Aktien Schweiz Vorbörse: Höhere Eröffnung erwartet - Notenbanken stützen

Zürich (awp) - Der Schweizer Aktienmarkt dürfte den Handel am Freitag mit festeren Kursen eröffnen und somit die Erholung zu Beginn des zweiten Halbjahres in moderatem Tempo fortsetzen. Noch vor einer Woche hatte der Entscheid der Briten, die EU verlassen zu wollen, die Börsen stark unter Druck gesetzt und auch der Schweizer Leitindex SMI fiel in einer Erstreaktion um beinahe 550 Punkte unter die Schwelle von 7'500 Stellen zurück. Mittlerweile haben sich die Finanzmärkte vom Brexit-Schock gut erholt und auch der SMI notiert wieder über der 8'000-Punktemarke, wo er auch vor der Abstimmung lag. Im Handel wird sogar bereits von einem Brexit-Rally gesprochen.
01.07.2016 08:45

Der Stimmungskiller Brexit sei zuletzt in den Hintergrund gerückt, meint ein Händler. Und nicht wenige Experten sehen nun für Europa die Chance, sich neu zu ordnen. So könnte das Votum der Briten die restlichen EU-Länder wachrütteln und zur Umsetzung längst notwendiger Reformen veranlassen, heisst es. Zudem dürften die internationalen Notenbanken wegen des Brexit ihre Geldschleusen weit geöffnet lassen. Gestützt werden die Märkte heute von guten Vorgaben aus den USA, wo die von BoE-Chef Mark Carney in Aussicht gestellte weitere geldpolitische Lockerung sowie Konjunkturzahlen gut aufgenommen wurden. Etwas belasten könnten dagegen enttäuschende Wirtschaftsdaten aus China. Im Verlauf stehen der Einkaufsmanagerindex der Eurozone und später das US-Pendant auf dem Programm.

Der vorbörslich von der Bank Julius Bär berechnete Swiss Market Index (SMI) notiert um 08.20 Uhr 0,58% höher auf 8'067,78 Punkten. Der Euro verteidigt zum Schweizer Franken die 1,08-Marke während die Volatilität am Markt weiter abgenommen hat. Der VSMI ist am Donnerstag um 7,6% auf 21,16 Punkte zurückgefallen. Mitte Juni lag er noch über 30 Punkten.

News zu Blue Chips-Unternehmen sind am Freitag sehr dünn gesät und die meisten Titel liegen im vorbörslichen Geschäft zwischen 0,4 oder 0,6% im Plus. So auch die Pharmaschwergewichte Roche (+0,4%) und Novartis (+0,5%), wogegen Nestlé mit 0,9% etwas deutlicher dazugewinnen und den Gesamtmarkt eine gute Unterstützung bieten.

Im Finanzsektor steigen die im Juni arg gebeutelten Bankaktien der UBS und Credit Suisse um je 0,6%. Zurich Insurance Group avancieren gar mit 1,2% und verzeichnen damit den grössten Anstieg im vorbörslichen Geschäft. JPMorgan hat das Rating für die Zurich auf "Overweight" von "Neutral" erhöht und auch das Kursziel klar angehoben. Die Zurich sei von den Marktschwankungen in Europa am wenigsten betroffen, da 40% der Nichtlebenprämien in Nordamerika generiert würden, heisst es in der Begründung. Zudem sei der Schweizer Versicherer weniger anfällig mit Blick auf das aktuelle Tiefstzinsumfeld als die Konkurrenz.

Bei den Zyklikern fallen ABB mit einem Plus von 0,9% auf. Swatch und Richemont liegen im vorbörslichen Geschäft mit je 0,5% im Plus. Dabei haben die Analysten von JPMorgan die Kursziele für beide Titel ziemlich deutlich gesenkt, das Rating aber auf "Neutral" belassen. Nach der Brexit-Abstimmung hat die Bank die Modelle überarbeitet, um den Wechselkursbewegungen Rechnung zu tragen. Zudem sei sie der Luxusgüterbranche gegenüber nun für das zweite Quartal sowie das zweite Halbjahr noch vorsichtiger eingestellt. Zuletzt hatten eine Reihe anderer Analysten mit ähnlichen Begründungen Kursziele und/oder die Ratings gesenkt.

Im breiten gefassten Markt hat der Bankensoftwarespezialist Temenos von der britischen Standard Chartered einen Auftrag erhalten. Die Temenos-Aktie gewinnt vorbörslich mit 1,0% überdurchschnittlich dazu. Derweil gibt das Immobilienunternehmen Intershop (kein vorbörslicher Kurs) sein Auslandsengagement auf und verkauft die 2013 erworbene Beteiligung am weltweiten Immobilieninvestor Corestate Capital an deren Mehrheitsaktionär Ralph Winter.

mk/tp

(AWP)