FOKUS 1-Schweizer Anleger warten vor EZB ab - Nestle unter Druck

Zürich, 14. Jun (Reuters) - Die Schweizer Börse hat am Donnerstag nachgegeben. Die Aussicht auf eine restriktivere Geldpolitik in den USA belaste die Stimmung. Zudem sorgten sich Anleger wieder stärker um die Folgen d...
14.06.2018 12:30

Zürich, 14. Jun (Reuters) - Die Schweizer Börse hat am Donnerstag nachgegeben. Die Aussicht auf eine restriktivere Geldpolitik in den USA belaste die Stimmung. Zudem sorgten sich Anleger wieder stärker um die Folgen des Handelsstreits der USA mit Europa und China.. Da am Nachmittag die Europäische Zentralbank (EZB) die Ergebnisse ihrer geldpolitischen Beratungen veröffentlicht, wollte sie keine Risiken eingehen und blieben in Deckung.

Der SMI sank um 0,7 Prozent auf 8572 Zähler. Am Vortag hatte der Leitindex um 0,1 Prozent leichter geschlossen.

Die US-Notenbank Fed hob Mittwochabend wie von den meisten Analysten erwartet den Schlüsselsatz um 25 Basispunkte auf 1,75 bis 2,0 Prozent an. Die Währungshüter signalisierten zudem, dass es wegen der brummenden Konjunktur dieses Jahr auf vier Zinsanhebungen hinauslaufen dürfte.

Die Leitzinserwartungen des Offenmarktausschusses der Fed, die drei Schritte in 2019 signalisierte, könnten zu hoch sein. Der Leitzinspfad folge in der Regel der Konjunkturdynamik und die zeige für die kommenden Quartale eine Abschwächung, sagte Andreas Busch von der Bantleon Bank. Er rechne nach vier Zinserhöhungen in 2018 mit nur noch zwei im kommenden Jahr.

Von der EZB wird am Markt erwartet, dass sie die Weichen in Richtung einer weniger expansiven Geldpolitik stellen könnte. EZB-Chef Mario Draghi dürfte zumindest Hinweise geben, dass die Anleihenkäufe noch dieses Jahr enden. Am bei Null liegenden Leitzins dürfte die EZB wohl nicht rütteln. Der Zinsentscheid wird um 13.45 Uhr veröffentlicht.

Die Analysten der Credit Suisse gehen davon aus, dass die EZB bis September monatlich Anleihen im Wert von 30 Milliarden Euro kauft und dies im vierten Quartal auf durchschnittlich zehn Milliarden Euro pro Monat reduziert. "Anschliessend dürften die Zinsen ab Juni 2019 erhöht werden", so die CS-Analysten.

16 der 20 Standardwerte gaben nach. Der grösste Druck ging vom Marktschwergewicht Nestle aus, das 1,7 Prozent einbüsste. Dies belastete den Leitindex mit 25 Punkten. Die Kursschwäche könnte mit dem Eurex-Verfall am Freitag zusammenhängen. Zudem wird nach dem Verfall unter anderen auch der SMI neu berechnet. Dabei werde die Gewichtung von Nestle leicht reduziert, erklärte ein Händler.

Die beiden anderen SMI-Riesen Novartis und Roche verloren 0,4 und 0,8 Prozent. Roche gaben trotz guter Nachrichten zum Multiple-Sklerose-Medikament Ocrevus nach. Die Behandlung mit der Arznei schiebt bei Patienten mit primär progredienter multipler Sklerose (PPMS) den Zeitpunkt, ab dem sie auf einen Rollstuhl angewiesen sind, um sieben Jahre hinaus. Zudem kann der Pharmariese sein Krebsmedikament Avastin in den USA künftig breiter einsetzen. Die Arzneimittelbehörde FDA liess das Präparat in Kombination mit einer Chemotherapie zur Behandlung von Eierstockkrebs nach vorangegangener Operation zu.

Die beiden Luxusgüterhersteller Richemont und Swatch reihten sich mit Abschlägen von einem respektive 1,4 Prozent bei den Verlierern ein. Aktien anderer zyklischer Firmen schlugen sich besser. ABB und Adecco legten leicht zu. Sika und LafargeHolcim verzeichneten Einbussen von gegen 0,5 Prozent.

Bei den Grossbanken notierten Credit Suisse um 0,5 Prozent tiefer und UBS waren gehalten. Die Versicherer tendierten ein wenig schwächer.

Am breiten Markt setzten die Aktien von Meyer Burger den Abwärtstrend um 3,8 Prozent auf 0,987 Franken fort. Die ZKB nahm die Empfehlung für Meyer Burger auf "Marktgewichten" von "Übergewichten" zurück und nannte einen fairen Wert von 1,24 Franken. Die Bank reduzierte ihre Gewinnschätzungen wegen der Änderungen in der chinesischen Subventionspolitik. Die Analysten der Credit Suisse reduzierten das Kursziel auf 1,10 von 1,40 Franken. Die Empfehlung lautet auf "Neutral".

Die Aktien von Ceva Logistics legten mit Unterstützung von Kaufempfehlungen von Berenberg, UBS und Morgan Stanley 2,5 Prozent zu. (Reporter: Rupert Pretterklieber; redigiert von Angelika Gruber)

(Reuters)