. Die Kursverluste gehen einher mit einer stark anziehenden Volatilität und der hiesige VSMI schiesst weiter in die Höhe. Er liegt mittlerweile auf einem Niveau wie zuletzt im Februar, als die Finanzmärkte ebenfalls im Krisenmodus waren. Auf der Währungsseite ist auch der Schweizer Franken bei Investoren sehr begehrt. Konjunkturdaten aus den USA zum Einzel- und zum Aussenhandel beeinflussten das Börsengeschehen derweil am Nachmittag kaum.

Bis um 14.45 Uhr gibt der Swiss Market Index (SMI) 1,33% auf 7'678,52 Punkte nach und liegt damit leicht über dem Tagestiefstwert von 7'664 Zählern. Der 30 Titel umfassende Swiss Leader Index (SLI), in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, büsst 1,37% auf 1'157,43 Punkte und der breite Swiss Performance Index (SPI) 1,30% auf 8'325,98 Stellen ein. Von den 30 Blue Chips verlieren bis auf Galenica alle an Wert.

Mit die grössten Einbussen verzeichnen nach wie vor die Papiere der Credit Suisse (-2,6%). Bereits in der Vorwoche waren die Titel mit einem Kursrücksetzer von mehr als 7% der Hauptverlierer im SMI. Und auch mit Blick auf die bisherige Jahresentwicklung hält die Aktie mit rund -45% das Schlusslicht. Damit kursieren CS auf dem tiefsten Stand seit über 25 Jahren. Am Berichtstag hat Keefe, Bruyette & Woods die Titel auf "Marketperform" von "Buy" abgestuft, wie am Markt zu hören ist.

Im Finanzsektor geben aber auch Julius Bär (-3,1%) oder Swiss Life (-1,6%) stark nach, während UBS die Verluste eingegrenzt haben, aber immer noch um 1,4% nachgeben. Grössere Verluste sind zudem auch bei diversen Zyklikern wie Swatch (-2,6%), Richemont (-1,9%), Schindler, LafargeHolcim (beide -2,2%) oder Adecco (-1,9%) zu sehen.

Die defensiven Schwergewichte bieten dem Gesamtmarkt kaum eine Stütze. Novartis büssen nach Produktnews 1,7% ein. Das Multiple-Sklerose-Medikament Gilenya der Basler kann in seltenen Fällen progressive multifokale Leukoenzephalopathie (PML) auslösen. Das bei MS-Patienten gefürchtete Virus, das das Gehirn zerstören kann, war bislang von offizieller Seite nicht in Zusammenhang mit Gilenya gebracht worden. Roche verlieren 1,1% und Nestlé 1,0%.

Die einzigen Gewinner sind Galenica (+0,2%). Konkrete News liegen zum Titel allerdings nicht vor. Auch die beiden Assekuranzwerte Zurich (-0,1%) und Bâloise (-0,6%) schneiden relativ gut ab.

Am breiten Markt fallen die GAM-Aktien nach einer happigen Gewinnwarnung um 18% zurück. Die Vermögensverwalterin stellt für das erste Halbjahr einen Rückgang des operativen Gewinns um ungefähr 50% in Aussicht. In Analystenkreisen werden die Aussagen zur Gewinnentwicklung mehrheitlich überrascht aufgenommen und negativ ausgelegt. Bereits am Vortag hatte der Titel knapp 5% eingebüsst.

mk/tp

(AWP)