Schweizer Börse rückt vorSMI auf Erholungskurs - Aryzta im «Tal der Tränen»

Der Schweizer Aktienmarkt hat am Dienstag nach einem verhaltenen Start leicht an Fahrt aufgenommen.
24.01.2017 13:03
Die Anzeigetafel an der Schweizer Börse.
Die Anzeigetafel an der Schweizer Börse.
Bild: ZVG

Der Leitindex SMI rückt mit der kräftigen Unterstützung der Finanzwerte in den Bereich von 8'270 Stellen vor, dies nachdem am Montag die ersten von US-Präsident Donald Trump getroffenen "America-First"-Massnahmen den internationalen Märkten einen Dämpfer versetzt hatten. Etwas Rückenwind erhalten die Dividendenpapiere am Berichtstag von einem Entscheid des britischen Supreme Courts zum Brexit. Derweil zeichnet sich für Aryzta-Aktionäre ein Tag zum Vergessen ab. Die Aktien brechen nach einer Gewinnwarnung ein.

Das höchste britische Gericht hat entschieden, dass die britische Regierung die Zustimmung des Parlaments einholen muss, bevor sie den Austritt des Landes aus der EU erklärt. Dieses Verdikt hatten Experten so erwartet und sie gehen weiter davon aus, dass der Brexit über die Bühne gehen wird. Insgesamt bleibt die Börsenstimmung mit Blick auf die ungewisse Politik von Donald Trump weiterhin von Zurückhaltung geprägt. Vor allem die protektionistischen Töne der neuen US-Administration sorgen für Stirnrunzeln, heisst es.

SMI steigt gegen 8300 Punkte

Bis um 11.50 Uhr steigt der Swiss Market Index (SMI) um 0,46% auf 8'267,17 Punkte. Der breite Swiss Performance Index (SPI) gewinnt 0,32% auf 9'030,51 Stellen und der 30 Titel umfassenden Swiss Leader Index (SLI), in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, 0,39% auf 1'318,21 Punkte. Von den 30 wichtigsten Titeln stehen nur noch fünf im Minus, 23 im Plus und zwei (Roche, Galenica) tendieren unverändert.

Tagesthema sind Aryzta mit einem Minus von 30% auf 31,67 CHF. Der Backwarenkonzern warnte die Anleger vor einem deutlichen Gewinnrückgang und begründete diesen vor allem mit der schwachen Entwicklung in Nordamerika. Auch die Prognose für die operative Marge musste das Management deutlich tiefer ansetzen. Analysten sprechen von einer "hässlichen Gewinnwarnung" und kritisieren, dass kein Quartal ohne eine solche vorüber gehe. Die schwache Geschäftslage werfe auch Fragen zur künftigen Finanzierung auf, heisst es etwa.

Deutliche Kursverluste sind im SMI/SLI etwa noch bei Actelion (-1,8%) zu sehen. Der Biopharmakonzern könnte am frühen Nachmittag mit der Zahlenvorlage von Johnson&Johnson in den Fokus rücken, sollte der US-Konzern Aussagen zu einer möglichen Zusammenarbeit mit den Baslern machen.

Banken gesucht

Ansonsten behalten die Gewinner die Oberhand, allen voran die Aktien der Grossbank UBS. Diese ziehen mit einer Kurszielerhöhung von HSBC um 2,7% an. Gleichzeitig bekräftigte die Bank ihre Kaufempfehlung und beliess den Titel auf der "HSBC Europe Super Ten"-Liste. Die Erträge der UBS dürften aufgrund der höheren Zinsen und mit den Steuerreformen in den USA zulegen, meinen sie.

Branchennachbar Credit Suisse liegt mit 1,1% ebenfalls gut im Plus, während Julius Bär um 1,3% und Zurich Insurance um 1,5% dazugewinnen. Gesucht werden auch Zykliker wie LafargeHolcim (+2,5%) oder ABB (+1,0%). Swatch (+0,3%) und Richemont (-0,1%) profitieren dagegen kaum von Kurszielerhöhungen.

Bei den Schwergewichten gewinnen Nestlé 0,1% und Novartis 0,3% auf 70,25 CHF. Die Investmentbank Goldman Sachs hat nach den zuletzt gesehenen Kurseinbussen von Novartis das Kursziel um 11 auf 85 CHF gesenkt. Die Goldman-Analysten setzt hinter die Wachstumsaussichten und allfällige Übernahmen für Novartis ein Fragezeichen.

Im breiten Markt hat das Klinik- und Hotelunternehmen Aevis (Aktie -2,6% auf 63,50 CHF) für den ebenfalls kotierten Telemedizin-Anbieter Lifewatch ein Übernahmeangebot lanciert. Im Tausch bietet Aevis je Lifewatch-Titel 0,1818 eigene Titel oder alternativ 10 CHF je Anteil in bar. Die Lifewatch-Titel klettern nun bereits um 11% auf 11 CHF in die Höhe, das Tauschangebot würde aktuell gar einen Wert von gut 11,50 CHF implizieren.

Huber+Suhner (Aktie: +1,2%) hat mit Angaben zu Umsatz und Auftragseingang für das Jahr 2016 die Vorgaben der Analysten in etwa erreicht. Die in der elektrischen und optischen Verbindungstechnik tätige Gruppe ist auf den Wachstumspfad zurückgekehrt und bestätigte die Margen-Guidance. Im Gegensatz dazu brechen Tornos um 4,0% ein nach enttäuschenden Angaben zur Umsatzentwicklung und mit der Aussicht auf einen Jahresverlust.

(AWP)