Finanzwerte bewahren Schweizer Börse vor Kursrückgang

Die Schweizer Börse hat sich am Mittwoch seitwärts bewegt. Der Leitindex SMI notierte zum Handelsschluss bei 9099 Zählern und damit knapp 0,2 Prozent im Minus.
27.09.2017 17:42

Die Anleger hielten sich bedeckt, sagte ein Händler. "Die Kaufbereitschaft ist eher gering." Nach wie vor verunsichern die Spannungen zwischen Nordkorea und den USA sowie die Referenden in Katalonien und im Irak die Anleger.

Für frischen Wind könnte US-Präsident Donald Trump sorgen: Er will nach achtmonatiger Vorbereitung die Pläne für Steuersenkungen der Öffentlichkeit vorstellen. "Die Erwartungen sind hoch, nachdem Präsident Trump von 'gewaltigen Entlastungen' gesprochen hat", sagte ein Börsianer.

Für Unterstützung sorgten die höheren Anleihenrenditen und der stärkere Dollar. US-Notenbankchefin Janet Yellen hatte am Dienstag erklärt, dass die unerwünscht niedrige Inflation weiteren Zinserhöhungen nicht im Wege stehe. Es sei unklug zu warten, bis das Zwei-Prozent-Ziel bei der Teuerung erreicht sei. Die Federal Reserve Bank hält den Zins in einer Spanne von 1,0 bis 1,25 Prozent. Zuletzt signalisierte die Notenbank eine weitere Erhöhung noch in diesem Jahr. Auch der neue Chef des Fed-Ablegers Atlanta, Raphael Bostic, ist offen für einen solchen Schritt im Dezember.

Dank der Aussicht auf höhere US-Zinsen griffen die Anleger zu Finanzwerten. "Höhere Zinsen bedeuten höhere Renditen und damit attraktivere Geschäftsaussichten", sagte ein Händler. Die Aktien der Credit Suisse stiegen um 1,3 Prozent und die der UBS ebenfalls um 1,3 Prozent. Dass in Deutschland die Staatsanwaltschaft wegen des Verdacht der Steuerhinterziehung zahlreiche Objekte der UBS durchsuchte, hatte Händlern zufolge keinen Einfluss auf den Kurs.

Auch die Vermögensverwalter Julius Bär, GAM Holding und EFG International gewannen an Wert. Die Versicherungswerte tendierten ebenfalls fester.

Firmenspezifische Impulse waren rar. Die Aktien von Nestle schwächten sich nach dem kräftigen Anstieg vom Vortag um 1,2 Prozent ab. Der Chef des Lebensmittelkonzerns, Mark Schneider, hatte am Dienstag seine Pläne vorgestellt, wie er den Weltmarktführer auf mehr Wachstum trimmen will. Die Analysten von SocGen, UBS und Goldman Sachs hoben das Kursziel für Nestle an.

Von den beiden anderen SMI-Schwergewichte verlor Novartis 0,6 Prozent an Wert, während die Roche-Anteile 0,1 Prozent zulegten.

Die Aktien des Pharmazulieferers Lonza setzten mit einem Kurseinbruch von 1,4 Prozent ihre Talfahrt fort. Händler sprachen von Gewinnmitnahmen. Lonza ist mit einem Plus von 54 Prozent im laufenden Jahr Spitzenreiter unter den Schweizer Bluechips. Marktteilnehmern zufolge seien Anleger anlässlich von Investoren-Präsentationen von Konzernchef Richard Riediger in den USA offenbar zum Schluss gekommen, dass sich Analysten mit ihren Gewinnschätzungen für Lonza etwas zu weit vorgewagt hätten. Ein Lonza-Sprecher erklärte, Ridinger habe keine Empfehlung abgegeben, die Schätzungen zu senken. Die Prognosen für 2017 und 2022 würden weiterhin gelten. "Auf diesem Niveau braucht es nicht viel und die Leute streichen Gewinne ein", sagte ein Händler.

Die Aktien zyklischer Firmen tendierten meist höher. Die Titel der Luxusgüterhersteller Richemont und Swatch stiegen um 0,5 und 0,9 Prozent. Nach einer Studie des Beratungsunternehmens Deloitte über die Schweizer Uhrenindustrie sind mehr als die Hälfte der befragten Firmen optimistisch für die kommenden zwölf Monate.

Die Anteile des Elektrotechnikkonzerns ABB und des Zementproduzenten LafargeHolcim zogen 0,4 und 0,6 Prozent an.

Am breiten Markt fielen die Aktien der Schweizerischen Nationalbank (SNB) mit einem Kursanstieg von sieben Prozent auf, nachdem sie hatten am Vortag zwölf Prozent eingebüsst hatten. Der Kurs hatte sich in den vergangenen Monaten mehr als verdoppelt und die SNB-Aktien waren so teuer wie noch nie.

Die Anteile des Solarindustrie-Zulieferers von Meyer Burger rückten 4,1 Prozent vor, nachdem sie am Dienstag mehr als acht Prozent eingebrochen waren.

(Reuters)