Aktien Schweiz Vorbörse: Italien verursacht Kater, aber keinen Totalbsturz

Zürich (awp) - Der Schweizer Aktienmarkt steht am Montagmorgen im vorbörslichen Geschäft im Minus. Das Scheitern der Verfassungsreform in Italien und die Ankündigung des Rücktritts von Ministerpräsident Matteo Renzi setzen die Aktienmärkte zum Wochenbeginn wie erwartet unter Druck, der befürchtete Einbruch bleibt vorerst aber aus. Hierzulande stützen vor allem die defensiven Schwergewichte mit vergleichswiese moderaten Abgaben den Gesamtmarkt, während die Banken überdurchschnittlich an Wert einbüssen.
05.12.2016 08:45

Mit dem Ausgang der Abstimmung in Italien droht der durch das Brexit-Votum bereits angeschlagenen EU eine weitere Schwächung. Die eurokritische Bewegung "Cinque Stelle" sieht in dem Ergebnis denn auch Rückenwind und hat bereits Neuwahlen gefordert. Dass die Aktien nicht stärker einbrechen, wird in Marktkreisen einerseits damit begründet, dass sich der Abstimmungsausgang bereits in der vergangenen Woche abgezeichnet hatte. Und andererseits versprechen sich verschiedene Marktteilnehmer, dass die EZB bei einer zu starken Reaktion der Märkte noch vor der ordentlichen letzten Sitzung des Jahres vom kommenden Donnerstag Stützungsmassnahmen vornehmen könnte.

Der vorbörslich von der Bank Julius Bär berechnete Swiss Market Index (SMI) notiert gegen 08.20 Uhr um 0,34% tiefer bei 7'757,67 Punkten. Der Euro ist zum Franken am späten Sonntagabend unmittelbar nach Bekanntwerden des "No" der Italiener kurzfristig unter die Marke von 1,07 CHF gefallen, kurz darauf hat sich der Kurs aber wieder in den Bereich von 1,0730 CHF erholt. Seither tendiert der Franken zum Euro seitwärts.

Vor allem die Banken zeigen sich von den mit Italien verbundenen hohen Unsicherheiten belastet. Denn für italienische Geldinstitute mit ihren milliardenschweren faulen Krediten dürften Sanierungsschritte nun schwieriger werden. Im vorbörslichen Handel fallen CS und UBS (je -2,1%) am meisten zurück, Julius Bär (-1,3%) büssen daneben als dritter Wert über 1% ein.

Nebst der allgemeinen Nervosität im Zusammenhang mit Italien, welche den Bankensektor europaweit belastet, werden die beiden Grossbanken von einer Studie von Morgan Stanley gebremst. UBS und CS könnten von den neuen Eigenmittelvorschriften "Basel IV" stärker betroffen sein als die europäische Konkurrenz, lautete das Fazit einer Studie des amerikanischen Instituts. Dagegen hat HSBC das Kursziel für CS leicht erhöht und das Rating "Buy" bestätigt.

Die Mehrheit der übrigen Bluechips verzeichnet aktuell Abgaben im Bereich von 0,3 bis 0,6%. Für die Swiss Re hat S&P Global das Rating auf "Hold" von "Buy" zurückgenommen, während die UBS das Kursziel bei einem unveränderten Rating "Neutral" etwas erhöht hat.

Gestützt wird der Gesamtmarkt vor allem von nur moderat tieferen Roche, Nestlé (je -0,3%) und Novartis (-0,4%). Die beiden Pharmafirmen haben übers Wochenende mit verschiedenen Produktenews aufgewartet, die Kursgewinne dürften allerdings eher den Eigenschaften dieser Titel als "sicherer Hafen" geschuldet sein.

Einen weiteren Ausreisser nach oben zeigen Actelion (+7,2%). In der Wochenendpresse wurde fleissig über eine mögliche Übernahme durch Johnson&Johnson spekuliert. Gleichzeitig hat sich Novartis-CEO Joe Jimenez in einem Interview gegen eine Beteiligung von Novartis an einem allfälligen Bieterwettbewerb für Actelion ausgesprochen. Er betonte, dass sich Novartis auf ergänzende Akquisitionen im Rahmen von 2 bis 5 Mrd USD konzentriere. Actelion war aber zum Schlusskurs vom Freitag bereits rund 22 Mrd USD wert.

cf/ys

(AWP)