Handelsstreit dämpft Stimmung der Schweizer Anleger

Die Schweizer Börse hat am Dienstag nachgegeben. Händler nannten einmal mehr den schwelenden US-chinesischen Handelsstreit als stimmungsdämpfenden Faktor.
11.09.2018 17:35

Die Märkte stehen auf tönernen Füssen und bei den Anlegern überwiege weiterhin die Vorsicht. Der SMI sank um 0,2 Prozent auf 8915 Zähler. Lediglich das das kräftige Kursplus des Pharmaschwergewichts Novartis bewahrte den Leitindex vor einem noch stärkeren Abrutschen.

Weiterhin drohen Zölle auf fast alle chinesischen Importe in die USA. Zudem will China die Welthandelsorganisation (WTO) in der nächsten Woche um die Erlaubnis bitten, seinerseits gegen die USA Sanktionen zu verhängen. Dabei geht es aber nicht um die aktuelle Auseinandersetzung, sondern um einen Vorfall aus dem Jahr 2013.

Im Blick hatten die Anleger Aryzta. Nach der Bekanntgabe von Einzelheiten zur geplanten Kapitalerhöhung schnellte der Aktienkurs um 16 Prozent hoch. Der Backwaren-Hersteller hat sich mit den Banken BofA Merrill Lynch, UBS, Credit Suisse, JP Morgan und HSBC auf Details der bis zu 800 Millionen Euro schweren Kapitalaufnahme geeinigt. Zudem erklärten sich die Kreditgeber mehrheitlich mit Anpassungen der Kreditbedingungen einverstanden. Damit erkauft sich Aryzta den ZKB-Analysten zufolge Zeit, falls die Kapitalerhöhung scheitern sollte. Mit den Fortschritten bei der Kapitalerhöhung nehme die Unsicherheit ab, erklärte Baader Helvea-Analyst Andreas von Arx.

Gefragt waren auch die Aktien von Partners Group, die um 5,6 Prozent auf 782.50 Franken vorrückten. Der Asset-Manager steigerte den Gewinn im ersten Halbjahr um zehn Prozent auf 394 Millionen Franken. Im Gesamtjahr erwartet das Unternehmen weiterhin elf bis 14 Milliarden Euro an neuen Kapitalzusagen. Baader Helvea hob das Kursziel auf 870 von 850 Franken an und bekräftigte die Kaufempfehlung.

Bei den Standardwerten überwogen die Kursverlierer. Die stärksten Einbussen verzeichneten die Aktien von Richemont mit einem Minus von 1,9 Prozent. Am Vortag war der Luxusgüterhersteller nach Vorlage des Zwischenberichts noch in der Gunst der Anleger gestanden. Die Anteile von Rivale Swatch fielen um 1 Prozent. Händler sagten, der stark exportorientierte Sektor leide unter dem Zollstreit.

Auch Versicherungswerte waren nicht gefragt: Die Anteile von Swiss Re sanken um 1,3 Prozent und die von Zurich um 0,8 Prozent. "Die Anleger befürchten, dass der auf die USA zusteuernde Hurrikan grosse Schäden verursachen könnte", sagte ein Börsianer.

Die Aktien der Grossbanken Credit Suisse und UBS büssten 0,2 und 0,7 Prozent ein.

Ohne klare Richtung zeigten sich Anteile von konjunktursensitiven Firmen: ABB und LafargeHolcim verloren leicht an Wert. Die Bauwerte Geberit und Sika legten zu.

An die Spitze der Bluechips setze sich der Pharmakonzern Novartis mit einem Kursplus von 1,7 Prozent. Exane BNP hat die Empfehlung auf "Neutral" von "Underperform" angehoben. Die ebenfalls schwergewichtigen Scheine des Rivalen Roche und des Nahrungsmittelkonzerns Nestle gaben nach.

Am breiten Markt legten die Scheine von Lindt & Sprüngli 2,3 Prozent auf 6810 Franken zu. Morgan Stanley hat die Analyse des Schokoladeherstellers mit der Empfehlung "Overweight" und einem Kursziel von 8000 Franken aufgenommen.

Auf den Verkaufszetteln standen mit dem Solarzulieferer Meyer Burger und dem Asset-Manager GAM Holding zwei Werte, die seit einiger Zeit unter Druck stehen.

(Reuters)