Gewinnmitnahmen vor Halbjahresende belasten Schweizer Börse

Die Schweizer Börse hat am Donnerstag Terrain eingebüsst. Gewinnmitnahmen vor dem Halbjahresende und der schwächelnde Dollar lasteten laut Händlern auf den Kursen.
29.06.2017 17:40

Die Anleger trennten sich von Aktien, die in den ersten sechs Monaten gut gelaufen seien. Dazu zählten auch zahlreiche Firmen aus der zweiten Reihe. Starker Druck ging auch von den Marktschwergewichten aus. Höhere Anleiherenditen und Kursgewinne bei den US-Geldhäusern ermunterten die Anleger dagegen zu Käufen von Bankaktien.

Der SMI sackte um 1,5 Prozent auf 8944 Punkte ab. Am Mittwoch hatte der Leitindex geringfügig höher geschlossen.

Keinen stärkeren Einfluss hatten Konjunkturzahlen. In Deutschland zog die Teuerung leicht an und die US-Wirtschaft wuchs im zweiten Quartal einen Tick mehr als erwartet. Die Erstanträge auf US-Arbeitslosenhilfe waren mit 244.000 geringfügig höher als von Analysten geschätzt.

Die Aktien der Banken profitierten von den guten Vorgaben ihrer Konkurrenten in den USA. Anziehende Anleiherenditen und der erfolgreich abgeschlossene Banken-Stresstest der US-Notenbank ermunterten die Anleger zum Kauf von Bankaktien, hiess es am Markt. Die 34 grössten US-Banken haben von der Fed grünes Licht für ihre Aktienrückkauf- und Dividendenpläne erhalten. Die Aktien der Credit Suisse und der UBS wurden um zwei und 0,4 Prozent fester gehandelt. Die Anteile des Vermögensverwalters Julius Bär und die Versicherungswerte rutschten nach frühen Gewinnen in die Verlustzone.

Die Anteile von Nestle gaben nach den jüngsten Kursgewinnen 2,1 Prozent nach. Händler sprachen von Gewinnmitnahmen nach dem steilen Anstieg. Der Lebensmittelkonzern hatte mit der Ankündigung eines milliardenschweren Aktienrückkaufs für Kursschub gesorgt. Die beiden Ratingagenturen Standard & Poor's und Fitch setzten die Bonitätsnote um eine Stufe auf "AA-" herab. Moody's hielt an der Einstufung "Aa2" fest.

Die Aktien des Pharmakonzerns Novartis sanken um 1,9 Prozent und der Genussschein von Roche fiel um 1,7 Prozent. Die Zulassung des Novartis-Medikaments Zykadia als primäre Behandlung einer bestimmten Form von Lungenkrebs in der EU wirkte sich kaum aus. Der Expertenausschuss CHMP der europäischen Arzneimittelbehörde EMA hatte die Marktfreigabe im Mai empfohlen.

Bei Idorsia ging der Kursanstieg weiter. Die vom Biotechnologiekonzern Actelion abgespaltene Forschungsfirma hat seit ihrem Börsendebüt vor bald zwei Wochen rund 70 Prozent an Wert gewonnen. Idorsia-Chef und Actelion-Gründer Jean-Paul Clozel hat seine Beteiligung auf knapp 23 Prozent ausgebaut. "Es ist ein starkes Zeichen, wenn der Chef so in seine Firma investiert", sagte ein Händler.

Nach anfänglichen Gewinnen büssten zyklische Aktien deutlich Terrain ein. ABB, Adecco und SGS sackten bis 1,8 Prozent ab. Swatch und Geberit verloren ebenfalls 1,8Prozent an Wert. Die Titel von LafargeHolcim stürzten um 2,4 Prozent ab. Die Deutsche Bank hat die Empfehlung für den Zementproduzenten auf "Hold" von "Buy" zurückgenommen.

Trotz der Aussicht auf eine höhere Dividende trennten sich Anleger von den Logitech-Anteilen. Der Titel des Herstellers von Zubehör für Unterhaltungs- und Büroelektronik sank um 3,1 Prozent. Logitech will die Dividende auf 0,62 von 0,56 Franken je Aktie anheben. "Der Titel zählt mit einem Kursplus von 40 Prozent zu den Aktien, die am besten gelaufen sind", sagte ein Händler.

Die Cosmo-Aktien stiegen um 0,9 Prozent. Das Präparat Remimazolam erreichte in einer spätklinischen Studie der Phase III das Hauptziel im Hinblick auf Sedierung bei Bronchoskopie-Patienten.

Kuros sackten um 4,8 Prozent auf 13 Franken ab. Die auf Wundheilung und Geweberegeneration spezialisierte Firma hat sich durch die Platzierung von neuen Aktien gut 14 Millionen Franken geholt.

Grössere Einbussen wegen Gewinnmitnahmen verbuchten die Aktien der Technologiefirmen und Maschinen- und Anlagenbauer Bobst, Comet, Oerlikon, Conzzeta, SFS und AMS.

(Reuters)