Aktien Schweiz Vorbörse: Brexit sorgt für weitere Verluste

Zürich (awp) - Der Schweizer Aktienmarkt dürfte gemäss den vorbörslichen Kursen die neue Woche so starten wie er die alte beendet hat: mit starken Verlusten. Das unerwartete Votum Grossbritanniens für den Austritt aus der EU hatte die Investoren am Freitag auf dem völlig falschen Fuss erwischt und sorgt nun für anhaltende Unsicherheit. "Der Brexit-Schock wirkt auch in der neuen Woche nach", heisst es im Handel.
27.06.2016 08:45

Wohin die Reise nun gehen wird, weiss niemand. Die meisten Marktteilnehmer rechnen jedenfalls mit einer längeren Phase der (politischen) Ungewissheit. Und dass dies für die kurz- bis mittelfristige Entwicklung der Aktienmärkte nichts Gutes verheisst, ist ebenfalls für die meisten Marktteilnehmer ziemlich klar. Sollte sich abzeichnen, dass die Verhandlungen zwischen Grossbritannien und Europa lange andauern und gehässig werden, dürften die Aktienmärkte bald noch deutlich weiter fallen, glauben Investoren.

Der vorbörslich von der Bank Julius Bär berechnete Swiss Market Index (SMI) verliert um 08.25 Uhr 1,12% auf 7'660,64 Punkte. Dabei ist mit einer erhöhten Volatilität zu rechnen: Am Freitag war das Schweizer-Volatilitätsmass im frühen Handel um über ein Drittel angestiegen, sank dann allerdings mit der Erholung am Markt auch wieder deutlich.

Unter den Einzeltiteln dürften die Grossbanken UBS (-2,6%) und Credit Suisse (-2,4%) erneut zu den grössten Verlierern gehören, nachdem sie am Freitag bereits um 11,2% bzw. 13,9% eingebrochen waren. Die Ungewissheit, was mit dem Finanzplatz London nach dem Brexit-Votum geschieht belastet die Kurse der Grossbanken. Die Banken dürften jedenfalls schon bald einen Abzug aus London prüfen oder zumindest gewisse Aktivitäten dort abbauen und verschieben, sagen Branchenkenner. Auch Analysten reagieren darauf: So hat etwa das US-Haus JP Morgan für beide Schweizer Grossbanken-Titel das Rating auf 'Untergewichten' gesenkt.

Auch Julius Bär (-2,0%) gehören vorbörslich zu den schwächeren Werten, und auch die Versicherungstitel wie Zurich (-1,2%) oder Swiss Re (-0,9%) dürften weiter unter Druck stehen. Besser halten sich Swiss Life (-0,7%). CEO Patrick Frost hat in der "Finanz und Wirtschaft" gesagt, dass trotz des Prämienrückgangs im ersten Quartal um 10% kein Gewinn- und Dividendenrückgang zu befürchten sei.

Wie bereits am Freitag werden am heutigen Handelstag auch die zyklischen Aktien wie Adecco (-2,7%), LafargeHolcim (-1,4%), Richemont und Swatch (je -1,2%) oder ABB (-1,1%) voraussichtlich unterdurchschnittlich abschneiden.

Unterdurchschnittliche Verluste sind dagegen bei den einigen defensiven Werten wie etwa Nestlé (-0,8%) und Roche (-0,9%) oder SGS (-0,7%) zu erwarten. Für Nestlé und SGS hat etwa der französische Broker Exane BNP trotz Brexit die Kursziele erhöht.

Neben den defensiven Titeln bleiben sonst vor allem als sichere Häfen geltende Anlagen zum Wochenauftakt gefragt: Der Goldpreis etwa legt am Morgen weitere 1,6% zu und notiert auf dem höchsten Stand seit fast zwei Jahren. Und auch der Yen und der Franken bleiben als Fluchtwährung zumindest phasenweise gesucht.

uh/ys

(AWP)