Aktien Schweiz: SMI legt Verschnaufpause ein - Gewinnmitnahmen bei Nestlé

Der Schweizer Aktienmarkt legt am Dienstag nach einem guten Wochenauftakt eine Verschnaufpause ein. Am Montag hatten die starken Avancen des Schwergewichts Nestlé den Leitindex SMI noch auf ein neues Jahreshoch von 9'149 Punkten getrieben, doch nun nehmen Anleger einen Teil der Gewinne mit. Insbesondere die Abgaben der Nestlé-Papiere drücken auf den Index, während die Grossbankentitel mit Kursgewinnen dagegenhalten. Der Blick der Anleger richtet sich am Berichtstag vor allem auf Konjunkturnachrichten und News zur Geldpolitik.
27.06.2017 12:58

Am Vormittag hatte eine Rede von EZB-Chef Mario Draghi die Aktien belastet. Draghi erklärte, dass die tiefe Inflation im Euroraum vor allem auf eine zeitlich begrenzte Entwicklung zurückzuführen sei, durch die eine Zentralbank "hindurchsehen" könne. Mit den Äusserungen zur Inflation sowie zu den freundlichen Wirtschaftsaussichten habe Draghi klar gemacht, dass die lockere Geldpolitik keine Einbahnstrasse sei, so ein Händler. Am Abend wird auch Fed-Chefin Janet Yellen eine Rede halten und bereits am Nachmittag stehen aus den USA Zahlen zum Häusermarkt und zum Konsumentenvertrauen auf dem Programm.

Der Swiss Market Index (SMI) büsst bis um 11.55 Uhr 0,32% auf 9'092,18 Punkte ein, das Tagestief wurde bei 9'044 gesetzt. Der 30 Aktien umfassende Swiss Leader Index (SLI), in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, verliert 0,27% auf 1'424,02 Zähler und der breite Swiss Performance Index (SPI) 0,38% auf 10'319,13 Punkte. Von den 30 wichtigsten Titeln notieren 21 im Minus, fünf im Plus und vier unverändert.

Nestlé verlieren 1,0% auf 84,80 CHF. Die Papiere hatten am Vortag mit dem Einstieg des aktivistischen Investors Daniel Loeb bei 86 CHF ein neues Allzeithoch erreicht. Loeb fordert vom Nestlé-Management etwa den Verkauf der L'Oréal-Beteiligung und damit verbunden grossangelegte Aktienrückkäufe. Die Analysten von Société Générale glauben aber nicht, dass sich mit dem Einstieg von Third Point an der Ausgangslage viel verändert hat und sie senken das Rating auf "Hold". Die Vorschläge seien nicht neu und würden vom Management um den neuen CEO Mark Schneider bereits geprüft, heisst es. Der Umbau werde aber Zeit beanspruchen.

Die Pharmaschwergewichte Novartis (-0,1%) und Roche (unv.) verbuchen kleinere Erfolge im Produktportfolio, die am Markt aber höchstens eine Randnotiz wert sind. So hat die Novartis-Tochter Sandoz für ihr Nachahmerprodukt Erelzi zum Amgen-Arthritis-Medikament Enbrel die Zulassung in Europa erhalten. Und das Roche-Mittel Esbriet darf in der EU zur Behandlung der milden bis moderaten Form der idiopathischen Lungenfibrose (IPF) auch in einer neuen Formulierung verabreicht werden.

Grössere Abgaben sind dagegen bei Aktien wie Lindt&Sprüngli (-1,5%), Partners Group (-1,4%) oder Swatch (-1,0%) zu sehen, ohne dass es News dazu gibt. Bâloise büssen 0,9% ein. Die vom Versicherer mehrheitlich übernommene Immobiliengesellschaft Pax Anlage (Aktie unv.) rechet im ersten Halbjahr 2017 wegen Wertberichtigungen mit einem Gewinneinbruch.

Lonza büssen lediglich 0,1% ein. Der Pharmazulieferer rechnet mit dem baldigen Abschluss der 5,5 Mrd USD schweren Übernahme des Kapselherstellers Capsugel. Die dazu nötigen Zulassungen hat Lonza mittlerweile alle erhalten. Swisscom (Aktie: -0,5%) hat sich laut Medienberichten offenbar über die Tochter Teleclub die Rechte für die Champions League-Übertragung in der Schweiz gesichert.

Die grössten Gewinner bei den Blue Chips sind die Grossbanken Credit Suisse und UBS (je +1,0%). Bereits am Montag hatte die Staatsrettung zweier italienischer Regionalbanken dem europäischen Bankensektor Auftrieb verliehen.

Im breiten Markt klettern Arbonia um 2,9% in die Höhe. Der Bauzulieferer schloss mit dem Verkauf der Industrielack Gruppe (Ilag) die Devestition des Geschäftsbereichs Beschichtungen ab. Durch den Verkauf in verschiedenen Teilschritten seien Arbonia mit insgesamt 116 Mio CHF etwas mehr als erwartet zugeflossen, hiess es.

Implenia (-1,7%) hat einen weiteren Grossauftrag an Land gezogen, kann an der Börse aber nicht davon profitieren. Der Baukonzern baut in Zürich-Oerlikon drei Wohnhochhäuser sowie Sockelgeschosse im Volumen von 150 Mio CHF. Die Aktien des Automobilzulieferers Autoneum (-1,4%) dürften unter der Gewinnwarnung des Konkurrenten Schäffler etwas leiden.

mk/tp

(AWP)