Aktien Schweiz Vorbörse: Deutliches Minus erwartet - Sehr schwache US-Vorgaben

Zürich (awp) - Der Schweizer Aktienmarkt dürfte mit klaren Verlusten in die neue Woche starten. Grund sind schwache Vorgaben aus den USA bzw. Aussagen eines Mitglieds der US-Notenbank Fed am Freitag, welche neue Befürchtungen über eine schnelle Zinserhöhung in den USA entfachten. Eric Rosengren, regionaler Notenbankchef von Boston, hatte sich nämlich gegen eine zu lang anhaltende lockere Geldpolitik ausgesprochen. Ansonsten drohe die US-Wirtschaft zu überhitzen, was eine umso raschere Zinsstraffung durch die Notenbank erfordern könne, meinte er.
12.09.2016 08:44

Die Äusserungen von Rosengren seien insofern beachtlich, da er normalerweise einer lockeren Geldpolitik zuneige, hiess es im Markt. Jedenfalls rissen die Aussagen den US-Markt am Freitag aus wochenlanger Lethargie und führten beim Dow Jones Industrial zum grössten Tagesverlust seit dem Brexit-Votum. Es gebe nun gewisse Befürchtungen, dass das Fed doch überraschend früher als erwartet bzw. noch diesen Monat die Zinsen ein weiteres Mal erhöhen könnte. Entsprechend werden die Märkte mit Argusaugen auf Aussagen weiterer Fed-Mitglieder schauen. Besonderes Augenmerk liege dabei auf der Rede von FOMC-Board-Mitglied Lael Brainard heute Abend - nach ihr beginnt dann das offizielle Redeverbot für Fed-Offizielle vor der September-Sitzung (21.9.).

Der vorbörslich von der Bank Julius Bär berechnete Swiss Market Index (SMI) notiert um 08.20 Uhr 1,10% tiefer auf 8'173,06 Punkten. Auch die Volatilität dürfte wieder deutlich zulegen. Der VSMI jedenfalls hatte bereits am Freitag - allerdings von einem tiefen Stand - um über 6% zugelegt.

Nachrichten aus dem Schweizer Unternehmensuniversum sind derweil eher spärlich. Aus dem SMI-Bereich hat einzig Swiss Re (-1,0%) im Vorfeld einer Branchen-Veranstaltung in Monte Carlo über die erwartete Preisentwicklung informiert. Der Rückversicherer rechnet demnach mit einer Stabilisierung der seit einiger Zeit unter Druck stehenden Preise für Rückversicherungsdeckung. In Marktkreisen hiess es, dass es keine grosse Überraschungen gegeben habe am Treffen in Monte Carlo.

Relativ deutliche Verluste gibt es vorbörslich bei den Grossbanken UBS (-1,7%) und CS (-1,5%). Zum Teil dürfte es sich um Gewinnmitnahmen handeln, haben doch zumindest CS letzte Woche 4,5% zugelegt und waren damit grösster Wochengewinner bei den SMI-Titeln.

Daneben sind aber vor allem konjunktursensitive Titel am Schluss der Tabelle zu finden, wie etwa ABB (-1,6%), Adecco (-1,6%) oder auch LafargeHolcim (-1,4%). Die geringsten Abgaben sind bei Actelion, Swatch und Swisscom (je -0,8%) auszumachen.

Auch die defensiven SMI-Schwergewichte dürften dem Markt keinen Halt bieten. Die schwache Phase bei den Pharmatiteln scheint sich jedenfalls fortzusetzten, mit einem vorbörslichen Minus von 1,2% bei Novartis bzw. 0,9% bei Roche. Und auch Nestlé (-1,0%) büssen in dieser Grössenordnung ein.

Im breiten Markt könnten Kudelski (+1,8%) positiv herausragen. Die Tochter Nagra hat nämlich vor einem US-Gericht im Rechtsstreit mit der chinesischen Gotech einen Erfolg erzielt. Ein US-Bezirksgericht hat die Chinesen wegen Produktpiraterie verurteilt und Nagra eine Schadenersatzzahlungen in Höhe von 101 Mio USD zugesprochen.

uh/ra

(AWP)