Aktien Schweiz: Verhalten freundlich - Sicherheit weiterhin gefragt

Der Schweizer Aktienmarkt profitiert zum Wochenstart von seinen defensiven Schwergewichten. Sie verhelfen dem Leitindex SMI zu einem kleinen Plus. Ein Blick auf die übrigen Märkte zeigt, dass die Risikobereitschaft der Investoren dennoch eher gedämpft ist. So zieht der Franken zu Euro und Dollar an und auch am Anleihenmarkt geht es für den richtungsweisenden Conf Future aufwärts.
07.10.2019 11:30

Wie es im Handel heisst, haben Marktteilnehmer nach wie vor Schwierigkeiten, die US-Jobdaten vom vergangenen Freitag genau einzuordnen. Sie hätten letztlich allen Seiten Argumente geliefert. Denn auch wenn die Arbeitslosenrate auf ein Mehrjahres-Tief fiel, ist das Lohnwachstum eben auch recht deutlich zurückgekommen. Zudem stehen im weiteren Wochenverlauf die Gespräche zwischen den USA und China auf der Agenda. Ob sie zu einem Durchbruch in dem seit mehr als einem Jahr andauernden Zollstreit führen, ist nicht abzuschätzen. Klar ist nur, dass die Sorgen zunehmen, dass die Weltwirtschaft darunter leidet.

Der Swiss Market Index (SMI) gewinnt gegen 11.00 Uhr 0,40 Prozent hinzu auf 9'866,84 Punkte. Der 30 Aktien umfassende Swiss Leader Index (SLI) steigt um 0,28 Prozent auf 1'499,78 Zähler, und der breite Swiss Performance Index (SPI) um 0,38 Prozent auf 12'015,16 Punkte. Von den 30 wichtigsten Aktien ziehen 16 an, 13 verlieren und SGS sind unverändert.

Der Markt wird massgeblich durch die defensiven Branchen gestützt. Aus der Gesundheitsbranche ziehen allen voran die Aktien von Vifor um 3,8 Prozent an. Es folgen Novartis, Alcon, Roche und Sonova mit Aufschlägen zwischen 0,8 und 0,4 Prozent. Die Genussscheine von Roche hatten sich in der vergangenen Woche mit einem Minus von 0,9 Prozent gegen den noch schwächeren Markttrend gestemmt - der SMI hatte 2,1 Prozent abgegeben.

Novartis wiederum hatte zuletzt neue Daten zu seiner Gentherapie Zolgensma vorgelegt, mit der die Wirksamkeit auch bei Kindern älter als 2 Jahre nachgewiesen werden konnte. Analysten äussern sich durchwegs wohlwollend.

Neben den Gesundheitsaktien greifen Investoren auch bei den Versicherern Swiss Re (+0,8%), Zurich (+0,7%) und Swiss Life (+0,2%) zu. Versicherer werden wegen ihrer oft attraktiven Dividendenrendite als Absicherung in turbulenten Marktphasen gesucht. Aber auch die Aktien von Schwergewicht Nestlé (+0,5%) stehen weiter oben auf der Favoritenliste.

Am Ende der Kurstafel sind die Aktien des Halbleiterherstellers AMS (-4,4%) zu finden. Im frühen Handel waren sie zunächst als grösster Gewinner gestartet, dann aber schnell durchgereicht worden. Mit den Übernahmeplänen für Osram ist AMS gescheitert. Investoren haben sichtlich Mühe, die Ereignisse einzuordnen. Während der zuständige Vontobel-Analyst sich die zunächst positive Kursreaktion mit einer "weitverbreiteten Skepsis" zum Deal erklärte, ist für den Experten von Hauck&Aufhäuser nun die Zeit gekommen, sich wieder auf die eigentliche Geschäftstätigkeit von AMS zu konzentrieren. Und diesbezüglich ist der Experte optimistisch. Händler wiederum sehen die aktuellen Verluste als eine gute Einstiegsmöglichkeit.

Von Einstiegsmöglichkeiten sprechen Händler denn auch bei Werten wie Swatch (-1,1%) oder ABB (-0,9%). Vor allem die Papiere von ABB haben in der vergangenen Woche mit einem Minus von 7 Prozent am deutlichsten Federn gelassen. Wie schon im Sommer im Vorfeld der Halbjahreszahlen, äussern sich Analysten auch vor den anstehenden Zahlen zum dritten Quartal skeptisch. Das verschreckt die Investoren.

Swatch wiederum, zusammen mit Richemont (-0,3%), leiden weiterhin unter den Unruhen in Hongkong und den nicht gelösten Zollstreitigkeiten zwischen den USA und China.

Erneut schwach sind auch die Aktien der beiden Grossbanken UBS (-0,6%) und CS (-0,3%). Beide Aktien haben in der Vorwoche annähernd 6 Prozent abgegeben. Die Affäre um die Beschattung eines ehemaligen CS-Top-Managers habe für einen Imageschaden gesorgt.

hr/kw

(AWP)