Aktien Schweiz: SMI setzt Talfahrt fort

Nach dem Taucher am Vortag hat der Schweizer Aktienmarkt am Donnerstag die Talfahrt fortgesetzt. Zunächst machte der Leitindex die Verluste des Vortages wett und drehte vorübergehend sogar etwas in die Pluszone. Am Nachmittag aber überwogen die Verkäufer auch hierzulande deutlich, als die US-Börsen immer mehr in den Keller rauschten. Daten zum amerikanischen Arbeitsmarkt und zur Produktivität der US-Wirtschaft fielen gemischt aus und gaben den Aktienkursen keinen entscheidenden Impuls. Über dem Geschehen schweben wie dunkle Wolken der Handelsstreit zwischen den USA und China sowie die Währungseinbrüche in mehreren Schwellenländern.
06.09.2018 18:15

Die Furcht geht um, dass US-Präsident Donald Trump neue Strafzölle auf chinesische Waren verhängen und der Streit durch Gegenzölle Pekings weiter eskalieren wird. Das im Juli auf etwas über 50 Milliarden US-Dollar gestiegene US-Handelsdefizit befeuert laut einem Marktteilnehmer die Sorgen. Weitere Zölle schienen fast unvermeidbar, erklärte der Experte. Dies blockiert einen Kursaufschwung. Denn eigentlich sind die Unternehmensgewinne gut und die Wirtschaft brummt. Im zweiten Quartal wuchs das Schweizer Bruttoninlandprodukt um 3,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Nicht einmal der jüngste Anstieg des Frankens wegen den Währungsturbulenzen in den Schwellenländern konnte die Exporte als Treiber des starken Wirtschaftswachstums bremsen.

Der Swiss Market Index (SMI) verlor am Donnerstag 0,57 Prozent auf 8'818,72 Punkte. Das ist der tiefste Stand seit Mitte Juli und der dritte Tag mit Kursverlusten hintereinander. Der 30 Aktien umfassende Swiss Leader Index (SLI) gab 0,49 Prozent auf 1'443,70 Stellen ab und der breite Swiss Performance Index (SPI) ging um 0,54 Prozent tiefer bei 10'529,09 Zählern aus dem Handel. Von den 30 wichtigsten Titeln notierten nur 8 Aktien mit Gewinnen, während 22 im Minus schlossen.

An der Spitze der wenigen Gewinner im SMI/SLI stand der Hörgerätehersteller Sonova (+1,9%) und deutlich dahinter der Logistikkonzern Kühne+Nagel (+0,6%). Der Uhrenkonzern Swatch (+0,2%) gab nach anfänglichen Kursaufschlägen praktisch die ganzen Gewinne wieder ab. Die Credit Suisse und Kepler Cheuvreux hatten die Kursziele für den Uhrenkonzern gesenkt, aber immerhin ihre Kaufempfehlungen für die Aktie beibehalten. Konkurrent Richemont, der seine Geschäftszahlen am Montag veröffentlichen will, büsste indes 0,8 Prozent ein.

Auf der anderen Seite stachen Aryzta (-4,5%) als Verlierer hervor. Goldman Sachs hat das Kursziel für den Tiefkühlbackwarenhersteller leicht gesenkt. Mit einem Kurs von 8,70 Franken notierten die Aktien so tief wie seit Mitte August nicht mehr.

Konjunktursensitive Titel wie Sika (-1,9%) oder Geberit (-0,8%) sowie die Finanztitel mussten erheblich Federn lassen: Nach dem Kursanstieg vom Vortag tauchten die beiden Grossbanken CS (-1,1%) und UBS (-0,9%). Julius Bär gaben um 0,9 Prozent nach. Logitech (-1,3%) wurden vom Abwärtsstrudel der US-Technologiebörse Nasdaq mitgerissen.

Klotz am Bein des SMI waren auch die beiden Pharmaschwergewichte. Roche (-1,1%) musste einen Dämpfer beim Immuntherapeutikum Tecentriq hinnehmen: Hier kommt es zu einer Verzögerung im US-Zulassungsverfahren. Konkurrentin Novartis tauchte ebenfalls 1 Prozent. Der Pharmakonzern hat einen Teil seines Generikageschäfts in den USA für 900 Millionen Dollar verkauft. Analysten kritisierten den Preis als relativ tief. Zudem nimmt die Bank Vontobel das bisherige Kursziel von 82 Franken in Revision.

Im breiten Markt stürzten Obseva (-21%) nach dem Kurssprung des Vortages wieder auf das bisherige Niveau von rund 13 Franken ab. Mit Kuros ging es weiter steil nach unten (-5,8%). Die Lindt & Sprüngli-Aktie büsste 1,4 Prozent ein. Goldman Sachs hat das Kursziel gesenkt und die Verkaufsempfehlung beibehalten.

Bei den Gewinnern legte der Börsenneuling Polyphor nach der Vorlage der Halbjahreszahlen trotz des Verlustes um 3,6 Prozent zu. Polyphor konnte einen neuen Aktionär anlocken: Die dänische Novo beteiligt sich mit 6,8 Millionen Franken am Pharmaunternehmen. Romande Energie hat im ersten Halbjahr auch dank einer Steigerung im Dienstleistungsbereich den Umsatz und den Betriebsgewinn gesteigert und legt an der Börse mit 2,5 Prozent zu.

jb/tt

(AWP)