FOKUS 2-Novartis und Nestle verhindern Abrutschen der Schweizer Börse

Die Schweizer Börse hat am Dienstag anfängliche Kursgewinne wieder preisgegeben. Die Anleger habe der Mut verlassen, sagten Händler.
20.06.2017 17:03

"Wir sind stark gestiegen und die Entwicklung an den Märkten verläuft allmählich etwas harzig", sagte ein Börsianer. "Vielleicht ist es an der Zeit, ein paar Chips vom Tisch zu nehmen." Der SMI schliesst mit 9024 Punkten geringfügig unter dem Vortagsschluss. Vorübergehend war der Leitindex bis auf 9067 Zähler gestiegen.

Viele die Marktteilnehmer fragten sich, ob eine zu rasche Straffung der US-Geldpolitik den Aufschwung der weltgrössten Volkswirtschaft gefährden könnte. Fed-Mitglied William Dudley sprach sich gegen eine Pause im Zinserhöhungszyklus aus und trat Zinsspekulationen los. Sein Kollege Charles Evans hingegen plädierte für behutsames Vorgehen bei den Zinsanhebungen. Für Nervosität sorgte zudem der Ölpreis, der auf den tiefsten Stand seit sieben Monaten sank.

Vor allem Kursgewinne der Index-Schwergewichte Nestle und Novartis hielten den Markt in der Gewinnzone. Die Anteile von Nestle zogen 0,7 Prozent an. Der Lebensmittelkonzern baut sein Geschäft weiter um und beteiligt sich an der New Yorker Firma Freshly, einem Anbieter von frisch zubereiteten Mahlzeiten. Nestle-Chef Ulf Mark Schneider setzt neben dem Ausbau des Kerngeschäfts auf das vielversprechende Gesundheitsgeschäft, um den Weltmarktführer auf mehr Wachstum zu trimmen.

Die Novartis-Aktien stiegen um 0,8 Prozent. Positive Testergebnisse versprechen Schub für das in der Entwicklung steckende Augenmedikament RTH258. Mit der Arznei liess sich die Erkrankung altersbedingte Makuladegeneration (AMD) bei geringere Dosierung gleich wirksam behandeln wie mit der Bayer-Arznei Eylea.

Die Roche-Genussscheine sanken um 0,9 Prozent auf 253,10 Franken. Exane BNP hat das Kursziel auf 250 von 290 Franken gesenkt und die Empfehlung auf "Neutral" von "Outperform" zurückgenommen. Händlern zufolge schichteten Anleger auch Geld von Roche in Novartis um. "Das Pendel schlägt momentan stärker in Richtung Novartis", sagte ein Börsianer. Roche hat mit Lucentis ein Milliardenmedikament gegen AMD auf dem Markt.

Die zyklischen Werte notierten mehrheitlich schwächer. Die Aktien des Elektrotechnikkonzerns ABB sanken um 0,9 Prozent, die Titel des Zementherstellers LafargeHolcim um 1,4 Prozent und die Papiere des Personaldienstleisters Adecco schwächten sich um 0,7 Prozent ab.

Die Aktien des Chemiekonzerns Clariant kletterten nach einer Kurszielerhöhung und Kaufempfehlung von SocGen um 0,5 Prozent auf 20,83 Franken.

Die Aktien der Banken rutschten im Verlauf ins Minus. UBS gaben 1,1 Prozent nach und Credit Suisse schwächten sich ebenfalls 1,1 Prozent ab. Bei den Versicherungen stiegen die Titel von Swiss Re um 1 Prozent. Die Deutsche Bank hob die Empfehlung für den Rückversicherer auf "Buy" von "Hold" an.

Die Anteile der des Börsenneulings Idorsia zogen weitere 3,8 Prozent auf 15 Franken an. Analysten sind sich über den Wert der Firma uneinig: Während Jefferies die Forschungsfirma mit einem Kursziel von 20 Franken zum Kauf empfiehlt, rät JPMorgan mit Kursziel 7,50 Franken zu "Hold". Die auf die Entwicklung von Herzkreislaufmedikamenten spezialisierten Frima wurden von der Biotech-Firma Actelion abgespalten, die Johnson & Johnson übernommen wurde.

Die Titel von Gurit stiegen um 3,6 Prozent. Die ZKB hat die Empfehlung für die Kunststofffirma auf "Übergewichten" von "Marktgewichten" angehoben. Unter Druck standen dagegen die Aktien der Handelsfirma DKSH, die nach Ratingsenkungen von Credit Suisse und Merrill Lynch 3,6 Prozent einbüssten.

(Reuters)