Aktien Schweiz Vorbörse: Brexit schickt den SMI auf Talfahrt

Zürich (awp) - Der Schweizer Aktienmarkt wird mit dem Entscheid der britischen Bevölkerung, aus der EU auszutreten, am Freitag stark unter Druck kommen. Mit den nun aufkommenden Unsicherheiten sind bereits die asiatischen Märkte und insbesondere das britische Pfund eingebrochen. Gleichzeitig geben auch die Ölpreise mit Blick auf die unsichere Lage der Weltwirtschaft nach, während Gold gut nachgefragt wird. Der Entscheid sei ein schwerer Schlag für die EU und werde vor allem die britische Wirtschaft stark belasten, hiess es in ersten Kommentaren. Nun sei die europäische Politik gefordert, so rasch wie möglich nach Lösungen zu suchen.
24.06.2016 08:30

Mit dem Brexit würden die Unsicherheiten mit Blick auf die weltweite Konjunkturentwicklung stark zunehmen und die Lage an den Finanzmärkten verschärfe sich, heisst es am Markt weiter. Grossbritannien werde wirtschaftlich als Verlierer aus der Volksabstimmung hervorgehen, doch auch die gesamte europäische Wirtschaft müsse Wachstumseinbussen verkraften. Dabei dürften die "finanziell schwächsten" Staaten der EU, wie Griechenland, Portugal oder Spanien wieder stärker in den Fokus der Spekulanten rücken, glauben Marktbeobachter. Europa müsse nun die Verhandlungen mit Grossbritannien vorantreiben und alles unternehmen, um den wirtschaftlichen Schaden zu begrenzen, lautet die Forderung.

Der vorbörslich von der Bank Julius Bär berechnete Swiss Market Index (SMI) notiert gegen 08.15 Uhr 8,01% tiefer auf 7'380,41 Punkten. Dabei ist mit einer starken Volatilität zu rechnen. Zudem gewinnt der als "sicherer Hafen" geltende Schweizer Franken zum Euro an Wert, allerdings deutlich weniger stark als Experten erwartet hatten: der Kurs steht derzeit bei 1,0745 CHF. Händler gehen davon aus, dass die SNB derzeit stark am Devisenmarkt interveniert, um eine noch stärkere Aufwertung des Schweizer Franken zu verhindern.

Am Aktienmarkt seien viele Investoren auf dem falschen Fuss erwischt worden, nachdem in den letzten Tagen noch Zuversicht vorgeherrscht hatte, dass Grossbritannien in der EU bleiben werde, heisst es im weiter Handel. Die mit dem Brexit nun aufkommenden Unsicherheiten seien Gift für die Börse.

Vor allem die Kurse der Banken und Zykliker dürften am Berichtstag gehörig unter Druck kommen. Sie hatten sich in den vergangenen Tagen mit der Hoffnung auf einen "Bremain" stark erholt gezeigt. Im vorbörslichen Geschäft geben nun UBS und Credit Suisse um 15% bzw. 14% nach. Konjunktursensitive Aktien wie jene von ABB, Adecco (beide -11%), Richemont (-8,6%) oder Swatch (-8,5%) geben ebenfalls stark nach. Die beiden Luxusgütertitel dürften zusätzlich noch von einer Abstufung der Bank BaaderHelvea auf "Hold" von "Buy" leiden.

Aber auch die eigentlich defensiven Schwergewichte können sich vorbörslich dem Abwärtstrend nicht entgegensetzen. So verlieren Nestlé und Roche jeweils 6,4%, während Novartis gar um 8,1% einbrechen.

Unternehmensnachrichten spielen derweil am Berichtstag kaum eine Rolle. Etwas Aufmerksamkeit könnten allenfalls Valora (kein vorbörslicher Kurs) auf sich ziehen. Der Detailhändler hat das Logistik- und Distributionsgeschäft von Naville an den deutschen Mediendienstleister 7Days verkauft. Der erwartete Geldzufluss (netto) werde sich in der Grössenordnung von 23 Mio CHF befinden, hiess es.

mk/ra

(AWP)