Aktien Schweiz: SMI konsolidiert nahe Rekordhoch - Defensive bremsen

Die Schweizer Börse setzt am Montag den Aufwärtstrend bei etwas reduzierter Geschwindigkeit fort. Vorübergehend steigt der Leitindex unterstützt von guten Vorgaben aus dem Ausland erstmals über die Marke von 10'100 Punkte und setzt bei 10'109,29 Punkten ein neues Allzeithoch. Laut Händlern mehren sich die optimistischen Stimmen. Nach einem wochenlangen Zick-Zack-Kurs habe sich der Markt nun für die Richtung "nach oben" entschieden, ist zu hören.
09.09.2019 11:38

Die gute Stimmung hat letzte Woche nach Entspannungssignalen im Handelsstreit eingesetzt. Die Risiken - neben dem Handelsstreit auch Brexit oder Konjunktur - seien allerdings nicht verschwunden, meinen Skeptiker. Sie verweisen zum Beispiel auf die am Sonntag publizierten chinesischen Aussenhandelszahlen, die überraschend schwach ausgefallen waren. Doch insgesamt sei die Stimmung gut.

Der Swiss Market Index (SMI) notiert um 11.15 Uhr 0,18 Prozent höher bei 10'091,59 Punkten. Der 30 Aktien umfassende Swiss Leader Index (SLI) gewinnt 0,36 Prozent auf 1'540,34 und der breite Swiss Performance Index (SPI) 0,14 Prozent auf 12'283,49 Zähler. 22 der 30 SLI-Titel stehen im Plus und acht geben nach.

Am Markt sei trotz der guten Stimmung eine gewisse Rückhaltung zu spüren, meinen Händler. Der Grund dafür seien die Zinsbeschlüsse der US-Notenbank Fed am Mittwoch und der Europäischen Zentralbank (EZB) vom Donnerstag. Ökonomen gehen davon aus, dass beide Zentralbanken Lockerungsmassnahmen ins Auge fassen werden. "Ein Zinsschritt ist in den aktuellen Börsenkursen aber bereits eingepreist", sagt ein Händler.

Daher dürfte die Marktreaktion wohl limitiert bleiben. "Eine Überraschung wäre es nur dann, wenn die Währungshüter nichts ändern würden." Dann dürfte eine harsche Marktreaktion folgen. Einem grösseren Schritt der EZB würde dann wohl auch die Schweizerische Nationalbank in der kommenden Woche mit einer Zinssenkung folgen, heisst es weiter.

Gefragt sind vor allem Aktien zyklischer Firmen und Finanzwerte. Die deutlichsten Avancen verzeichnen AMS (+1,7%). Die Aktien des Apple-Zulieferers geniessen im Vorfeld der Apple-Produkteshow vom (morgigen) Dienstag verstärkte Aufmerksamkeit.

Dahinter folgt der Versicherer Swiss Re (+1,6%). Der Rückversicherer liess am jährlichen Treffen der Branche in Monte Carlo verlauten, dass es nach den Verwüstungen auf den Bahamas durch Hurrikan "Dorian" noch zu früh sei für Schadenschätzungen. Ausserdem hiess es, dass man keine Preissteigerungen auf breiter Front erwarte. Die Konkurrenz sieht letzteres zum Teil anders.

Gefragt sind auch Swiss Life (+1,3%) und die Banken UBS (+1,4%), Julius Bär (+0,9%) und Credit Suisse (+0,8%). Die CS hat den Verkauf ihrer Fonds-Plattform InvestLab an die Allfunds Group abgeschlossen. Relativ klar im Plus sind ausserdem Kühne+Nagel (+1,4%), LafargeHolcim (+1,1%), Clariant (+1,0%) und Richemont (+0,9%).

Nicht mit dem Markt mithalten können die schwergewichtigen Nestlé (-0,8%). Hier bremst eine Studie der Deutschen Bank, in welcher der Nahrungsmittelhersteller nur noch mit "Hold" statt "Buy" bewertet wird. Dies gelte am Markt als Signal, dass das Potenzial bei den Papieren allmählich ausgereizt sein könnte, meinen Händler. Die als schwerfällig geltenden Papiere haben sich seit Anfang Jahr um über 40 Prozent verteuert - und damit so stark wie kein anderer SMI-Titel. Händler sprechen daher auch von einer Konsolidierung auf Rekordniveau.

Daneben notieren mit Alcon (-0,9%), Vifor (-0,3%) und Roche (-0,1%) weitere defensive Werte im Minus.

Am breiten Markt fallen die Aktien von Polyphor mit einem Kurssprung um 19 Prozent auf. Die Aktie grenzt damit die jüngsten Verluste im Nachgang der Halbjahresergebnisse wieder etwas ein. In einem Interview mit der "Finanz und Wirtschaft" sagte CEO Giacomo Di Nepi, er setze im Kampf gegen Brustkrebs grosse Hoffnungen in den Produktkandidaten Balixafortide. Die Ergebnisse der durchgeführten Proof-of-Concept-Studie seien "wirklich hervorragend", so der CEO. Zudem könnte Balixafortide auch noch für die Therapie anderer Krebsarten eingesetzt werden.

Biotechwerte seien eine Wette auf Top oder Flop, sagen Händler. "Entweder hat ein Produktkandidat die gewünschte Wirkung oder nicht", sagt ein Börsianer. Daher wiesen Biotechwerte auch stets einen volatilen Kursverlauf auf. So sind etwa Addex (+3,7%) unter den Gewinnern zu finden, während Kuros (-5,4%), Evolva (-3,0%) und Idorsia (-1,7%) am Ende der Rangliste stehen.

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(AWP)

 
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