Aktien Schweiz Vorbörse: Technische Gegenbewegung erwartet - Swiss Re gesucht

Der Schweizer Aktienmarkt dürfte den Handel am Freitag mit etwas höheren Notierungen in Angriff nehmen. Nach dem deutlichen Rückgang vom Vortag könnte eine technische Gegenbewegung einsetzen, meinen Marktbeobachter. Insbesondere bei den Schwergewichten Roche und Nestlé, die am Donnerstag nach der Vorlage von Geschäftszahlen stark unter Druck gerieten, wird eine positive Reaktion erwartet. Rückenwind erhalten die europäischen Märkte von der Wall Street, wo die Börsen nach anfänglichen Verlusten bis Handelsende Boden gut machen konnten.
20.10.2017 08:45

In den USA scheint die geplante Steuerreform von Präsident Donald Trump auf einem guten Weg zu sein, was auch den Dollar antreibt. Der US-Senat hatte am Vorabend einen Haushaltsentwurf verabschiedet und damit eine Hürde für die Steuerreform aus dem Weg geräumt. Nach wie vor ungelöst bleibt in Spanien die Frage um die Abspaltung Kataloniens. Um ihrem Anliegen Nachdruck zu verleihen, haben die Separatisten die katalonische Bevölkerung dazu aufgerufen, massiv Geld von Konten der fünf grössten Banken abzuheben. Im Gegenzug droht Spaniens Regierung mit Zwangsmassnahmen, sollten Kataloniens Politiker weiter die Unabhängigkeit anstreben.

Der vorbörslich von der Bank Julius Bär berechnete SMI steht um 08.20 Uhr 0,25% höher bei 9'256,86 Punkten.

Swiss Re gewinnen im vorbörslichen Geschäft 1,1%. Einen Tag nach dem Erstversicherer Zurich hat nun auch Swiss Re eine vorläufige Schätzung zu der erwarteten Schadensbelastung aus den US-Wirbelstürmen und den beiden Erdbeben in Mexiko abgegeben. Der Rückversicherer erwartet fürs dritte Quartal in diesem Zusammenhang hohe Kosten von rund 3,6 Mrd USD. Die Schätzung unterliege allerdings noch grossen Unsicherheiten, hiess es. Am Markt hatten die Anleger wohl mit einer noch höheren Belastung gerechnet.

Bereits bei Zurich (+0,3%) hatten die Anleger am (gestrigen) Donnerstag aufgeatmet, als die Gruppe für die Wirbelsturmkatastrophen (ohne mexikanische Erdbeben) eine Kostenschätzung von 700 Mio USD in den Raum stellte. Die Aktie zählte im schwachen Börsenumfeld zu den wenigen Gewinnern. Die vorbörsliche Indikation deutet am Freitag auf Anschlussgewinne hin.

Unternehmensnews sind ansonsten am Schweizer Markt dünn gesät. Die Roche-Genussscheine (+0,2%), die am Donnerstag nach der Zahlenpublikation um über 2% an Wert eingebüsst hatten, könnten sich erholen. Im Nachgang haben HSBC und die Deutsche Bank allerdings ihr Kursziel gesenkt. Die Ergebnisse seien im Rahmen der Erwartungen ausgefallen, aber auf Roche kämen wohl einige harte Jahre zu, vermutet der HSBC-Analyst. Sorgen bereitet den Anlegern die wachsende Konkurrenz durch Biosimilars bei etablierten Roche-Produkten.

Die zwei weiteren Schwergewichte Novartis und Nestlé legen ebenfalls um je 0,2% zu. Auch Nestlé wurden am Donnerstag nach Zahlen verkauft. Hier führten Händler die Abgaben jedoch auf Gewinnmitnahmen zurück.

Höhere Kurse werden desweiteren bei den Grossbanken UBS und Credit Suisse gesehen, oder auch bei Zyklikern wie Adecco oder Swatch (alle +0,3%). Anleger hatten am Vortag auch hier Gewinne ins Trockene gebracht.

Im breiten Markt bleiben Panalpina (+0,6%) unter Beobachtung. Nach der Zahlenvorlage vom Vortag haben die Analysten der CS das Kursziel erhöht, während die Goldman Sachs dieses senkte. Er senke zwar seine Gewinnaussichten, gehe aber von weiterem Wachstum aus, heisst es bei der CS. Und der Kollege von Goldman Sachs befürchtet, dass höhere Volumen nur mit tieferen Margen und zu höheren Kosten erzielt werden könnten.

GAM (+0,6%) könnten sich von den Vortagesverlusten erholen. GAM büssten am Donnerstag nach einem Zwischenbericht zu den verwalteten Vermögen überdurchschnittlich an Wert ein.

Weiter könnte schon bald eine weitere Gesellschaft am Schweizer Aktienmarkt gehandelt werden. Die in den Bereichen Gebäudetechnik und Gebäudehüllen tätige Poenina-Gruppe plant einen Börsengang.

mk/ys

(AWP)