Aktien Schweiz: SMI leicht im Plus - Nestlé wegen L'Oréal im Blickfeld

Der Schweizer Aktienmarkt zeigt sich am Freitagmittag nach einem schleppenden Vormittagshandel leicht im Plus. Etwas gedrückt wird die Stimmung im Handel von den anhaltenden Spannungen zwischen den USA und Nordkorea, nachdem Nordkorea in der Nacht mit weiteren Atombombentests gedroht hat. Bei den Anlegern stelle sich aber auch ein gewisser "Gewöhnungseffekt" hinsichtlich des Säbelrasselns um Nordkorea ein, so ein Marktanalyst.
22.09.2017 12:55

Die Stimmung am Markt sei derzeit insgesamt sehr "lethargisch", was auch auf die mittlerweile hohen Bewertungen zurückzuführen sei, sagte ein Händler in Zürich. Obwohl die Akteure am Markt aus den Sommerferien zurückgekehrt seien, blieben auch die Volumen sehr tief. Im Nachgang zur Fed-Sitzung vom Mittwochabend verwiesen Marktanalysten auch auf den geldpolitisch etwas restriktiveren Tenor der US-Notenbank, der etwas mehr Gegenwind für die Aktienmärkte bedeuten könnte.

Der Swiss Market Index (SMI), in dem neu das Gewicht der grössten Titel gekappt ist, notiert gegen 12 Uhr 0,12% im Plus bei 9'144,98 Punkten. Der SPI 20, der von der Zusammensetzung her dem SMI entspricht aber keine Kappung enthält, steht 0,15% höher bei 9'140,26. Der 30 Aktien umfassende und ebenfalls gekappte Swiss Leader Index (SLI) zieht um 0,04% an auf 1'468,85 Punkte, während der breite Swiss Performance Index (SPI) um 0,13% auf 10'429,11 Zähler ansteigt. Von den 30 wichtigsten Titeln notieren 12 im Plus und 18 im Minus.

Gestützt werden die Indizes vor allem durch die schwergewichtigen Nestlé (+0,6%), die nach dem Tod der L'Oréal-Milliardenerbin Liliane Bettencourt im Blickfeld stehen - der Schweizer Nahrungsmittelkonzern hält rund 23% an dem Kosmetikkonzern. Das Ableben von Bettencourt würde Nestlé nun die Option eröffnen, in frühestens sechs Monaten L'Oréal ganz zu übernehmen, gleichzeitig könnte Nestlé die Beteiligung ganz abstossen. Die ZKB-Analysten erwarten allerdings, dass Nestlé bezüglich der Beteiligung stillhalten wird.

Auf der Gegenseite entfallen die klarsten Verluste im SMI auf die Titel des Personaldienstleisters Adecco (-1,6%), der in London ein Investorentreffen abhält. Das Unternehmen hat dabei für die Zeit bis 2020 neue, anspruchsvolle Ziele kommuniziert und die Pläne zu künftigen Investitionen dargelegt. Analysten begrüssten die neuen Zielsetzungen sowie das Bekenntnis zur Dividendenpolitik, verwiesen aber gleichzeitig auf das Risiko eines allfälligen Konjunkturabschwungs.

Die stärksten Gewinne im SMI/SLI verzeichnen derweil die Aktien des Reisedetailhändlers Dufry (+2,7%). Nach einem Treffen mit dem Management haben mehrere Analysten die aktuelle Performance des Unternehmens gelobt. Der CEO habe ausserdem die Ausschüttung einer Dividende in Aussicht gestellt, auch wenn es nicht zu einem Börsengang des Nordamerika-Geschäftes kommen sollte, hiess es bei Kepler Cheuvreux.

Auch die Titel des Bauchemiekonzerns Sika (+1,0% auf 7'295 CHF) erhalten Unterstützung von Analystenseite. Kepler Chevreux hat im Nachgang zum Kapitalmarkttag eine Studie vorgelegt, in der die Analysten ihre Kaufempfehlung bekräftigen und das Kursziel deutlich auf 8'100 CHF erhöhen. Die Uhrenwerte Richemont (+0,9%) und Swatch (+0,3%) notieren ebenfalls im Plus.

Bei den Grossbankentitel, die am Vortag wegen steigender Zinserwartungen noch deutliche Kursgewinne erzielt hatten, notieren CS (+0,1%) leicht im Plus, während UBS (-0,6%) nachgeben. Auch die Aktien des Vermögensverwalters Julius Bär (-0,2%) notieren etwas im Minus. Dieser hat am Morgen die Anstellung eines - von der UBS abgeworbenen - neuen Chief Risk Officers mitgeteilt.

Die Pharma-Schwergewichte präsentieren sich uneinheitlich. So legen Novartis (+0,3%) zu, während Roche (-0,3%) nicht von neuen Zulassungen für zwei Medikamente in der EU profitieren können.

Am breiten Markt profitieren Straumann (+2,0% auf 628 CHF) von einer deutlichen Kurszielerhöhung durch das Vontobel-Research auf 820 CHF. Die zuständige Analystin, die bei ihrer "Buy"-Einstufung bleibt, lobt den Kauf von ClearCorrect: Mit diesem sei Straumann in einen bislang nicht vom Unternehmen adressierten Markt eingetreten.

tp/ys

(AWP)