Aktien Schweiz: SMI mit Aufschlägen - positives erstes Halbjahr

Der Schweizer Aktienmarkt kann am Mittag des letzten Handelstages des Semesters zulegen. Der Leitindex SMI hat nach einem noch negativen Start schnell ins Plus gedreht und macht einen Teil der Abgaben vom Vortag wieder wett. Für eine Rückeroberung der Marke von 9'000 Punkten reicht es aber noch nicht und der Abstand zum erst am Dienstag markierten Jahreshoch bei 9'146 Punkten ist immer noch gross. Am positiven ersten Semester ist aber kaum noch zu rütteln. Aktuell steuert der SMI auf ein Plus von 9,2% seit Jahresbeginn zu.
30.06.2017 12:44

Die jüngsten Inflationsdaten aus der Eurozone deuten auf eine weiter schwache Teuerung hin. Damit würde ein schnelles Ende der lockeren EZB-Politik unwahrscheinlicher, kommentieren Volkswirte. Zuletzt habe der Ausverkauf an den Bondmärkten auf ein Ende der Geldschwemme hingedeutet, hiess es von anderer Seite. Insgesamt würden Zinsen, Öl und Währungen derzeit für Unruhe sorgen. Am Morgen kamen bereits gute Zahlen vom deutschen Einzelhandel. Hierzulande hat sich das KOF-Konjunkturbarometer im Juni aufgehellt. Am Nachmittag wird noch der PMI Chicago aus den USA im Fokus stehen.

Der Swiss Market Index (SMI) notiert gegen Freitagmittag 0,35% höher bei 8'974,99 Punkten. Der 30 Aktien umfassende Swiss Leader Index (SLI), in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, gewinnt 0,41% auf 1'413,10 Zähler und der breite Swiss Performance Index (SPI) 0,40% auf 10'191,62 Punkte. Von den 30 wichtigsten Titeln notieren 24 im Plus, fünf im Minus und einer (Lonza) unverändert.

Die Uhrenwerte Richemont (+1,5%) und Swatch (+1,0%) führen die Gewinnerliste der Blue Chips an. Für letzteren Titel hat die CS das Kursziel erhöht, stuft diesen aber weiter mit Underperform ein. Beide Luxusgüter-Aktien hatten am Vortag unter dem schwachen Dollar zum Franken gelitten und machen diese Abgaben nun zum Grossteil wieder wett.

Die Schwergewichte, die den SMI am Vortag deutlich belastet hatten, zeigen sich uneinheitlich. Zulegen können Nestlé (+0,8%). Hier rückt einmal mehr die Frage um einen möglichen Verkauf der L'Oréal-Beteiligung durch einen Medienbericht in den Fokus. Die "Financial Times" verweist darauf, dass der französische Kosmetikkonzern nach dem Verkauf von Bodyshop genügend Mittel für einen Rückkauf der Anteile habe.

Roche (GS -0,6%, 245,50 CHF) werden durch eine Ratingsenkung belastet. Der Analyst der Société Générale hat am Vorabend die Bewertung auf "Hold" und das Kursziel um deutliche 55 CHF auf 275 CHF gesenkt. Aufgrund des erwarteten Gegenwindes bei den Biosimilars habe er seine Gewinnerwartungen klar zurückgenommen. Das Risiko-Gewinn-Verhältnis sei bei anderen Werten des Sektors besser. Marktteilnehmer halten Umschichtungen zu Novartis (+0,1%) für möglich, die von SocGen mit "Buy" bewertet werden.

Auf der Nachrichtenseite meldet Roche Erfolge, so wurde dem Krebsmedikament Polatuzumab Vedotin in Europa der Prime-Status für ein beschleunigtes Zulassungsverfahren erteilt. Zudem hat der Konzern eine App für digitales Diabetesmanagement zugekauft.

Weitere Gewinner sind Zurich (+1,1%), Adecco (+1,0%) oder Givaudan (+0,9%). Sonova (+1,0%, 158 CHF) werden von einem Analystenkommentar gestützt: Goldman Sachs hat das Kursziel auf 150 von 137 CHF angehoben, bewertet den Titel aber weiter mit Neutral. In der Branchenstudie wird die Lage der Medtech-Unternehmen insgesamt als weiterhin sehr gut eingeschätzt.

Die Aktien des Hörgeräteherstellers sind zudem auf Basis des gestrigen Schlusskurses seit Jahresbeginn stärkster SMI/SLI-Wert mit einem Plus von 27,8%. Als weitere Halbjahres-Sieger unter den Blue Chips rangieren Sika (+25,6% seit Jahresbeginn), Lonza (+25,3%), Partners Group (+24,5%) und Dufry (+24,0%). Bestes Schwergewicht auf Semestersicht sind Nestlé mit +14,5%. Die Verliererliste umfasst bislang nur vier Titel. Angeführt wird sie mit deutlichem Abstand von Aryzta (-30,4%), gefolgt von Swiss Re (-9,0%), Vifor Pharma (-8,4%) und Zurich (-1,5%).

Das gute Sentiment für die Finanzwerte hat sich am Freitag offenbar wieder abgeschwächt. Der Ausgang des Bankenstresstests in den USA hatte am Vortag den gesamten Sektor und auch die Schweizer Grossbanken beflügelt. UBS (+0,2%) und CS (-0,3%) notieren uneinheitlich. Schwächer tendieren auch die Papiere der Privatbank Julius Bär (-0,2%).

Im breiten Markt reagieren Straumann (+1,0%, 547,50 CHF) positiv auf die Medtech-Studie von Goldman Sachs. Das Kursziel für den Zahnimplantatehersteller wurde zwar auf 435 von 320 CHF nachgezogen, das Votum lautet aber weiter Sell. Auffällig sind bei den Gewinnern Leclanché (+4,5%), sowie einmal mehr der Börsenneuling Idorsia (+3,8%). GAM (+1,2%) können sich von den deutlichen Verlusten der beiden Vortage etwas erholen.

yr/tp

(AWP)