Aktien Schweiz: Verluste ausgebaut - Bankaktien mit hohen Abgaben

Zürich (awp) - Der Schweizer Aktienmarkt ist am Mittwoch nach einer weniger veränderten Startphase bis zum Mittag klar in die Verlustzone abgerutscht. Die Brexit-Angst hat die Marktteilnehmer wieder erfasst und belaste das Marktgeschehen, sagte ein Händler. Am Nachmittag könnten noch Konjunkturzahlen aus den USA Impulse liefern.
06.07.2016 12:55

Die Brexit-Sorgen würden die Anleger in defensive Anlagen treiben. Das lasse sich gut am steigenden Goldpreis ablesen, hiess es weiter. Da überhaupt keine Klarheit darüber herrsche, wie und wann und mit welchen Folgen der Brexit abgewickelt werde, dürfte nach Ansicht eines anderen Händlers die Nervosität der Investoren auf absehbare Zeit hoch bleiben. Diese Woche hätten die Pessimisten bezüglich der Brexit-Auswirkung das Zepter von den Optimisten übernommen, die letzte Woche den Ton angegeben hätten. Wie immer liege wohl die Realität in der Mitte der Ansichten, ergänzte er. Sobald sich diese herauskristallisiert habe, dürfte sich das Marktgeschehen beruhigen.

Der Swiss Market Index (SMI) verliert gegen 12 Uhr 0,85% auf 7'873,97 Zähler. Der 30 Titel umfassende Swiss Leader Index (SLI), in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, büsst 1,14% auf 1'150,37 ein und der breite Swiss Performance Index (SPI) 0,85% auf 8'501,29 Punkte. Alle 30 Blue Chips stehen im Minus.

Unter starkem Abgabedruck leiden weiterhin die Bankenvaloren. Die Marktteilnehmer befürchten, dass sich die Probleme der italienischen Finanzinstitute zu einem systemischen Risiko ausweiten könnte. Der Markt hoffe, dass die italienische Notenbank nun den einheimischen Instituten beistehen werde. Diese Umstände, insbesondere aber die gestern veröffentlichte Nachricht, dass die UBS einem Amtshilfegesuch nachkommen und Daten zu französische Kunden offenlegen muss, sorgen für herbe Kursverluste von 3,1% in den Valoren der Grossbank. Laut einem Händler wird unter Kollegen nicht ausgeschlossen, dass die UBS-Valoren die Marke von 10 CHF testen könnte.

Diese Marke durchbrochen haben im Handelsverlauf Credit Suisse, die aktuell 1,8% verlieren. Wer vor einem Jahr zum Amtsantritt von Tidjane Thiam als CEO bei der CS zugegriffen hat, musste noch rund 26 CHF für eine Aktie hinlegen. Und Marktbeobachter schliessen nicht aus, dass die Papiere weitere neue Tiefs ausloten könnten.

Die Titel des Baustoffkonzerns LafargeHolcim (-3,1%), die am Vortag mit einem Minus von 2,3% aus dem Handel gingen, lassen erneut Federn. Die Ratingagentur Moody's hat aber trotz Brexit-Risiken das Kreditrating Baa2 bestätigt. Das langsame Wirtschaftswachstum nach dem Brexit-Abstimmungsresultat werde die Ergebnisse der Konzerne zwar belasten, jedoch nicht in solchem Masse, dass das Rating beeinflusst werde, begründete Moody's den Schritt.

Die defensiven Schwergewichte Nestlé (-0,7%), Novartis (-0,4%) und Roche (-0,4%) notieren mittlerweile ebenfalls im Minus, verhindern aber gleichwohl ein stärkeres abgleiten des Gesamtmarktes. Nach einem leichten Plus am Morgen rutschten auch Actelion am Mittag ins Minus (-0,4%). Das Biopharma-Unternehmen startet eine Phase-III-Studie mit seinem Mittel Macitentan bei Kindern mit Lungenbluthochdruck.

Leichte Abgaben von 0,2% erleiden Geberit. Das Sanitärtechnikunternehmen verteilt die Aufgaben des Bereichs Produkte per September neu auf die Bereiche Operations sowie Product Management & Innovation auf.

Im breiten Markt fallen die Titel von LifeWatch mit einem Minus von 11,7% besonders auf. Das Telemedizinunternehmen schreibt für das erste Quartal 2016 aufgrund von Rechts- und Sonderkosten rote Zahlen. Mit den Zahlen gab das Unternehmen auch eine Anpassung der Strategie, der Guidance sowie Details zur geplanten Kapitalerhöhung bekannt.

Hohe Verluste von 10,3% verzeichnen auch VonRoll, die damit einen Teil der Vortagesgewinne (+17,2%) bereits wieder preisgegeben, als eine Restrukturierung bekanntgegeben wurde.

Unter Druck stehen auch AMS (-7,1%) nach einer Abstufung durch Barclays sowie AFG (-5,9%), die bereits am Vortag überdurchschnittlich eingebüsst hatten.

Georg Fischer geben 1,5% nach. Der Industriekonzern hat für die Division Automotive einen globalen Auftrag für PKW-Strukturteile im Umfang von 84 Mio EUR erhalten.

sig/cp

(AWP)