Aktien Schweiz: SMI fällt leicht zurück - Clariant auf dem Vormarsch

Der Schweizer Aktienmarkt hat am Dienstag noch keine klare Richtung eingeschlagen und tendiert in einem von Händlern als "lustlos" bezeichneten Geschäft auf und ab. Belasten dürfte der weiter eskalierende Handelsstreit zwischen den USA und China, wobei die Anleger die neuen US-Strafzölle relativ gelassen hingenommen hätten, erklärte ein Händler. Im SMI üben die Kurseinbussen der Pharmaschwergewichte Roche und Novartis Druck aus. Auf der Gegenseite sind die Titel des Spezialchemiekonzerns Clariant gefragt. Dieser spannt enger mit dem saudischen Grossaktionär Sabic zusammen, was Wachstumsfantasien weckt.
18.09.2018 11:30

US-Präsident Donald Trump hat seine Drohungen wahrgemacht und im seit Monaten schwelenden Handelsstreit mit China seinen grössten Schlag gelandet. Auf die bisher verhängten Sonderzölle auf Waren im Wert von 50 Milliarden US-Dollar werden am 24. September Zölle auf chinesische Waren im Wert von weiteren 200 Milliarden folgen. Peking kritisierte diesen Schritt und kündigte Vergeltungsmassnahmen an. Auch war die Rede davon, dass eine chinesische Handelsdelegation nun nicht für Gespräche in die USA reisen wird. Die Börse verfiel daraufhin jedoch nicht in Panik. Im Handelskonflikt begännen die Investoren zu trennen zwischen dem immer wiederkehrenden Bemühen des US-Präsidenten, Aufmerksamkeit zu erlangen und dem, was real passiert, hiess es im Handel.

Der Swiss Market Index (SMI) verliert bis um 10.50 Uhr 0,30 Prozent auf 8'910,12 Punkte und rückt damit nahe an die Unterstützungsmarke von 8'900 Stellen. Der 30 Aktien umfassende Swiss Leader Index (SLI) gibt um 0,14 Prozent auf 1'458,91 Zähler nach und der breite Swiss Performance Index (SPI) um 0,21 Prozent auf 10'641,23 Stellen. Von den 30 wichtigsten Titel stehen zwölf im Plus und 18 im Minus.

Auf dem Vormarsch sind Clariant, die nach zuvor noch deutlicheren Avancen nun 5,9 Prozent zulegen. Der Konzern legt einen grossen Teil des Geschäfts mit dem Grossaktionär Sabic zusammen. Die Muttenzer erhoffen sich Stabilität, Synergien und einen Wachstumssprung. Frisches Kapital braucht es dafür nicht. An der Spitze löst Ernesto Occhiello, derzeit Leiter des Specialties-Geschäfts von Sabic, Mitte Oktober Hariolf Kottmann als Konzernchef ab. Kottmann soll Präsident der Gruppe werden.

Weitere Gewinne verzeichnen etwa Julius Bär (+1,1%), Swatch (+0,7%) oder Adecco (+0,6%). Hingegen büssen Vifor Pharma 1,0 Prozent ein. Vifor erhöhte seine Beteiligung am Nasdaq-Unternehmen ChemoCentryx deutlich. Unter Druck stehen auch Zykliker wie Logitech oder Sonova (je -0,9%), während die Pharmaschwergewicht Roche und Novartis jeweils 0,6 Prozent verlieren.

Nestlé büssen 0,3 Prozent ein. Der Nahrungsmittelkonzern verkauft den Lebensversicherer Gerber Life für 1,55 Milliarden US-Dollar an die Western & Southern Financial Group und will das Geld in sein Kerngeschäft investieren. Ein Verkauf hatte sich abgezeichnet. In Marktkreisen wird die Nachricht als kursneutral bezeichnet.

Am breiten Markt fallen Basilea um 10 Prozent zurück. Baader Helvea hat das Kursziel gesenkt und die Verkaufsempfehlung bekräftigt. Mit ein Grund sei der Einbezug der 200 Millionen Franken schweren Wandelanleihe in seine Berechnungen, hielt der Analyst fest. Feintool nimmt mit einer Aktienplatzierung bei institutionellen Investoren knapp 51 Millionen Franken ein und gibt an der Börse um 3,7 Prozent nach.

Von Roll rücken mit dem Gewinn eines Grossauftrags von einem weltweit führenden Automobilkonzern um 8,2 Prozent vor. Ausgeführt wird der Auftrag am Standort von Von Roll in Schanghai. Auch Implenia (Aktie +3,0%) gewann einen Auftrag und kann an der Börse zulegen.

mk/cf

(AWP)