Aktien Schweiz: SMI weitet Kursgewinne aus - Erleichterung nach Fed-Sitzung

Zürich (awp) - Die Schweizer Börse reagiert am Donnerstag mit kräftigen Kursgewinnen auf den Entscheid der US-Notenbank Fed, die Zinsen vorerst nicht weiter zu erhöhen. Allen voran klettern Zykliker in die Höhe, während die defensiven Index-Schwergewichte moderater an Wert gewinnen und so die Aufwärtsbewegung im Leitindex SMI bremsen. Die meisten Anleger hätten zwar mit Blick auf die zuletzt eher enttäuschenden Konjunkturdaten und im Vorfeld der US-Präsidentschaftswahlen damit gerechnet, dass die Zinsen nicht angetastet würden. Trotzdem sei nun am Markt Erleichterung zu spüren, meinen Händler.
22.09.2016 12:40

Fed-Präsidentin Janet Yellen hatte am Mittwochabend aber auch Signale in Richtung einer baldigen geldpolitischen Straffung ausgesandt. Man wolle zunächst aber noch weitere Daten abwarten. Am Nachmittag könnten Angaben zum Arbeitsmarkt, Immobilienmarkt und den Frühindikatoren aus den USA weitere Hinweise auf den geldpolitischen Kurs liefern. Derweil halten Kritiker der US-Notenbank vor, dass sie mit dem erneuten Zuwarten weiter an Glaubwürdigkeit verliere.

Bis um 11.50 steigt der Swiss Market Index (SMI) um 0,73% auf 8'286,85 Punkte in die Höhe und hat damit die Anfangsgewinne ausgeweitet. Der 30 Titel umfassende Swiss Leader Index (SLI), in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, legt sogar um 1,02% auf 1'256,62 Zähler und der breite Swiss Performance Index (SPI) um 0,83% auf 9'028,22 Punkte zu. Unter den 30 wichtigsten Titel stehen 28 im Plus und nur zwei im Minus.

In der Schweiz sind börsenrelevante News am Berichtstag äusserst dünn gesät, während vor allem Zykliker von der Fed-Entscheidung getragen werden. So verteuern sich die Uhrentitel von Richemont (+4,0%) und Swatch Group (+2,2%) stark. Richemont finden damit nach dem gestrigen Dividendenabschlag auf die Gewinnerstrasse zurück. Seit der Veröffentlichtung von nicht ganz so schlimm wie befürchtet ausgefallenen Uhrenexportdaten am Dienstag hat das Käuferinteresse im Sektor spürbar zugenommen.

Weiter klettern LafargeHolcim um 2,7% oder Dufry um 1,9% nach oben. Und auch SGS haben sich mit einem Plus von 1,5% weit vorne in der SMI/SLI-Tabelle eingereiht. Der Warenprüfkonzern kündigte eine weitere kleine und das Geschäft ergänzende Akquisition an. Er übernimmt im landwirtschaftlichen Prüfgeschäft die US-amerikanische John R. McCrea Agency, die allerdings lediglich jährliche Umsätze von 0,5 Mio USD einbringt.

Im Finanzsektor fallen die Kursgewinne nicht ganz so deutlich, aber immer noch gut aus: UBS steigen um 1,1% und Credit Suisse um 1,3%. Bei den Banken ging die Hoffnung um, eine Zinserhöhung könnte etwas Druck von den Zinsmargen nehmen. Julius Bär gehören derweil mit -1,1% zu den wenigen Verliereraktien.

Zurich Insurance gewinnt im Zuge einer Kurszielerhöhung durch Jefferies um 0,9% auf 254,80 CHF. Im Nichtlebengeschäft zeichne sich der Turnaround immer mehr ab, lautet die Begründung. Der neue CEO Mario Greco habe zudem den Märkten glaubhaft gemacht, dass er sich einer strikten Kostendisziplin verschrieben habe.

Novartis (+0,3%) profitieren nach wie vor kaum von positiven Daten zum Malariapräparat KAF156. Die beiden weiteren Schwergewichte Roche und Nestlé ziehen um 0,3% bzw. 0,6% an.

Am breiten Markt klettern Newron mit 4,3% in die Höhe, nachdem das Pharmaunternehmen den Zulassungsantrag für das Mittel Xadago bei der US-Gesundheitsbehörde FDA - früher als ursprünglich angekündigt - wieder eingereicht hat. U-blox gewinnen mit der Lancierung einer neuen Plattform für das "Internet der Dinge" an der Börse 3,3% dazu. Analysten schreiben von einem Meilenstein am Modem-Markt. Derweil hat Georg Fischer (Aktie: +2,1%) am gestrigen Technology Day die Experten mit einer Reihe von Innovationen überzeugt.

Kuros (-3,1%) verliert nach einer Kurserholung im frühen Geschäft nun wieder an Wert. Finanzchef Harry Welten wies im Interview mit AWP daraufhin, dass der ehemals belastende Schuldenberg abgebaut sei und man sich wieder neuen Projekten widmen könne. Die grössten Abgaben verzeichnen weiterhin Von Roll (-4,2%) und Gottex (-3,3%).

mk/uh

(AWP)