Aktien Schweiz: Zurückhaltung vor EBZ-Entscheiden

Zürich (awp) - Der Schweizer Aktienmarkt verzeichnet am Donnerstagmittag kurz vor einer weiteren wichtigen Sitzung der EZB leichte Verluste. Nach einem verhaltenen Start mit allerdings zeitweise gut gehaltenen Notierungen, sind die Kurse gegen Mittag etwas deutlicher ins Minus gerutscht. Bis die neuesten Massnahmen der EZB und deren Begründung dafür tatsächlich bekannt seien, hielten sich die Investoren mit Engagements zurück, hiess es in Marktkreisen. Zudem stehe zwar aktuell die EZB im Fokus, aber die Wichtigkeit der Ölpreise habe noch nicht abgenommen und dieser befand sich am Donnerstag wieder im Rückwärtsgang.
10.03.2016 12:42

Dass die EZB die Geldpolitik weiter lockern wird, scheint in Marktkreisen klar. Mehrheitlich wird eine neuerliche Senkung des bereits negativen Einlagensatzes erwartet. Unklar ist allerdings der zu erwartende Umfang der Lockerungen, beispielsweise auch mit Blick auf die Anleihenkäufe, und ebenso unklar scheint die mögliche Reaktion der Finanzmärkte auf allfällige Massnahmen und die damit verbundenen Äusserungen. So haben im Vorfeld nicht wenige Markteilnehmer gewarnt, dass die EZB die Märkte allenfalls nur kurzfristig stützen könnte. Die LBBW beispielsweise bezweifelt in einem Kommentar offen die Möglichkeit einer positiven Überraschung. Das Enttäuschungspotential scheint auf jeden Fall viel höher als das Potential in die andere Richtung.

Der Swiss Market Index (SMI) steht um 11.50 Uhr 0,27% tiefer bei 7'954,04 Punkten. Der 30 Titel umfassende Swiss Leader Index (SLI), in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, gibt 0,36% auf 1'224,67 Punkte nach und der breite Swiss Performance Index (SPI) 0,25% auf 8'415,88 Punkte. Von den 30 SMI/SLI-Titeln steht eine Mehrheit von 22 Titeln tiefer, deren 8 legen zu.

Die grössten Abgaben verzeichnen im Zusammenhang mit den leicht gesunkenen Ölpreisen Transocean (-3,7%). Allerdings steht die Aktie nach den massiven Sprüngen nach oben von Ende vergangener Woche noch immer deutlich über dem Niveau der drei Wochen davor.

Leicht überdurchschnittliche Abgaben verzeichnen auch LafargeHolcim (-2,4%), Julius Bär (-1,3%) und Adecco (-1,1%). Adecco hatten am Vortag im Anschluss an die Publikation wenig überraschender Jahreszahlen noch 1,5% zugelegt. Am Donnerstag hat nun Baader Helvea das Kursziel für die Aktie leicht gesenkt, dabei aber das Rating "Buy" bestätigt.

Leichten Verkaufsdruck gibt es auch auf Finanztitel wie CS (-1,1%), Zurich (-0,9%) und UBS (-0,7%).

Nestlé geben 0,4% nach und belasten damit den Gesamtmarkt leicht, nachdem Goldman Sachs das Kursziel etwas zurückgenommen und dabei die Einstufung "Sell" bestätigt hat. Goldman Sachs beurteilt das Wachstumspotential von Nestlé sehr kritisch.

Die stärksten Gewinne weisen auf der Gegenseite Swatch auf, welche im Umfeld der heutigen Bilanzmedienkonferenz 1,2% anziehen. Konzernchef Nick Hayek äusserte sich gewohnt optimistisch, er sieht an den Weltmärkten nach wie vor Chancen.

Hinter Swatch platzieren sich Novartis (+0,4%) und Richemont (+0,3%) auf dem Podest. Am Vorabend hatte die Onlinehandelsplattform Yoox Net-A-Porter Group, an der Richemont mit 50% beteiligt ist, Zahlen bekanntgegeben. Demnach hat das Unternehmen nebst einer Steigerung des Umsatzes um rund 30% eine überproportionale Verbesserung des Gewinns um rund 40% erreicht.

Swiss Re (+0,1%) halten sich ebenfalls knapp in der Gewinnzone. Der Rückversicherer hat am Vorabend die Vereinbarung eines zweijährigen Rückversicherungsgeschäfts mit der amerikanischen American International Group (AIG) bekanntgegeben.

Im breiten Markt legen jeweils nach Jahreszahlen Kardex (+2,8%) etwas kräftiger und Sunrise (+1,1%) sowie LLB (+0,8%) etwas moderater. Sunrise hat nebst den soliden Zahlen überraschend einen CEO-Wechsel kommuniziert.

Schaffner (-2,0%) sind nach einem gehaltenen Start in den roten Bereich zurückgefallen. Der Komponentenhersteller hat am Morgen eine Gewinnwarnung publiziert. Wegen des konjunkturellen Gegenwinds muss das Unternehmen Kostensenkungsmassnahmen einleiten, deren Einmaleffekte wiederum das operative Ergebnis im ersten Semester in die Verlustzone abrutschen lassen.

Alpiq (-4,3%) büssen weiter klar an Terrain ein. Der am Vorabend angekündigte Verkauf des Anteils an Romande Energie Commerce an die bestehenden Hauptaktionäre löst an der Börse keine Begeisterungsstürme aus.

cf/ra

(AWP)