Aktien Schweiz: SMI weitet Verluste aus - 8'900er Marke im Visier

Der Schweizer Aktienmarkt setzt seine klaren Kursverluste vom Vortag am Donnerstag weiter fort. Nach einem schwachen Start in den Handelstag hat der Leitindex SMI seine Verluste am späten Vormittag dann nochmals etwas ausgebaut, so dass nun die Marke von 8'900 Punkten in greifbare Nähe gerückt ist. Am Markt wird einhellig die politische Unsicherheit in den USA um Präsident Donald Trump als Belastungsfaktor genannt.
18.05.2017 13:00

Das Politchaos im Weissen Haus belaste die Gemüter der Anleger. Zudem meldeten sich vermehrt Stimmen, dass Trump womöglich seines Amtes enthoben werden könnte. Das sei so ziemlich das schlimmste anzunehmende Szenario, sagt ein Händler. Denn damit würde weder sein massives Investitionsprogramm noch die angekündigte Steuerreform je das Tageslicht erblicken und die Kursgewinne, die zuletzt vor allem darauf gebaut hatten, dürften sich umkehren. In einem solchen Fall sei mit massiven Verlusten zu rechnen.

Der Swiss Market Index (SMI) weist am Mittag gegen 12.20 Uhr ein Minus von 1,04% auf 8'908,22 Punkte auf. Der 30 Aktien umfassende Swiss Leader Index (SLI), in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, büsst 1,15% auf 1'396,44 Punkte ein und der breite Swiss Performance Index (SPI) 1,08% auf 10'098,59 Punkte. Von den 30 wichtigsten Titeln stehen zur Berichtszeit 27 im Minus, zwei im Plus und Richemont sind unverändert.

Ein Gradmesser für die aktuelle Unsicherheit hierzulande ist der Schweizer Volatilitätsindex. Nachdem er bereits am Mittwoch um 14% hochgeschnellt war, zieht er aktuell nochmals um gute 15% an. Der Index gilt als eine Art Angstbarometer.

Die Unruhe der Investoren zeichnet sich auch an den Devisen- und Bondmärkten ab. Der Franken hat gegenüber dem Euro bis Donnerstagmittag deutlich an Boden gut gemacht. Dass das USD/CHF-Währungspaar auf dem tiefsten Stand seit vergangenem November notiert, schreiben Händler dagegen der allgemeinen Dollar-Schwäche zu. Und auch am hiesigen Bondmarkt steigen die Kurse.

Besonders deutlich leiden die Aktien der beiden Grossbanken Credit Suisse (-2,8%) und UBS (-2,3%) unter der aktuellen Stimmung. Dabei dürfte bei der CS die nun genehmigte Erhöhung des Aktienkapitals noch zusätzlichen Druck ausüben. Die Aktionäre haben diesem Schritt an der ausserordentlichen Generalversammlung deutlich zugestimmt.

Zusammen mit den Banken fallen auch Zykliker erneut überdurchschnittlich stark zurück. Sie hatten bereits zur Wochenmitte besonders deutlich unter der Marktschwäche gelitten. Dabei stossen Investoren mit den Aktien von Dufry (-2,6%), ABB (-1,7%) und auch Swatch (-1,5%) solche Aktien ab, die im bisherigen Jahresverlauf ganz gut abgeschnitten haben.

Zu dem erneut schwächeren Markt tragen aber auch die Kursverluste der beiden Pharma-Schwergewichte Roche (-1,3%) und Novartis (-1,1%) massgeblich bei. Roche hatte am Morgen zwar für den Fachkongress ASCO Anfang Juni neue Daten zu einem neuen Krebs-Wirkstoff angekündigt, insgesamt herrsche vor den detaillierten Daten zu der wichtigen Aphinity-Studie aber eher Zurückhaltung, heisst es im Handel. Novartis kündigt an, in den kommenden Wochen an verschiedenen Kongressen Daten zu insgesamt 34 Wirkstoffen zu präsentieren.

Das dritte Schwergewicht, Nestlé, hält sich mit -0,2% etwas besser als der Markt.

Unter den Blue Chips stemmen sich lediglich Schindler (+0,3%), Richemont (+0,1%) und Lindt & Sprüngli (unverändert) am Donnerstagmittag gegen den Markttrend.

Im breiten Markt gewinnen die Aktien des Immobilienunternehmens Züblin (+4,0%) nach Zahlen deutlich hinzu. Noch stärker geht es erneut für Von Roll (+13%) aufwärts.

Grösste Verlierer im breiten Markt sind die Aktien von Coltene, Bossard und AMS, die zwischen 5,8 und 5,4% einbüssen.

hr/tp

(AWP)